Genthin l Es ist Freitag, 21 Uhr, als die Genthiner eine Premiere erleben: Joe Carpenter präsentiert sein neues Lied „Meer und Wind“. Der Titel feiert zur gleichen Zeit auch Radiopremiere bei Antenne Brandenburg. Dort ist das Lied nun als Neuvorstellung gelistet und kann neben DJ Ötzis „Für immer jung“ und Franziska Wieses „Welt der einsamen Herzen“ in die Charts gewählt werden.

Joe Carpenter scheint angekommen im Musikbusiness. Seine Lieder laufen im Radio und belegen vordere Plätze in den Hitparaden, seine Konzerte sind voll. So auch das am Freitagabend im Genthiner Konzertsaal des Kreishauses. Carpenter startet routiniert mit einem Titel von Unheilig. Seine Stimme steht der des Grafen in nichts nach, das Publikum klatscht begeistert mit.

„Ich bin wahnsinnig nervös“, gesteht Carpenter nach der Eröffnung. Seit 16 Uhr ist er bereits im Kreishaus, hat kalte Hände und läuft ziellos umher. Auf der Bühne ist davon nichts zu merken. Herzlich begrüßt er seine Fans. Besonders die Stammgäste aus Kade und die sechs Freikartengewinner der Volksstimme. Carpenter selbst hatte die Verlosung am Telefon durchgeführt. „Eine spannende Erfahrung“, sagt der Sänger.

Der kleine Trompeter

Obwohl der Konzertsaal voll ist, bleibt die Atmosphäre intim. Zwischen den Songs erzählt der 42-Jährige von sich, zum Beispiel dass er mit 14 verliebt in eine Kathrin war und Musik bei ihm in der Familie liegt. Die Mutter singt im Chor, der Vater spielt im Blasorchester, der junge Joe sorgt bereits siebenjährig als „kleiner Trompeter“ für Aufsehen.

Heute singt er von der Liebe. Etwa in „100 Kilometer“, einem Lied von einer Fernbeziehung, vom Heimweh und vom Heimkommen. Der ein oder andere verdrückt ein Tränchen. Das liegt nicht nur am Text, sondern vor allem an Carpenters Stimme. „Eine Stimme, die berührt“ eben, wie es sein Slogan verspricht.

Stammgäste und Neulinge

Für Gänsehaut sorgt auch der Titel „Gibt es für dich kein Morgen mehr“, die deutsche Version vom Klassiker „If tomorrow never comes“. Stammgäste und Neulinge im Publikum sind gleichermaßen begeistert. „Ich bin immer dabei, wenn er in Genthin singt“, sagt zum Beispiel Kathleen Schwindack aus Gladau. Simone Heidel aus Derben sagt: „Ich bin zum ersten Mal in einem Konzert von Joe Carpenter. Er macht das richtig gut.“

Viele der Texte hat Faid Katta geschrieben. Carpenter erzählt in den Pausen von der guten Zusammenarbeit und symbolisiert diese kurz darauf, als er das Lied „Wenn sie könnte...“ vorträgt.

Verwirklichte Träume

Neben der Liebe sind auch Träume ein viel besungenes Thema. Einen Traum erfüllte sich Carpenter zu seinem 40. Geburtstag selbst. Im November 2014 erschien sein erstes Album „Einfach frei“. Den 2013 geschriebenen Titel setzte er 2017 in die Tat um, „befreite“ sich nach 25 Jahren von seinem Job im Amt und arbeitet seit Januar hauptberuflich als Musiker.

Sein Konzert zeichnet sich aus durch die Mischung aus Coversongs und eigenen Titeln. Bemerkenswert ist, dass die eigenen nicht gegen Größen wie Peter Maffay oder Udo Lindenberg abfallen. Die Genthiner bekommen zum Abschied eben diese Mischung geboten. Nach einem Lindenberg Cover gibt es „Schneegeflüster“, jenes Lied, das es bis auf Platz zwei der Schlagerhitparade schaffte und dort sogar vor Udo Lindenberg platziert war. Für die Organisatorinnen des Abends Marina Conradi und Marina Weppler gibt es zum Schluss Blumen vom Sänger persönlich. Auch für Carpenter gibt es ein Geschenk. Eine Schallplatte aus Schokolade. „Als Vorläufer zur Goldenen“, erklärt Marina Conradi. Den nächsten kleinen Schritt auf dem Weg zur Goldenen Schallplatte macht er im Oktober. Dann singt er im größten Saal Rathenows, im Kulturzentrum. Auch den Titel „Meer und Wind“ wird er dort präsentieren und vielleicht die Geschichte erzählen, wie die Nummer einst in Genthin Weltpremiere feierte.