Genthin l Zwei Ausschüsse, ein tückisches Mietfragen-Problem, das zu guter Letzt wieder vor sich her geschoben wird. Dafür sorgte die jüngste Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag. Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), der die Debatte im Bildungsausschuss am Mittwoch noch abwartend verfolgt hatte (Volksstimme berichtete), bemühte sich nun, aus den von Katrin Flecken vom Jugendweiheverein sehr deutlich geäußerten Bedenken Druck herauszunehmen.

Weitere Informationen notwendig

Er habe von dem Problem des Jugendweihevereins erst kurzfristig erfahren, reagierte er auf die Volksstimme-Berichterstattung. Deshalb habe er sich auch im Bildungsausschuss dazu nicht äußern können. Er müsse erst weitere Informationen abfordern, um die Angelegenheit „kurzfristig angehen zu können“, versuchte er, erst einmal Zeit zu gewinnen.

Vergeblich.

Lars Bonitz, Geschäftsführer der QSG, der für die Fraktion Wählergemeinschaft Altenplathow/SPD im Hauptausschuss sitzt, machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Debatte, die Jugendweiheverein und der Bildungsausschuss geführt habe, sei aus seiner Sicht„mühselig“ und der Aufregung nicht wert.

Betrag wurde gemindert

Lars Bonitz informierte darüber, dass die QSG den zunächst eingeforderten Mietbetrag in Höhe von zirka 1400 Euro unter Ausnutzung von Spielräumen, die der Vertrag einräume, zwischenzeitlich um einen mittleren dreistelligen Betrag gemindert habe. Dieses Angebot stehe nach wie vor im Raum.

Bonitz hob auch darauf ab, dass die Miete durch die QSG letztmalig 2021 für die Feierlichkeiten im Stadtkulturhaus erhoben werde, denn schon 2022 werde die Stadt Genthin das Stadtkulturhaus bewirtschaften. Sie könne dann auch die Mietkonditionen neu festlegen.

Streit ist unverhältnismäßig

Vor diesem Hintergrund sei der aktuelle Streit, der sich letztlich nur noch um einige Hundert Euro drehe, aus seiner Sicht sowohl einmalig als auch unverhältnismäßig, wenn die damit verbundene Arbeitszeit der Verwaltung dazu in Betracht gezogen werde. Seine Botschaft ließ Lars Bonitz allerdings unausgesprochen und überließ sie dem logischen Denkvermögen der Ausschussmitglieder: Die Stadt sollte sich Gedanken machen, wie sie den Zwist elegant und schell aus der Welt schaffen kann.

Der Jugendweiheverein muss für das kommende Jahr eine Miete für das Stadtkulturhaus in Höhe von knapp 1400 Euro statt bisher 476 Euro an die QSG entrichten. Die Rechnungslegung ist verbindlich und fußt auf einem zwischen QSG und Stadt Genthin rechtskräftig abgeschlossenen Vertrag.

Andere Situation als bei örtlichen Vereinen

Er räumt dem Jugendweiheverein als nicht ortsansässigem Verein mit Hauptsitz in Magdeburg keine Sonderkonditionen wie Genthiner Vereinen ein. Der Bildungsausschuss war zunächst soweit gegangen, dass er handwerkliche Fehler bei der Ausarbeitung des Vertrages einräumte, die den Jugendweiheverein, der in Genthin seit vielen Jahren ein Büro unterhält, benachteiligen würde. Auf eine solche Argumentation ließ sich der Hauptausschuss allerdings nicht ein.

Er wollte ganz offensichtlich die Mietkosten-Debatte nicht weiter befeuern und reagierte auch nicht auf Bonitz‘ Einlassungen. Allein Gabriele Herrmann (Die Linke) bemühte sich, möglichst diplomatisch aus der Nummer herauszukommen. „Wir sollten uns mit dem Ganzen noch mal in Ruhe befassen“, meinte sie und nahm damit eigentlich dem Bürgermeister das Schlusswort vorweg, der Bonitz‘ Ausführungen unwerwidert ließ. Der Ball liegt jetzt weiter beim Bürgermeister.