Genthin l Sie ist ein echtes Genthiner Naturtalent. Viola Neumann ist in der Stadt aufgewachsen, ist hier zur Schule gegangen und hat in dieser Zeit ihre Liebe für das Schreiben entdeckt. „Ich habe immer schon Texte geschrieben und 2016 begann ich mit meinem eigenen Blog und damit, meine Texte zu veröffentlichen.“ So entstanden sowohl kurze Gedichte und Aphorismen, als auch lange Poetry-Slam-Texte, von denen Viola Neumann einige auch bei Veranstaltungen, etwa Jugendweihefeiern im Stadtkulturhaus vortrug. Nachdem sie im Sommer ihr Abitur mit Bestnote in Genthin ablegte, entstand der Wunsch, nach den langen Wochen des Lernens für Prüfungen, des Fokussierens auf den Abschluss, ein Buch zu veröffentlichen.

Dafür hat sie ein Layout erstellt, eigene Fotos zur Bebilderung und Texte ausgewählt. „Die kleinen Texte sind einzeln ein bisschen wenig, daher habe ich gesagt, da muss ein Band entstehen, wo viel zusammenkommt. Das Buch „Die Rose im Glas“ erschien Mitte Oktober und vereint mehr als 300 kurze Texte.

Internetpoeten als Vorbild

Die Kapitel hätten sich im Prozess der Gestaltung des Buches ergeben. Als Vorbilder für das Format dienten junge Internetpoeten wie Bridgett Devoue oder Atticus, die ihre von tiefen Gefühlen geprägte Lyrik auf Kanälen wie Instagram oder Twitter veröffentlichen. „Sicher hat mich auch der Deutschunterricht inspiriert und in der Abiturprüfung war ich froh, dass als Aufgabe ein Gedichtvergleich vorgegeben war, aber wir leben in einer anderen Zeit mit ganz anderen Themen“, findet die 19-Jährige. Ihr Blickwinkel auf die Welt und das Leben sei ganz anders, als der in klassischen Gedichten, daher seien ihr die modernen Lyriker einfach näher. Wobei sie dennoch immerwährende Themen wie das Verlassenwerden, das Verletztwerden oder das Starksein in schwierigen Zeiten aufgreift und in ihren Gedichten mal tröstet, mal Mut macht, zu Gefühlen zu stehen. Es seien Empfindungen, die sie selbst kenne.

Wenn Viola Neumann darüber redet, wird die sonst so fröhliche junge Frau nachdenklich: „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der wir oft unsere Gefühle unterdrücken, um möglichst stark zu sein, aber eigentlich macht es uns menschlich, sich auch einmal schwach zu zeigen.“ Das, was sie mit ihren Gedichten ausdrücken wolle, sei etwas, was viele Menschen nachempfinden können. „Es geht sicher allen einmal so, dass sie verletzt werden und dass sie ausbrechen wollen, wie die Rose im Glas“, sagt sie.

Irgendwann heilen die Verletzungen und man blühe neu auf. Aufblühen könnte auch das jüngste Lebensmotto von Viola Neumann sein. Denn voller Begeisterung erzählt sie von ihrem jüngsten Schritt. So ist sie vor wenigen Wochen nach Düsseldorf gezogen, um in der nordrhein-westfälischen Stadt an der Heinrich-Heine-Universität Medizin zu studieren. Nach den vorbereitenden Wochen hat Anfang November das Studium trotz aller Corona-Verwerfungen richtig begonnen. Das es ein besonders schwerer Moment ist, um mit einem Medizin-Studium zu beginnen, glaubt sie nicht. Die jungen Studenten würden in der kommenden Zeit auf viele Situationen vorbereitet.

Neue Erfahrungen

Die nächsten sieben Jahre wird sie als Studentin verbringen um dann nach Möglichkeit mit einem Doktortitel abzuschließen. Und sie ist nicht allein. Eine ehemalige Mitschülerin vom Bismarck-Gymnasium ist in einem Paralellkurs, beide treffen sich zu Lernen und manchmal auch zum Ausgehen. Denn natürlich ist die Studienzeit auch verbunden mit dem Sammeln neuer Erfahrungen.

Außerdem sei der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt kein Bruch mit der Herkunft. „Klar, bleibe ich meiner Heimatregion verbunden, alle 14 Tage komme ich zu Besuch, hier sind meine Familie und Freunde.“ Für sie sei Genthin auch ein Ausgleich zur hektischen Großstadt und vielleicht auch Inspiration für neue Gedichte.

Das Buch „Rose im Glas“ (BoD – Books on Demand, 186 Seiten) ist online oder im Buchhandel erhältlich.