Genthin l Aus der Ruhe bringen kann man Bettina Becker nicht so leicht. Selbst wenn die Anreise von Magdeburg nach Genthin aufgrund von Eisglätte rund drei Stunden dauert. „Mein Autonavigationsgerät hat trotzdem angesagt ‚Sie befinden sich auf der schnellsten Route‘“, nahm die 40-Jährige die Schwierigkeiten der Anreise mit Humor.

Zurecht, wurde sie doch von 200 Teilnehmerinnen des Genthiner Frühstückstreffens im Stadtkulturhaus freundlich empfangen. Perfekt wäre es gewesen, bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn dagewesen zu sein. Aber Perfektion ist im Alltag kaum zu erreichen. „Kennen Sie das ehrlichste Gebet einer Frau?“, fragte sie in die Runde und gab die Antwort selbst: „Gott, wenn du mich schon nicht schlank machst, mach meine Freundin bitte fett.“ Die Theologin trug dies natürlich mit einem Augenzwinkern vor. Humorvoll erläuterte sie, warum es wenig sinnvoll sei, Perfektion erreichen zu wollen.

Perfektionismus oft problematisch

„Perfektionismus ist uns oft im Weg. Wenn wir etwas besonders gut machen wollen, versagen wir am ehesten.“ Für die zweifache Mutter gab es nur einen möglichen Ausweg: „Seien Sie nicht perfekt, sondern brillant.“ Brillanten bewundern alle, sie schimmern im Licht und strahlen eine magische Faszination aus. Die vier ‚C‘ müsse man sich merken: Colour (Farbe), Cut (Schliff), Carat (Gewicht) und Clarity (Reinheit).

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„Mein Gewicht liegt bei 340.000 Karat, rechnete Becker vor. Wäre sie ein Brillant, könne man sie für etwas mehr als 1,5 Mrd. Euro im Internet ersteigern. „Plus sieben Euro Versand.“ Einen Menschen mache an Wert natürlich nicht sein Gewicht aus, sondern dass er persönliche Schwerpunkte setze. Auch die Farbe sei bei jedem Menschen anders. „Wenn Sie ein Buntstift wären, welche Farbe hätten Sie?“, fragte Becker. „Ein leuchtendes Violett?“, ein strahlendes Blau?“ Die Farben unterscheiden sich oft in Nuancen.

Welche bei den Teilnehmerinnen zu erkennen seien, wurde in einem Experiment deutlich: Vier Frauen stellten Vermutungen über eine weitere an und bewerteten diese auf einer Skala von eins bis zehn. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Dame einmal mit Merkel tauschen oder bei einem Improvisationstheater mitmachen würde? Zwei Zuhörerinnen hatten für sich selbst die Höchstpunktzahl vergeben und so waren Petra Akin und Birgit Dickner ganz unverhofft in einer Spontan-Szene auf der Bühne als Mutter und Tochter zu sehen. Damit zeigten sie, wie Konflikte den Menschen schleifen. „Der Schliff“, so Referentin Becker, „gehört zur Persönlichkeit wie zum Brillanten dazu.“ Er benötige Kraft, Zeit und gelänge nur durch Reibung an anderen harten Sachen und geht an die Substanz. Aber dadurch entstehen Ecken und Kanten, durch die man interessant werde.

Viel Lob von Besucherinnen

Schließlich und endlich kam Bettina Becker mit der biblischen Geschichte von der Sünderin auf die Reinheit zu sprechen und machte klar: „Mein Herz ist es, was mich verurteilt und anklagt, wenn ich versage.“ Für die humorvollen und manchmal nachdenklichen Ausführungen gab es viel Lob der Zuhörerinnen. „Es war ein wirklich interessanter Vortrag, mir hat es sehr viel Freude gemacht“, berichtete Heidemarie Weigel. Und auch Petra Akin, die unverhofft die Bühne enterte, resümierte: „Ich war das erste Mal dabei und bin ganz begeistert.“ Katrin Kühnel hatte neben dem Vortrag noch einen anderen Grund, das Frühstückstreffen zu besuchen: „Mein Sohn ist Teil des Musiktrios“, berichtete sie.

In der Tat sorgten Oliver Kühnel, Yannik Brien und Hubert Pilz für eine gelungene musikalische Umrahmung des Vormittages. Organisatorin Kristin Schlag beschloss den Vormittag mit dem Hinweis auf die nächste Veranstaltung: „Am 24. November sehen wir uns wieder.“ Thema wird dann „Lebensfrust und Lebenslust“ sein.