Parey l Friedrich Schwarz, Vorsitzender des Pareyer Gemeindekirchenrates, ist froh, denn die gegossene dritte Glocke steht wieder in der historischen Pareyer Kirche. „Hurra, die Glocke ist da“, sagt Pfarrer Andreas Breit. Vor allem der Gemeindekirchenratsvorsitzende habe sich sehr für die Glocke engagiert, so Breit. So haben er und seine Frau Helga im Rahmen des Pareyer Weihnachtsmarktes zum Beispiel selbst hergestelltes Quittengelee verkauft, um Geld für den Guss de Glocke zu sammeln.

Festgottesdienst am 31. März

Die Glocke wurde mit dem Geläut der beiden Schwesterglocken in Parey empfangen. „Einige Einwohner haben sich gleich gemeldet und gefragt, zu welchem Anlass die beiden Glocken erklingen, so außerhalb der üblichen Zeiten“, weiß Pfarrer Andreas Breit. Am 31. März um 17 Uhr wird zur Weihe zum Gottesdienst eingeladen. „An diesem Tag entfällt der Gottesdienst um 9.15 Uhr“, sagt Andreas Breit. Der Festgottesdienst werde gemeinsam mit Superintendentin Ute Mertens gefeiert. Noch nicht sicher ist, wer an diesem Tag die Predigt hält. „Das wird in den nächsten Tagen noch geklärt“, erläutert Andreas Breit. Im Anschluss an den Gottesdienst wird es eine kleine Feier geben. „Wir haben hier an Gegrilltes gedacht, passend zur Abendbrotzeit“, sagt der Pfarrer.

Ein Psalm mit besonderer Bedeutung

Auf der einen Glockenseite sind die ersten Worte des 23. Psalms zu lesen. „Der Herr ist mein Hirte“. Auf der Rückseite ist „Parey 2018“ eingraviert. Der 23. Psalm hat für das Christentum besondere Bedeutung, weil Jesus Christus selbst sich gemäß dem Johannesevangelium als der „gute Hirte“ bezeichnet, der sein Leben für die Schafe hinzugeben bereit ist. Die Worte stammen aus dem Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel.

Die Glocke soll nun durch ein Gestell erhöht werden. „So ist sie besser zu sehen“, sagt Breit. Das geschieht auch in Hinblick auf die Glockenweihe.

Eine ehemalige Pareyerin habe bereits zur Unterstützung einen Fleurop-Gutschein geschickt, für Blumenschmuck zur Glockenweihe.

Nun sei die Herstellung abgeschlossen. „Jetzt geht es um die Installation“, sagt der Pfarrer. So werden derzeit Teile zur Stärkung des Glockenstuhls hergestellt.

Gegossen in der Eifel

Gegossen wurde der Klangkörper in der Eifeler Glockengießerei in Brockscheid. Ein Unternehmen mit Tradition und Erfahrung: Seit 1620 geht die Familie Maaß der besonderen Kunst nach. Heute an festem Standort in Brockscheid, früher zogen die Gießer von Gemeinde zu Gemeinde. In Brockscheid werden Glocken aus Bronze und Messing gegossen. Die Palette der Produktangebote ist breit. Die Glockengießerei ist fest in das touristische Angebot der Region eingebunden. Cornelia Mark-Maaß ist zudem einer der wenigen Frauen, die sich der Glockengießerei aus familiären Gründen gewidmet haben.

Ursprünglicher Termin verschoben

Ursprünglich sollte die Glocker viel früher ihren Weg nach Parey antreten. Gusstermin war zunächst im August 2018. Doch es waren Reparaturen am Gussofen in der Eifel notwendig. So konnte die Glocke erst am 16. Dezember gegossen werden. Wie Pfarrer breit mitteilte, konnte an diesem Tag niemand in die Eifel sein und an dem Guss dieser besonderen Glocke teilnehmen. Zudem verzögerte sich die Abnahme durch Christoph Schulz, Referent Läuteanlagen und Turmuhren Nordregion. Er kam erst am 7. März dazu, die Glocke abzunehmen.

Über den Glockensachverständigen wurde zudem im Vorfeld eine Datei produziert, die den Glockenklang simuliert.

Zum ersten Mal erklingen soll die Glocke gemeinsam mit ihren Geschwistern zum Osterfest. Für die Gemeinde ist das festgesetzte Ziel dann erreicht.

Zur Finanzierung: Das Projekt umfasst Kosten von 12.000 Euro. Dazu kommen noch 8000 bis 10.000 Euro für die Installation.

1000 Euro vom Förderverein

Auf Anfrage konnte Cora Schröder, Vorsitzende des Fördervereins der Einheitsgemeinde Elbe-Parey mitteilen, dass der Verein 1000 Euro zum Guss der Glocke beigesteuert hatte.

Die Pareyer Kirche wurde nach einer Stiftung durch den Rittergutsbesitzer Werner von Plotho im 17. Jahrhundert im barocken Baustil errichtet. Erst 1992 ist durch eine Spende der Familie von Plotho eine zweite Glocke installiert worden. Nun soll die dritte Glocke dazukommen. Es ist die größte mit etwa 500 Kilogramm Masse und einem Durchmesser von 970 Millimetern. Die Großzügigkeit der Familie, die regelmäßig zu einem Familientreffen in der Region zusammenkommt, ist leicht erklärbar. In zwei unterschiedlichen Grüften haben rund 30 Mitglieder der Familie ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Die letzte Urne kam zu DDR-Zeiten in die Pareyer Kirche. Eine Gruft ist zu besichtigen, in die andere haben nur die Familienangehörigen Zugang.