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Altes Landratsamt in Wolmirstedt Ins Landratsamt zieht bald Leben ein

Lange stand das ehemalige Landratsamt in Wolmirstedt leer. Nun hat sich ein neuer Betreiber gefunden und bereits angefangen, die Zukunftspläne umzusetzen.

Von Gudrun Billowie 12.02.2026, 18:00
Das DRK baut das ehemalige Landratsamt um. Wie es aussehen wird, wissen Geschäftsführer Ralf Kürbis (r.) Wohnungswirtschaftsbereichsleiter André Wiklinski.
Das DRK baut das ehemalige Landratsamt um. Wie es aussehen wird, wissen Geschäftsführer Ralf Kürbis (r.) Wohnungswirtschaftsbereichsleiter André Wiklinski. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt. - Das alte Landratsamt in Wolmirstedt sieht von außen fast so aus, wie immer. Wäre nicht die Eingangstür vernagelt und mit einem Plakat versehen. Die Baumaschinen auf dem Hof verraten, dass hier bereits ein Umbau läuft.

Der Landkreis hat das alte Landratsamt verkauft, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat zugegriffen. Der DRK-Kreisverband Börde wird dem alten Haus eine neue Geschichte verpassen. Wo früher Amtsstuben waren, Menschen Akten anlegten, sollen Wohnungen entstehen. Aus dem alten Landratsamt wird ein Wohnquartier für Menschen, die jetzt oder später Hilfe und Betreuung brauchen. Sie finden dort alles unter einem Dach.

So ein Wohnquartier hat das DRK bereits am Stadtpark errichtet und erlebt: Die Nachfrage ist groß. Von einer sehr langen Warteliste spricht DRK-Geschäftsführer Ralf Kürbis. Deshalb sei er sicher, dass auch das nächste Wohnquartier eine solide Zukunft haben wird. Ein Name für das Quartier ist schon gefunden. Es wird den Namen „Altes Amt“ tragen.

Derzeit sind sowohl das vordere Haus, als auch der hintere Plattenbau eine Großbaustelle. Die Räume sind vollkommen entkernt, beide Häuser sind eine Art „hohler Vogel“. Doch das wird sich im Laufe der kommenden Monate ändern.

Im alten Landratsamt werden 46 Wohnungen eingerichtet, dazu gibt es eine Tagespflege und einen ambulanten Pflegedienst im Haus. Diese Konstellation gibt es bereits im Wohnquartier „Am Stadtpark“, doch im „Alten Amt“ wird es noch einen weiteren Baustein geben. „Wir werden zusätzlich 22 Kurzzeitpflegeplätze einrichten“, sagt Ralf Kürbis.

Das werden Einzelzimmer mit Bad sein, in die pflegebedürftige Menschen auf Zeit einziehen können. Das kann der Fall sein, wenn Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt intensive Betreuung brauchen, wenn pflegende Angehörige selbst krank werden oder dringend einen Erholungsurlaub benötigen.

Die Tagespflege hingegen wird nur tagsüber genutzt. Pflegebedürftige Personen verbringen dort den Tag, essen, es gibt Unterhaltung und spezielle Beschäftigungsprogramme. Im Wohnquartier „Am Stadtpark“ ist diese Tagespflege stark nachgefragt. Der Bedarf für weitere Plätze im „Alten Amt“ scheint gesichert.

Bis ins „Alte Amt“ Menschen einziehen können, muss noch viel gebaut werden, unter anderem braucht es eine neue Elektrik und neue Fußböden. Am Ende soll das Haus jedoch ein gemütliches Ambiente ausstrahlen. Außen soll der Charakter des Hauses erhalten bleiben.

Noch bis Ende 2023 waren im alten Landratsamt in der Farsleber Straße 19 einige wenige Amtsstuben besetzt. Ab 2024 waren alle Mitarbeiter in Haldensleben oder Oschersleben untergebracht und die Amtsgeschichte des Doppel-Baus ging endgültig zu Ende.

Das vordere Haus wurde 1926 Jahren erbaut, diente bis 1945 als Finanzamt. Anschließend wurde es dem Rat des Kreises zur Verfügung gestellt, zum Schluss dem Landkreis Börde. „Wir wollen den Charakter der Fassade erhalten“, sagt Ralf Kürbis. Es werde neue Fenster mit Rollläden und eine neue Farbe geben, die typische Architektur jedoch soll sichtbar bleiben.

Der hintere Teil des ehemaligen Landratsamtes wird mit Balkonen versehen.
Der hintere Teil des ehemaligen Landratsamtes wird mit Balkonen versehen.
Foto: Gudrun Billowie

Das hintere, viergeschossige Haus wurde 1981 in Betrieb genommen, weil der Platz für die Kreisverwaltung zu klein geworden war. Beide Häuser sind in jedem Geschoss durch Brücken verbunden, voll unterkellert, haben eine Grundfläche von 5.800 Quadratmetern und stehen nicht unter Denkmalschutz. Das Grundstück ist 3.700 Quadratmeter groß.

Das hintere Haus, der Plattenbau, wird ebenfalls modernisiert und außen mit Balkonen versehen. Die Verbindung zwischen beiden Häusern hat sich bewährt und eine solche soll es auch künftig geben, in einer zeitgemäßen Variante. Dazu zählt auch der Einbau zweier Aufzüge, sodass beide Häuser barrierefrei erreichbar sind.

Bleibt noch die Sorge um ausreichendes Personal. Die teilt Ralf Kürbis nicht. „Wenn man Personal braucht, muss man ausbilden. Das machen wir. Das sehen wir als Auftrag.“

Das DRK Börde investiert Millionen in dem Umbau des alten Landratsamtes. Geschäftsführer Ralf Kürbis hofft, dass die Bewohner im zweiten Halbjahr 2027 einziehen können. Zuversichtlich blickt er nach vorn: „Es ist ein dankbares Geschäft, die Nachfrage ist da.“