Burg/Genthin l „Der Jugendaustausch ist ein zutiefst rotarisches Programm“, sagt Stefan Karnop, verantwortlich für den Austausch beim Rotary-Club Burg-Genthin. „Wir haben zwei Säulen, die eine ist der Service unter dem Motto ‚Tue Gutes‘ und die andere ist die Völkerverständigung.“ So werden die Austauschschüler zu Botschaftern ihres Landes.

Schüleraustausch im Sommer

„In diesem Sommer gehen wir einen neuen Weg und schicken eine Schülerin für sechs Wochen in die USA.“ Zum Jahreswechsel kommt umgekehrt ein Schüler aus den USA ins Jerichower Land. Denn auch das gehört zum Rotaryaustausch: Eltern, die Kinder in die weite Welt schicken, müssen sich auch bereiterklären, Kinder aus anderen Nationen aufzunehmen. Keine schlechte Regelung.

„Uns hat die Aufgabe, Gasteltern zu sein, bereichert“, bestätigt etwa Familie Teske aus Schlagenthin. Es sei ein ständiger Erfahrungsaustausch zu anderen Kulturen.

Der Rotary Club wird neben dem kurzen Austauschprogramm auch den Langzeitaustausch anbieten. „Für 2019 haben wir bereits eine Teilnehmerin, für 2020/21 sind noch Bewerbungen möglich“, sagt Stefan Karnop. Kosten entstehen durch Einschreibegebühren, Flug und Versicherung. Auf der anderen Seite übernehmen die Rotarier die Finanzierung eines monatlichen Taschengeldes der Schüler.

Zwei Schüler im Jerichower Land, zwei im Ausl

Zwei junge Leute aus dem Ausland sind derzeit zu Gast im Jerichower Land . Marina Leonardi aus Brasilien und Yannie Jong Yeon aus Südkorea.

Im Gegenzug wurden Louise Teske und Hagen Büttner ins Ausland geschickt. Louise etwa hat während ihrer ersten Monate in Südafrika bereits ein eigenes Projekt angestoßen und besonderes Engagement gezeigt, das bis in ihre Heimat ausstrahlt. Bei allen vier Schülern sieht Karnop bereits nach einem halben Jahr einen Reifeprozess. „Das ist etwas ganz Typisches für den Jugendaustausch, als Jugendliche gehen die Schüler in die Welt und kommen als junge gereifte Erwachsene zurück.“

Erfahrungsvorsprung nach Heimkehr

Karnop führt aus: „Für Eltern ist das eine schwierige Wahrheit, sie bekommen nicht ihr Kind zurück, sondern einen jungen Menschen, der auf Augenhöhe mit seinen Eltern umgeht, weil es einen Erfahrungsvorsprung gibt.“ Eltern und Kinder müssten sich dann neu finden, neu kennenlernen und doch sei ein solcher Austausch eine besonders gute Sache.

Die jungen Leute müssten sich selbst organisieren, könnten Erfolge im Auslandsjahr für sich verbuchen, müssten auch mit Problemen umgehen und diese meistern. Dazu gehört das Überwinden von Sprachbarrieren. Denn die Jugendlichen sind gehalten, sich in ihrem Umfeld in der jeweiligen Landessprache zu unterhalten. Auch deshalb, weil sie in den Gastländern zur Schule gehen. Daneben gehört der Abbau von Vorurteilen zum Aufenthalt in der Ferne.

Das geschieht oft ganz nebenbei, fast spielerisch. Marina aus Brasilien berichtet etwa, dass sie vor ihrer Reise nach Deutschland gedacht habe, das Deutsche Lederhose und Dirndl tragen, da in ihrer Heimat das Oktoberfest als typisch Deutsch verstanden würde. Das erwies sich als Trugschluss. Yanni aus Südkorea dachte, dass Deutschland nur aus Muskelmenschen bestehe. „Vor meiner Ankunft dachte ich, die Deutschen sind alle stark und kräftig, tatsächlich sind sie sehr nett und weich.“

Untergebracht bei verschiedenen Familien

Dass Vorurteile abgebaut werden, gehöre dazu, so Stefan Karnop. Auch das Eingestehen, dass es nicht die Deutschen oder die Südafrikaner gäbe, sondern Menschen mit ihren besonderen Eigen- und Gewohnheiten, sei eine weitere Erkenntnis. Diese reift, da die Schüler während ihres Aufenthalts in drei Gastfamilien untergebracht werden. „Das ist gar nicht schlecht, denn am Ende merkt man auch, so fremd sind uns die Menschen letztlich gar nicht.“

Die Rotarier begleiten durch ihr Netzwerk die Schüler im Ausland, aber die ausländischen Jugendlichen auch vor Ort in Deutschland. Wer sich über den Jugendaustausch informieren möchte, hat hier die Möglichkeit.