Genthin l Noch etwa neun Wochen, dann wird Lisa Zander ihr Neugeborenes im Arm halten. Der Corona-Lockdown hat damit allerdings weniger etwas zu tun. Denn Lisa Zander ist bereits in der 31. Woche schwanger und erfuhr die frohe Botschaft damit schon, bevor Mitte März die Verordnungen zum Schutz vor Covid-19 ganz Deutschland lahm legten.

Ob sie später im Kreißsaal eine Maske tragen muss, damit hat sich die 25-Jährige noch nicht auseinandergesetzt. Für Schwangere gilt auch beim Einkaufen keine Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Sie gehören, wie zum Beispiel Kinder unter sechs Jahren und Gehörlose zu den Personengruppen, die von der Pflicht ausgenommen sind.

„Was natürlich schade war, dass ich zu Beginn nicht für das Baby shoppen gehen konnte“, findet Lisa Zander. Aber Freunde und Verwandte haben sie bei der Zusammenstellung der Erstausstattung für den kleinen Jungen tatkräftig unterstützt.

Weniger Schwangerschaftsabbrüche momentan

„Also mit einem Babyboom haben wir eher nicht zu rechnen“, schätzt Frauenärztin Heike Kist aus Genthin die Lage vor Ort ein. Es werden gefühlt eher weniger Schwangere als im Vorjahr in ihrer Praxis betreut. Aber sie sagt auch, dass es momentan weniger Schwangerschaftsabbrüche gibt. So entscheiden sich gerade wohl mehr Genthinerinnen für statt gegen eine Mutterschaft.

Auch für die Hebammen, die in der Helios Klinik Jerichower Land in Burg arbeiten, ist noch nicht konkret abzuschätzen, wie stark sie um den Jahreswechsel herum ausgelastet sein werden.

Beschäftigungsverbot wegen Embyro

Für Lisa Zander spielte der Corona-Lockdown in ihrer Schwangerschaft eher keine tragende Rolle. Sie ist in der Krankenpflege beschäftigt und war ab dem Zeitpunkt, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr, aufgrund hoher Ansteckungsgefahr für das Embryo sofort im Beschäftigungsverbot. Die Entschleunigung des täglichen Lebens waren daher eher ein zusätzliches Plus an Ruhe für die junge Frau.

Blickt man über die Landesgrenze nach Brandenburg, hört sich die Lage schon etwas arbeitsreicher an. „So genau kann man es nicht sagen, ob der Corona-Lockdown eine Rolle spielt, aber wir haben so oder so aktuell sehr viele Frauen, die schwanger sind oder Entbindungstermin haben“, sagt Hebamme Isabell Borrmann aus Bensdorf, die in Brandenburg an der Havel in der Gemeinschaftspraxis „Bauchgefühl“ tätig ist.

Hebammen 2021 gut ausgebucht

Auch fürs neue Jahr seien die Hebammen bereits gut ausgebucht. „Im Dezember selbst ist es verhältnismäßig ruhig bisher. Aber für das neue Jahr haben wir sehr viele Anmeldungen.“ Die Zeit um den Jahreswechsel wäre Entbindungstermin für jene Babys, die sich während des Corona-Lockdowns auf den Weg gemacht haben.

In der Brandenburger Praxis wird zeitnah eine neue Kollegin als Hebamme starten. Sie wird, wie ihre drei Kolleginnen, gut zu tun haben, sagt Borrmann.

Keine Aussagen über Corona-Babys

Im wohlverdienten Urlaub befindet sich aktuell noch Hebamme Bianca Küch aus Genthin. „Über Corona-Babys kann ich aktuell noch gar nichts sagen, das muss ich erst abwägen“, antwortete sie auf Volksstimme-Anfrage.

Natürlich ist ein Lockdown nicht unbedingt nur eine Zeit der Harmonie, die zur Familienplanung einlädt. Sorgen wie die berufliche Zukunft, überforderte Eltern, die zwischen Homeoffice und Homeschooling andere Probleme hatten, als sich über ein weiteres Geschwisterkind Gedanken zu machen und nicht zuletzt auch häusliche Gewalt sind Themen, die nach dem Lockdown in den Medien besondere Präsenz erfuhren.

Babybooms nach Krisenseiten

Grundsätzlich sind Babybooms nach Krisensituationen nicht abwegig. Historisch gesehen ist ein Anstieg der Geburtenrate, wie etwa zum Beispiel nach der spanischen Grippe, keine Seltenheit, hat das Online-Magazin Business Insider des Axel Springer-Verlages recherchiert. Das Magazin bezieht sich dabei auch auf Aussagen des Bundesverbands der Frauenärzte.

Eine Vermutung des gefühlten Anstiegs von Schwangerschaften ist, dass jene Frauen, die während des Lockdowns schwanger wurden, sich erst mit den bundesweiten Lockerungen im Mai auf den Weg zu ihren Frauenärzten gemacht hätten und deshalb gefühlt ein Ansturm oder Anstieg der Schwangerschaften zu verzeichnen war. Übrigens werden im Westen Deutschlands, laut einer aktuellen Berichterstattung des WDR, momentan rund 30 Prozent mehr Schwangerschaften registriert. Die Gründe dafür wissen wohl die werdenden Eltern selbst am besten. Bleibt zu hoffen, dass jene, die bald entbinden, die Geburt nicht mit Mund-Nasen-Schutz und ohne Partner erleben müssen.