Genthin l Flatterband markiert für Spaziergänger, Radler und Freizeitsportler gut sichtbar die Flächen des Stadtwaldes, in denen gegenwärtig Holz eingeschlagen wird. Hinweisschilder untersagen das Befahren von Wegen in diesem Bereich. Trotzdem braucht Revierförster Steffen Lieder vom Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel am Montag bei einer Stippvisite nicht lange, um Genthiner auszumachen, die gegen die befristet geltenden Ge- und Verbote verstoßen. Eine Joggerin ignoriert die Absperrungen, ein Pkw fährt in einen Weg, von dem aus unweit entfernt ein Harvester, eine „ Holzerntemaschine“, in Aktion ist. Harvester-Fahrer Ingo Meißner musste erst am Morgen ein von Unbekannten runtergerissenes Flatterband neu aufspannen, um den Arbeitsbereich zu sichern. Die Gefahr, sich beispielsweise von „nur herabfallenden Ästen“ zu verletzen, werde leider unterschätzt, weiß Meißner.

Wer sich über die Absperrungen und Beschilderungen hinwegsetzt, handele leichtsinnig, sagt Revierförster Steffen Lieder aus gebotenem Anlass. Der außergewöhnlich große Umfang der gegenwärtigen Einschlagarbeiten, die sich über mehrere Tage und Wochen im Genthiner Stadtwald erstrecken werden, drängt ihn zu diesem eindringlichen Appell. Begonnen haben die Arbeiten wie angekündigt auf den Flächen hinter dem Friedhof bis zum Kanal, anschließend werden der Harvester und die Rückemaschine zur Karower Straße, in die Nähe des Fiener Hauptvorfluters, umsetzen, bevor es dann in den Waldbereich zwischen der B 107 und dem Kiefernweg geht. Der Holzeinschlag nähert sich dann in den städtischen Wäldern bei Tucheim, Paplitz und Parchen seinem Finale. Zirka 3000 Festmeter Schadholz unterschiedlichen Stadiums werden auf insgesamt 45 Hektar fallen.

Folgen des Klimawandels

Der verhältnismäßig radikale Holzeinschlag ist eine Reaktion auf das flächendeckende Absterben der Kiefer, das sowohl der letzten regenarmen Sommer als auch dem Klimawandel geschuldet ist. Besonders stark betroffen, so Steffen Lieder, sei dabei nicht nur im Stadtwald die Altkiefer, die sich nicht mehr diesen neuen Bedingungen anpassen könne. Der den Stadtwald betreuende Revierförster hatte bereits im Mai/Juni vorausschauend jene Kiefern ausgezeichnet, die eingeschlagen werden sollen. Nachdem im Spätsommer schon die Ausschreibung für den Einschlag lief, musste Steffen Lieder noch einmal bei der Auszeichnung der Kiefern „nachlegen“. Ein Beleg dafür, wie rasant sich die Schäden, der Forstmann spricht von Kalamitäten, in den Kiefernbeständen ausbreiten.

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Trotzdem kann der Revierförster zuversichtlich sein, dass der großflächige Einschlag des Schadholzes kein Loch in die ohnehin klamme Genthiner Stadtkasse reißen wird. Im Gegenteil. Es bleibe auf jeden Fall etwas über und es entstünden für die Stadt keine Kosten, versicherte er. „Wir werden versuchen, sämtliche Stämme zu vermarkten und damit die Erlöslage so günstig wie möglich zu gestalten.“ Das Holz, das derzeit im Stadtwald fällt, wird unmittelbar nach dem Einschlag mit Hilfe eines Forwarders, eines Schleppers, nach Langholzabschnitten, Palettenholz, nach Industrieholz oder nach Holz für die Zellstoffproduktion vor Ort für den Transport zusammengestellt. Der Auftragnehmer, ein Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern, wird seine Holzerntekosten vom Erlös abrechnen, der Rest des Geldes fließt in die Stadtkasse.

Darüber hinaus hat die Stadt bereits einen Betrag über 15 000 Euro sicher in der Tasche oder besser auf dem Konto. So nimmt die Kommune Fördergelder aus der Waldschutz-Richtlinie des Landes Sachsen-Anhalt zur Bewältigung der massiven Waldschäden sowie der Folgeschäden in Anspruch.

Geld für Waldumgestaltung

Die Stadt Genthin hatte erfolgreich einen Antrag beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) eingereicht. Sie erhält für einen Festmeter Schadholz eine Förderung über fünf Euro, die dann der Waldumgestaltung zu Gute kommen wird.