Genthin l Perfekt, schnell, lieb und stark zugleich sein: Berlinerin Dorothee Döbler kennt sie alle, die „Antreiber“ im Leben einer Frau, die oft die Zügel in der Hand halten. Und sie weiß sie zu überlisten. Darüber sprach die zweifache Mutter, Jahrgang 1957, auf der Bühne vor rund 200 Frauen, die es sich beim Frauenfrühstück in Genthin schmecken ließen.

Sich am Sonnabend vom Alltag und Haushalt lösen, sich mit Freundinnen und Bekannten treffen und quatschen, das sind neben einem oft lehrreichen Vortrag die Beweggründe der Frauen, sich zum Frühstücken zu treffen. Im Hintergrund ist die Bühne mit einer Hängematte dekoriert, die bereits auf das Thema „Zwischen Hamsterrad und Hängematte“ hinweist.

Von der jungen Mutter bis zur Seniorin

Vom Unruhestand, der heute schon als „Qualitätsmerkmal“ des Rentner-Daseins gehandelt wird, bis zum pedantischen Abfusseln des Fußbodens bei der Freundin, wenn diese nicht hinschaut, Döbler verstand es, die Damen zwischen Mitte 20 bis ins hohe Rentenalter mit bildlichen Vergleichen einzufangen und mitzunehmen, auf ihrer Reise ins „Hamsterrad“ der Frauen und Mütter der Gegenwart. Zur Ruhe kommen ist da kaum drin, auch weil es sich die Frauen selbst nicht erlauben.

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„Was drängt mich zu einem bestimmten Verhalten?“ stellte Döbler die entscheidende Frage des Vormittags in den Raum. Unter den Erörterungsversuchen fanden sich Erklärungen wie Prägungen aus der Kindheit, der Anspruch, den die Gesellschaft an uns stellt, aber wohl am meisten, jener den man an sich selbst hat. „Bei der Entschleunigung geht es nicht darum, dass Leben einfach nur langsamer zu gestalten. Es gilt den Druck zu nehmen, den man sich selbst aussetzt“, so Döbler. Viele bildliche Beispiele umrahmten das Referat mit Passagen zum Schmunzeln, die den Großteil der Frauen im Saal zustimmend nicken ließen.

Aus Antreibern werden Erlauber

Heimlich die Flusen auf dem Teppich der Freundin wegsaugen und dann die schief stehenden Fransen des Teppichs richten, bei der Urlaubsplanung eigene Wünsche hinten anstellen, um es den anderen recht zu machen und sich nach außen hin stark geben, um nicht angreifbar zu werden: Verhaltensweisen, die es laut Döbler mithilfe kleiner „Erlauber“ in Begleiter statt Antreiber umzuwandeln gilt. Es reicht gut zu sein, man muss nicht die perfekte Darbietung liefern. Etwas langsamer zu tun, heißt nicht, dass es deshalb weniger gut wird und Schwäche zu zeigen ist wohl das Menschlichste überhaupt. Im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben schienen die „Erlauber“ zu grundsätzlichen Lebenseinstellungen zu werden, die schon immer da waren, aber mit dem eigenen Antreiber im Gepäck, nur verlernt, verdrängt oder ins Hintertreffen geraten waren.

Renate Meißner und Marika Krause aus Genthin waren an diesem Sonnabend zum ersten Mal beim Genthiner Frühstücktreffen zu Gast und fühlten sich wohl im frühlingshaft dekorierten Stadtkulturhaus und musikalischer Untermalung per Keyboard und Geige. „Ich denke jede von uns hat sich irgendwo in den geschilderten Beispielen wiedergefunden“, sagt Marika Krause. Und insgeheim wünsche man sich ja auch, mithilfe eines Referats, vielleicht einen guten Ratschlag oder einen Tipp abzufassen, der einem hilft, seine eigenen Antreiber im Zaum zu halten, fügte die Genthinerin zwinkernd hinzu.

Für beide steht fest, dass sie auch im Oktober wiederkommen wollen. Dann geht es um das Thema „Jetzt mal ehrlich wie geht‘s?“.

Das Frühstückstreffen der Frauen ist eine europaweite Bewegung und auch in der Region seit Jahrzehnten verwurzelt ist. Zeitgleich gab es am Sonnabend auch Treffen in Klötze und Salzwedel.