Genthin l Ein älterer Herr erleidet einen Herzinfarkt. Ein fünfjähriges Mädchen verunglückt beim Spielen. Wenn Minuten über Leben und Tod entscheiden, kommt die schnellste medizinische Hilfe oftmals aus der Luft. „Mein Mann und ich haben das Gefühl, dass der Rettungsflieger Genthin seit der Schließung des Krankenhauses häufiger als früher anfliegt“, sagte Leserin Karin Jahnke am Volksstimme-Telefon und ist damit nicht allein.

Jedoch ergibt eine Nachfrage bei der Pressestelle der DRF Luftrettung, die den Rettungsflieger Christoph 36 betreibt, dass dem nicht so ist. „Nach der Schließung des Krankenhauses sind wir nicht häufiger in Genthin“, sagt Sprecherin Stefanie Kapp.

Zwei Einsätze an einem Tag

Allerdings sei der Hubschrauber durchaus in Genthin im Einsatz. „Am 24. Februar haben wir die Stadt sogar zweimal an einem Tag angeflogen.“ Möglicherweise sei dies einigen Lesern aufgefallen.

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Der Hubschrauber kommt aber nicht einfach so. Dreh- und Angelpunkt sei die Notrufnummer 112. Wer dort in einem Notfall anruft, landet in der Rettungsleitstelle. Dort müssen die bekannten W-Fragen (Wo ist etwas passiert?, Was ist passiert?, Wie viele Personen sind betroffen?, Welche Art Verletzungen gibt es?, Warten auf Rückfragen der Leitstelle) beantwortet werden, damit der Mitarbeiter der Leitstelle eine Entscheidung treffen kann. „Er sucht dann nach der schnellsten Möglichkeit zur Versorgung des oder der Verletzten.“

Krankenhaus-Landeplatz nicht notwendig

Da in Genthin zwei Rettungswagen stationiert sind, falle die Wahl häufig auf diese. Sind die Fahrzeuge nicht verfügbar, wird der Hubschrauber angefordert. Auch sei er unabhäng vom in Genthin existierenden Hubschrauberlandeplatz.

„Da in Genthin kein Krankenhaus mehr existiert, müssen wir dort auch nicht mehr zwangsläufig landen“, erklärt die Sprecherin. Vielmehr sei es so, dass auch große Rasenflächen oder, wenn es gefahrlos möglich ist, auch Straßen als Landefläche dienen könnten.

Navigator und Notfallsanitäter

Im mit Pilot, Notarzt und Notfallsanitäter besetzten Hubschrauber komme Letzterem eine besondere Rolle zu. „Der Notfallsanitäter ist gleichzeitig Navigator, er hilft dem Piloten bei der gefahrlosen Landung und hat dadurch eine Doppelrolle.“

Der rot-weiße Hubschrauber ist täglich von 7 Uhr morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit. „Christoph 36“ ist in einem Umkreis von 60 Kilometern um Magdeburg im Norden bis hinter Stendal, im Süden bis nach Lutherstadt Eisleben, im Westen bis nach Wolfsburg und im Osten bis hinter Brandenburg an der Havel unterwegs. „Im Prinzip alle Gebiete, die wir in der Luft in 15 Minuten erreichen können“, erklärt Stefanie Kapp.

Neuer Hubschrauber im Einsatz

Die DRF-Luftrettung betreibt den Standort in Magdeburg für weitere sechs Jahre. Auch bekamen die Retter jüngst einen neuen Hubschrauber, der wird nach wie vor „Christoph 36“ heißen – abgeleitet vom Heiligen Christophorus, der unter anderem als Schutzpatron der Reisenden gilt, und der Magdeburger Station, die die 36. Luftrettungsstation in Deutschland war. Inzwischen gibt es mehr als 90.

Um die hohe Qualität ihrer Arbeit sicherzustellen, investiert die DRF-Luftrettung kontinuierlich in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter und in die Modernisierung der Flotte. Daher ist die gemeinnützig tätige Luftrettungsorganisation auf die Unterstützung von Förderern und Spendern angewiesen. Weitere Informationen: www.drf-luftrettung.de oder www.facebook.com/drfluftrettung