Hohenseeden l Es ist windig am Nachmittag auf dem großen Spargelfeld bei Hohenseeden. Die polnischen Saisonkräfte sind mit der „Spargelspinne“ unterwegs, um Spargel zu stechen. Das ist eine Erntehilfsmaschine bei der Spargel-ernte, die das kontinuierliche Abernten von Spargeldämmen unter Folie ermöglicht. Eine Spargelspinne besteht aus einem Wagen auf vier Rädern, der langsam über den Spargeldamm fährt. Dabei wird die Folie vor der Spinne angehoben, über den Rohrrahmen des Wagens auf etwa 1,20 Meter Höhe geführt und nach der Spinne wieder auf den Spargeldamm aufgelegt.

Währenddessen kann der Spargelstecher unter der Folie kontinuierlich ernten. Der Antrieb der Spinne erfolgt über einen akkubetriebenen Elektromotor. Der Spargelstecher kann die Geschwindigkeit der Spinne einstellen und diese mittels eines Seilzuges in Gang setzen und anhalten.

Erschwerte Bedingungen

„Der starke Wind macht uns schon zu schaffen“, bemerkt Patrick Wolter, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenseeden-Parchen mit einem Blick auf das Spargelfeld. Je nach Witterung wird entschieden, ob die Folie, die speziell auf die Spargelfelder zugeschnitten wird, auf „schwarz“ oder „weiß“ gelegt wird. „Damit wird eine Qualitätssicherung erreicht“, erklärt Patrick Wolter. „Schwarz“ wird gelegt, um den Boden schneller zu erwärmen, „weiß“, um keine verfärbten Spitzen zu bekommen. Patrick Wolter: „Der Handel möchte nur weiße Köpfe haben, keine bunten.“

Bilder

Auf diesem Feld wird der Spargel auf 400-Meter-Bahnen gestochen. Pro Bahn kommen rund 100 Kilogramm Spargel zusammen.

Trinkwasserqualität

Die vollen Kisten werden anschließend zur Spargelhalle gefahren. Dort wird der Spargel mit Trinkwasserqualität gewaschen. Das edle Gemüse kommt nach dem Einwiegen in die Schock-Kühlung und wird dort mit Eiswasser beregnet. „Der Spargel wird hier von zwei auf 0,5 Grad Celsius runtergekühlt“, so Frank Seidel, der Verantwortliche in der Spargelhalle.

Die Handelsketten wollen exakt auf sechs Grad temperierten Spargel. Nach sechs Stunden Kühlung wird das Gemüse auf einer Maschine abgelegt, auf eine Länge von 22 Zentimeter geschnitten und gekärchert. Eine Kamera, die 30.000 Bilder pro Stunde schießt, bewertet jede einzelne Stange. Dann wird der Spargel sortiert, zum Beispiel in Spargelstangen, Spargelstücke und Spargelspitzen. Es wird weißer und grüner Spargel verarbeitet.

Zwei Tonnen pro Stunde

Wenn der Spargel in der Palette verpackt ist, steht er zunächst 15 bis 20 Minuten. Frank Seidel: „Dann erwärmt er sich um etwa ein Grad und kommt wieder in die Kühlzelle.“ Die Maschine in der großen Spargelhalle, in der am Band Frauen tätig sind, verarbeitet bis zu zwei Tonnen Feldspargel in der Stunde. Wenn das Gemüse endlich alle Stationen durchlaufen hat, kann er verkauft werden. Patrick Wolter: „Wir liefern in alle großen Verkaufsketten in Sachsen-Anhalt und auch nach Niedersachsen. Auch Gaststätten bieten unseren Spargel an“

Viel Wert legt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft darauf, dass nur Spargel aus der Region verkauft wird. „Wenn wir nichts ernten, wird auch nichts verkauft.“ Die Tendenz gehe immer mehr dahin, dass der Kunde bereits geschälten Spargel haben möchte. In der „Bauernscheune“ in Hohenseeden werden während der Spargelsaison montags bis freitags und sonntags in der Mittagszeit Spargelgerichte angeboten.

190 Saisonkräfte

Derzeit werden 14 Tonnen Spargel am Tag gestochen. Der Durchschnitt liegt zwischen 15 und 20 Tonnen. 190 polnische Saisonkräfte unterstützen die Agrargenossenschaft. Weitere 30 werden am 30. April in Hohenseeden erwartet. Sie sind alle in Hohenseeden untergebracht und für sechs Wochen im Einsatz. Patrick Wolter: „In Polen finden immer mehr einen festen Arbeitsplatz und werden von ihrem Arbeitgeber nicht mehr freigestellt. Aber wir haben einen guten Stamm.“ 30 deutsche Verkaufskräfte sind für die Kunden in den Verkaufsstellen da. Mittlerweile sind alle geöffnet.

Wer sich selbst ein Bild machen will, hat am 26. Mai Gelegenheit. Dann findet auf dem Platz am Kulturhaus das Spargelfest statt. Auch die Spargelhalle kann besichtigt werden.