Genthin/Burg l In den vergangenen Wochen war die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) in den Medien allgegenwärtig. Da unsere Winter immer milder werden, breitet sich das Tier deutschlandweit sprunghaft aus. Sie ist bereits bei Temperaturen um die vier Grad aktiv und sucht nach Wirten, die sie stechen kann. Damit steigt die Gefahr einer Übertragung einer Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer der typischen Krankheiten, die Zecken übertragen.

Dr. Henning Preißler, Amtsarzt beim Landkreis Jerichower Land kann diesbezüglich für unsere Region noch beruhigen. Das Gesundheitsamt könne nur über die gemeldeten Erkrankungszahlen feststellen, ob es einen relevanten Anstieg in diesem Bereich gäbe. „Bisher ist das nicht der Fall.“ Die FSME sei im Jerichower Land bisher gar kein Thema, dafür aber seit Jahren die Borreliose. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien nach einem Zeckenbiss ausgelöst wird. Typisch ist eine ringförmige Rötung, die sich einige Tage bis Wochen nach einem Stich um die Einstichstelle ausbreitet. Die Symptome einer Borreliose reichen unter anderem von Hautinfektionen über grippeähnliche Beschwerden bis zu einer Hirnhautentzündung.

Zahlen bleiben stabil

„In den Jahren 2019 und 2020 sind dem Gesundheitsamt jeweils 48 Borreliose-Erkrankungen gemeldet worden, wobei davon auszugehen ist, dass es eine erhebliche Dunkelziffer gibt“, erklärt der Amtsarzt. Im Januar 2021 wurden dem Gesundheitsamt bisher drei Borreliose-Fälle gemeldet. „Das ist eine Zahl, die im Moment nicht im Sinne einer deutlichen Problemzunahme gewertet werden kann.“ Ähnlich wie der Amtsarzt sehen es auch Experten aus anderen Regionen. Aktuell gehen Forscher davon aus, dass es bereits eine FSME-Übertragung von der Auwaldzecke auf Menschen gegeben hat. Allerdings bestätigen erste Tests eine noch geringe Gefahr.

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Denn seit einigen Jahren können verdächtige Zeckenfunde an die Forschungsstellen eingesandt werden. Die Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule in Hannover haben bei den ihnen vorliegenden Exemplaren der Auwaldzecken festgestellt, dass überhaupt nur 0,36 Prozent einen Menschen gestochen hatten. Allerdings kann sich diese Situation in den kommenden Jahren durchaus ändern. Daher rät Henning Preißler durchaus zur Vorsicht, denn aufgrund der Klimaveränderungen sei künftig mit einer ganzjährigen Zeckensaison zu rechnen, macht er einen Punkt deutlich. Des Weiteren liege der Durchseuchungsgrad der Zeckenpopulationen mit dem Borreliose-Erreger schon bei fast 70 Prozent, zudem halte die Ausbreitung der sogenannten FSME-Risikogebiete in Deutschland in Richtung Norden an.

Tierbesitzer sind sensiblilisiert

Dadurch kann sich dann auch die Auwaldzecke weiter verbreiten. Und dieses Tier bringt weitere Gemeinheiten mit. Denn sticht die Zecke Hunde oder Pferde, kann sie Babesiose oder „Hundemalaria“ übertragen, eine Erkrankung, die man früher nur aus dem Ausland kannte. Sie verursacht bei den Tieren hohes Fieber, außerdem kann sie rasch zum Tode führen, weil sie die roten Blutkörperchen zerstört. Gerade auch deshalb sind Tierbesitzer bereits jetzt für die Situation sensibilisiert. „Wir kennen uns mit der Problematik aus“, sagt Carola Blanke, Geschäftsführerin des Hundesportvereins Elbe-Parey. Die Mitglieder wüssten auch, dass Zecken mittlerweile zu jeder Jahreszeit ein Problem sein können und seien entsprechend informiert, ihre Tiere im Blick zu haben. Probleme mit der Auwaldzecke habe man in der Region noch nicht gehabt. Ähnlich äußert sich Kathrin Schuldt vom Reitverein „Preußen 1754“ in Mützel. Man habe mit dieser Zecke noch nicht zu tun gehabt, daher gäbe es auch keine besonderen Maßnahmen. Allerdings seien die Reiter gehalten, das Pferd nach jedem Ausritt auf kleine Verletzungen oder Veränderungen zu kontrollieren und dabei sollte auch eine Zecke auffallen.

Dass die Zeckenpopulation auch bei uns zunimmt, kann Sven Königsmark vom Nabu Jerichower Land bestätigen: „Nach dem Gehen durch hohes Gras konnte ich einige Exemplare auf meiner Kleidung entdecken.“ Er rät nicht nur in den warmen Monaten auf einen entsprechenden Schutz zu achten, sondern bereits jetzt. „Der übliche Zeckenschutz sollte eben bei entsprechender Witterung immer beachtet werden. Daran hat sich nichts geändert.“