Genthin l „So einen Meisterbrief bekommt man nicht alle Tage“, sagt Günter Müller und ist sichtlich stolz, als er die gerahmte Auszeichnung in die Hand nimmt. Vor 60 Jahren legte Günter Müller seine Meisterprüfung ab. Es waren dramatische Zeiten für die Familie. Vater und Firmengründer Albert Müller war 1956 ganz plötzlich verstorben, als sein Sohn gerade die Lehre beendet hatte.

In der Mühlenstraße ging es los

Doch für eine Übernahme des 1933 gegründeten väterlichen Betriebes brauchte der Junior einen Meisterbrief - also hieß es pauken, pauken, pauken. Unter der Woche: Abendschule in der Handwerkskammer Magdeburg, auch am Sonnabend und Sonntag. „In dieser Zeit wurde die Firma als sogenannter Witwenbetrieb mit Elektromeister Fritz Krüger weitergeführt“, erinnert sich Müller. Das Geschäft hatte in der Brandenburger Straße, Ecke Mühlenstraße „1-A-Lage“ mit der Persil-Uhr vor der Tür.

Müller legte mit nur 2,5 Gesellenjahren seine Meisterprüfung ab und konnte mit staatlicher Genehmigung den Betrieb am 1. Januar 1959 übernehmen. 20 Jahre war er damals und der jüngste Elektromeister mit eigenem Betrieb im Kreis. „Wir haben alles gemacht, was zu solch einem Elektrobetrieb dazugehört, staatliche Planaufgaben, Reparaturen, Neuanlagen und Ausbildung“, plaudert Müller locker, wie es seine Art ist, aus dem Nähkästchen. Besonders auf die Ausbildung ist er stolz. 53 Lehrlinge hätten in seiner Zeit das Haus mit Abschluss verlassen. „Die haben viel gelernt und aus allen ist etwas geworden.“

Viele Neuanlagen eingerichtet

Anfang der 70er Jahre trennten Müllers Ladenverkauf und Installationsbetrieb voneinander. Edith Homann führte das Geschäft an der Mühlenstraßen-Ecke noch bis 1988. Günter Müller verlegte seinen Firmensitz in die Friedenstraße 12 - bis heute die Adresse. „Elektroinstallationen von A bis Z“ sind seitdem die Sache des Betriebes.

Spaß hätte es ihm immer gemacht, wenn Neuanlagen eingerichtet werden mussten. So richtete der Betrieb etwa die Fachkabinette in der damaligen Hanno-Günther-Oberschule (heute Haus II des Gymnasiums) ein. „Heute sind solche Neuanlagen wesentlich umfangreicher, weil man gleich Telefon-, Fernseh- und Computerleitungen mit integriert, das hatten wir nicht.“ Noch etwas war anders: „Wir haben viel mit der Hand aufgestemmt und geschraubt.

Als Obermeister Gesellen geprüft

Heute gäbe es für viele Handgriffe Elektrogeräte, die viel körperliche Arbeit abnehmen. „Aber alles was wir an Technik einsetzen und einbauen, muss man beherrschen und kennen.“ Ständig sei daher Weiterbildung erforderlich. Mit Bildung und Ausbildung hat sich Müller in seinem ganzen Berufsleben und selbst im Rentenalter gewidmet. Er war jahrelang Obermeister der Berufsgruppe Elektro Genthin-Havelberg und Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Bis 2015 war Müller Mitglied im Prüfungsausschuss der Elektro-Innung Jerichower Land.

Stolz macht es Günter Müller, dass es seinen Betrieb „Elektro Müller“ noch heute gibt. Sohn Sven ist in seine Fußstapfen getreten und führt den Betrieb seit einer ganzen Zeit. Mit einem Auge schielt der Senior aber dennoch auf die Marktsituation, kennt Neuerungen und das Umfeld des Betriebes. „Ich bin zwar nur noch zweiter Geschäftsführer, aber natürlich noch interessiert am Geschehen“, sagt er. Und ruhig wird es nicht.

Im kommenden Jahr feiert Müller den 60. Jahrestag der Übernahme des Betriebes und seinen 80. Geburtstag. Zuvor muss noch der diamantene Meisterbrief einen Platz zwischen zahlreichen Urkunden und Abschlüssen an den Wänden finden. „Vielleicht dorthin“, sagt Müller. Dann hingen Meisterbrief von 1958, der goldene und diamantene Brief in einer Reihe.