Investitionsbedarf

Feuerwehr Genthin braucht bis 2030 etwa 30 neue Fahrzeuge

Die Gemeindefeuerwehr Genthin signalisiert enormen Nachholebedarf bei den Investitionen. Bis zum Jahr 2030 werden für 30 Fahrzeuge rund sechs Millionen Euro benötigt.

Das Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Genthin ist über 26 Jahre alt. Das Fahrzeug gilt als das "Arbeitstier" der Genthiner Feuerwehr.
Das Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Genthin ist über 26 Jahre alt. Das Fahrzeug gilt als das "Arbeitstier" der Genthiner Feuerwehr. Archiv-Foto: Susanne Christmann

Genthin - Von Simone Pötschke

Aus den Ortswehren der Einheitsgemeinde Genthin wird der Ruf nach dringenden Investitionen laut. In einer aktuell überarbeiteten Fassung ihres Fahrzeugkonzepts, das bis in das Jahr 2030 blickt, haben die Feuerwehrleute Michael Voth und Dirk Röber einen dringenden Bedarf an zirka 30 Fahrzeug-Neuanschaffungen aufgelistet. Das Papier wurde nun dem Hauptausschuss vorgelegt.

Um den ohnehin klammen städtischen Haushalt zu schonen, sind Voth und Röber in dem Konzept bereits von einer üblichen 20-jährigen Nutzungsdauer der Fahrzeuge abgewichen und haben sie auf 25 bis 30 Jahre veranlagt. Das allein erweist sich allerdings auch nur als ein Tropfen auf den heißen Stein. Das fortgeschriebene Konzept berücksichtigt aktuell „explosionsartig gestiegenen“ Kosten für Feuerwehrfahrzeuge, wie sie auf dem Markt und bei Fachmessen beobachtet wurden. Teilweise haben sich hier die Preise um 20 bis 30 Prozent erhöht. Das Konzept muss ebenso technischen Neuentwicklungen, wie beispielsweise bei der E-Mobilität, Rechnung tragen.

Reparaturen lösen Problem nicht

Vor dem Hauptausschuss machte Stadtwehrlehrleiter Achim Schmechtig in aller Deutlichkeit den Ernst der Lage klar. Anschaffungen der 1990er Jahre müssten aufs Altenteil. Teilweise ist deren Einsatzfähigkeit in Gefahr, im Ernstfall sogar Menschenleben. Schmechtig forderte deshalb eine kontinuierliche Erneuerung und Modernisierung des Feuerwehrfuhrparkes, so dass die Kommune ihrer Pflichtaufgabe als Träger des Brandschutzes nachkommen kann. Das hat seinen Preis und kommt der Stadt laut Fahrzeugkonzept mit knapp sechs Millionen Euro teuer zu stehen. Überlegungen von Klaus Voth (CDU), möglicherweise durch Reparaturen und Instandsetzungen Anschaffungen zeitlich zu staffeln, um so Investitionen zu strecken, erteilte Schmechtig eine klare Absage.

Noch seien die alten Fahrzeuge einsatzfähig, räumte der Stadtwehrleiter ein. Doch in Anbetracht dessen, dass es für einige Fabrikate, zum Beispiel die der Firma IVECO, keine Ersatzteile mehr gebe, müsse damit gerechnet werden, dass ein Einsatzfahrzeug irgendwann einfach seinen Dienst versagt.

Nachfrage nach Fördermitteln

Zwischen der gegenwärtigen Ausstattung der Genthiner Gemeindefeuerwehr und den technischen Neuentwicklungen liegen inzwischen Welten. Die Feuerwehr trägt dem Rechnung, indem die Fahrzeugkonzeption, sie ist Teil der ersten Fortschreibung der Risikoanalyse und des Brandschutzbedarfes der Stadt Genthin aus dem Jahr 2018, noch vor Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen 4-Jahres-Überarbeitungs-Frist vorgelegt wird. Schmechtig ließ keinen Zweifel daran, dass die Fahrzeugbeschaffung den Ortsfeuerwehren auf den Nägeln brennt. „Wenn wir jetzt nicht anfangen, den Fahrzeugpark zu erneuern, verpassen wir den Anschluss. Der Stadtrat muss sich auf diese Herausforderungen einstellen.“ Der Hauptausschuss fremdelte jedoch damit und kehrte fürs Erste reflexartig den Sparmodus heraus. Das Ergebnis: Zwei Ja-Stimmen (Grüne und Linke) und vier Enthaltungen.

Allein auf Fördermittel will Schmechtig allerdings nicht setzen, um in den nächsten Jahren aus der Klemme zu kommen. Der Bedarf an Fördermitteln für den Erwerb neuer Fahrzeuge sei landesweit wesentlich höher als die vom Land bereitgestellten Gelder, so seine Erfahrungen. Nur die Hälfte aller Anträge würden derzeit durch das Land positiv beschieden.

Die letzte Förderung durch das Land nahm die Genthiner Feuerwehr für den Erwerb eines Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuges 2015 für Schopsdorf in Anspruch. Seitdem erwarb die Stadt zwei Mannschaftstransportfahrzeuge (MTF), wobei eines vom Landkreis im Rahmen des Katastrophenschutzes finanziell bezuschusst wurde. In diesem Jahr schultert die Stadt den Erwerb von zwei Fahrzeugen, einem MTF und eines Gerätewagen-Logistik, weiter aus eigener Kraft.

Achim Schmechtig (r.) gab kürzlich  seine Funktion als Genthiner Ortswehrleiter ab, bleibt zukünftig aber  Stadtwehrleiter.
Achim Schmechtig (r.) gab kürzlich seine Funktion als Genthiner Ortswehrleiter ab, bleibt zukünftig aber Stadtwehrleiter.
Archivfoto: Simone Pötschke