Genthin l Der große Billardtisch, um den sich im Erdgeschoss des Morus-Hauses sonst stets Jugendliche scharen, muss am Dienstag ausnahmsweise als Ersatz für eine Packstation herhalten. Für einen guten Zweck darf das gute Stück zweckentfremdet genutzt werden. Die Queues (Billardstöcke) wurden deshalb in die Ecke gestellt, die Billardkugeln sind sicher verstaut worden. So steht den Mitarbeitern des Jugendhauses die Spielfläche in vollem Umfang zur Verfügung, um verschiedenste Utensilien vom Minisparschwein, über Bananen bis zur Körperlotion sortiert und griffbereit abzulegen.

Das erleichtert das Befüllen von zirka 60 Geschenkbeuteln, die „verteilfertig“ zusammengestellt werden müssen. Klingt vielleicht langweilig, ist aber eine echt aufregende Angelegenheit, wie Jugendhaus-Chef Ronny Harzendorf locker erklären kann.

Einfallsreichtum durch Pandemie geweckt

Bei den Beuteln handelt es sich nämlich um eine „Streetwork-Lockdown-Tüte“, eine eigenwillige Kreation, die auf eine Idee der Mitarbeiter des Morus-Hauses zurück geht.

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Die anhaltende Corona-Pandemie hat den Einfallsreichtum des Teams um Ronny Harzendorf beflügelt. Es ginge einfach darum, den Kontakt zu den Kids auch während der Schließung der Einrichtung nicht zu verlieren und nicht untätig zu sein, macht Harzendorf klar. Ohne Corona hätte das Jugendhaus sicherlich eine Ferienfahrt organisiert. Nun behelfe man sich, so gut es gehe.

Tüten in drei verschiedenen Ausführungen

Möglich sei die ganze Aktion freilich nur durch die materielle und finanzielle Unterstützung des Henkel-Förderwerkes und des Fördervereins des Jugendhauses geworden. „Erst in den vergangenen Tagen haben wir noch Waschmittel erhalten, das natürlich für die Lockdown-Tüten gebraucht wird. Wir geben diese Artikel gern weiter “, sagt Harzendorf.

Dank der großen Unterstützung hat das Morus-Haus auch drei verschiedene Ausführungen der Lockdown-Tüten jeweils für verschiedene Altersgruppen im Angebot.

Tüte mit Gedächtnisspielen für Teenies

Eine mit verschiedensten Kosmetika, eine weitere „Spaßtüte“, die bestückt ist mit Bastel- und Stickvorlagen sowie mit kleinen Spielen. Eine weitere Tüte mit Gedächtnisspielen gibt es speziell für die Teenies. Alle Mitspieler können über Whatsapp die Ergebnisse und Lösungszeiten dem Jugendhaus mitteilen, so dass letztlich ein Sieger ermittelt werden kann. Jeweils 20 dieser drei Tüten-Ausführungen werden heute von den Mitarbeitern „an die Kids gebracht“.

Kontakt zu Jugendlichen halten

Hier vor Ort, unmittelbar im Jugendhaus diese Tüten anzupreisen, sei aus den verschiedensten Gründen eher schwierig, hebt Ronny Harzendorf auf die aktuellen Corona-Auflagen ab.

Deshalb werden die Lockdown-Tüten vom Morus-Team heute in den Mittagsstunden rund um den Genthiner Marktplatz an die Kids verteilt. „Möglicherweise fahren wir auch durch Genthin, um einen größeren Kreis zu erreichen“, sagt Harzendorf am Dienstag. Der Jugendhausleiter ist zuversichtlich, trotz Corona nicht den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu verlieren. Denn Kontakte gäbe es nach wie vor telefonisch oder auch digital und unter Einhaltung der Hygienevorschriften kann ein Einzelbesucher auch mal an der Tür klingeln und ein Problem persönlich loswerden. Zum festen Besucherstamm des Morus-Hauses gehören etwa 35 bis 40 Kinder und Jugendliche.

Zum Fasching digitales Tanzen

Auch wenn die Lockdown-Tüten verteilt sein werden, wird es im bunten Haus am Wasserturm trotz Corona Schlag auf Schlag weitergehen. Schließlich sei ja Faschingszeit, sagt Ronny Harzendorf. Auch wenn es keine Faschingsfeier geben könne, lasse sich das Team ersatzweise etwas einfallen. „Vielleicht einen kleinen Tanz, an dem die Kids über Whatsapp oder sonstwie teilhaben können“, bleibt Ronny Harzendorf zuversichtlich.