Integrationsprojekt

Geh, geh nach Ninive!

Ein Jona-Musical feiert Premiere in Genthin. Ein vielbeachtetes Integrationsprojekt .

Von Massimo Rogacki

Genthin l Als der Moment kommt, in dem Pfarrerin Beate Eisert zum Musical überleitet, wird es mucksmäuschenstill in der Stadtkirche in Genthin. Alle wissen, es ist ein bemerkenswertes, von langer Hand geplantes, Musicalprojekt. Sage und schreibe 46 Personen gehören zur Besetzung. Da kann schon etwas schiefgehen. Deshalb ist in der Genthiner Kirche Daumendrücken angesagt.

„Die Geschichte von Jona steht in der Bibel und im Koran“, so die Pfarrerin. Auch deshalb werden Auszüge aus der Geschichte in deutscher und arabischer Sprache gelesen, bevor es mit dem ersten Lied „Geh, geh nach Ninive!“ losgeht.

„Das ganze Musical ist eher ungeplant zu einem Integrationsprojekt geworden“, erläutert Pfarrerin Magdalene Wohlfarth. Die Idee reifte während einer Vertretung von Pfarrerin Eisert im sogenannten Riesenhaus der Kirche. Die syrischen Kinder kamen über die Gruppe „Spielend Deutsch lernen“ dazu. Als sich dann auch noch der hiesige Kinderchor und die Kirchgemeinde aus Karow gewinnen ließen, konnte es so richtig losgehen. Am ersten Probentag erzählte ein syrischer Vater begeistert von Jona und seinem Pendant aus dem Koran – Yunus.

In der Geschichte entdeckte man durch diesen Zufall entdeckte die Parallelen zwischen Christentum und Islam. Der Schauplatz der Jona-Geschichte ist die einstige Hauptstadt Assyriens, Ninive. Und so singen deutsche, wie auch syrische Kinder voller Inbrunst „Geh, geh nach Ninive!“.

Das Projekt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter der Leitung der Pfarrerinnen Eisert und Wohlfarth war über Wochen Thema in der Gemeinde. Beim Auftritt lässt sich nur erahnen, wie groß der Aufwand gewesen sein muss. Als Regisseur hat Robert Krüger der Theatergruppe seinen Stempel aufgedrückt, Carolin Levin hält als Projektleiterin die Zügel fest in der Hand und Gottfried Spiegel glänzt am E-Piano.

Das Publikum ist sichtlich angetan, spendet den Akteuren warmen Applaus. Nach der Aufführung wird dann beim Trinitatis-Fest weitergefeiert. Und die nächste Aufführung des Jona-Musicals ist bereits fix: Am 12. Juni geht es zurück nach Ninive. Dann gastiert das Ensemble in Karow.