Parchen l Das alte, denkmalgeschützte Pfarrhaus in Parchen muss nicht das Schicksal vieler leerstehender Pfarrhäuser, die mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben sind, teilen. Von der Evangelischen Kirche über das Internet zum Verkauf angeboten, hat es mit Elisabeth und Michael Vajna neue Eigentümer gefunden, die das in die Jahre gekommene Fachwerkhaus nach und nach wieder nach den Kriterien des Denkmalschutzes sanieren und restaurieren lassen.

Seit dem Sommer bewohnt das Ehepaar mit seinen beiden Kindern das ehemalige Pfarrhaus, das bis 1989 von Hildegard Usbeck, der letzten Parchener Pastorenwitwe, bewohnt wurde. Noch gleicht das Haus, obwohl bewohnt, einer Baustelle. Es bleibt auch in den kommenden Monaten viel zu tun.

Gemeindeleben

Die Paar hatte von einem befreundeten Pfarrer den Tipp bekommen, dass in Parchen das ehemalige Pfarrhaus zu veräußern wäre. „Wir haben das Haus nicht einfach aus dem Kirchengrundstück herausgekauft“, sagt Elisabeth Vajna und will damit auf das Ensemble abheben, das Kirche und Pfarrhaus seit Jahrhunderten in dem Dorf bildeten. Beides auseinanderzureißen, käme in dem Verständnis des Ehepaares als evangelische Christen nicht in Frage. Im Gemeindeleben habe dieses Pfarrhaus einst die Funktion einer Anlaufstelle für die Parchener ausgeübt, die es in den letzten Jahrezehnten mit dem Leerstand nicht mehr ausfüllte.

An Tradition anknüpfen

Als neuer Hausherr sieht sich das Ehepaar Vajna nun in Pflicht, an diese alte Pfarrhaus -Tradition anzuknüpfen. „Wir haben Überlegungen angestellt, wie wir die ehemalige Funktion des alten Pfarrhauses für die Parchener wieder aufnehmen können. So haben wir uns entschlossen, einen Verein zu gründen, um dieses Engagement auch auf eine rechtliche Grundlage zu stellen“, erklärt Elisabeth Vajna. Diesen Verein, den Verein Pfarrhaus e.V. unter dem Vorsitz von Michael Vajna, gibt es bereits seit einigen Monaten. Jetzt sei es jedoch an der Zeit, meint seine Ehefrau, für diesen Verein die Werbetrommel zu rühren und sich auf die Suche nach Mitstreitern zu begeben.

Im Frühjahr soll nach dem Willen der Vereinsgründer „Pfarrhaus e.V.“ loslegen. „Jeder, der mitmachen möchte, ist willkommen“, appelliert Elisabeth Vajna.

Konkrete Vorstellungen

Das sanierte Pfarrhaus verfügt über ausreichend Platz, um einem Verein Räume zur Verfügung zu stellen. Hier könnten, macht Elisabeth Vajna erste Vorstellungen bereits konkreter, Angebote für Kinder entwickelt sowie Konzerte und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden. Das Ehepaar Vajna sieht darin sowohl eine Bereicherung des Gemeindelebens, aber auch eine zeitgemäße Nutzung eines Denkmals, das lange Zeit vor sich hindümpelte.

Darüber hinaus kann sich die studierte Psychologin durchaus vorstellen, im ehemaligen Pfarrhaus möglicherweise eine Akutsprechstunde als ein kostenfreies und niedrigschwelliges Beratungsangebot zu etablieren.

Von Kultur bis zur Streuobstwiese

An Ideen, wie das Pfarrhaus mit der Kirche wieder zu einem Mittelpunkt im Dorf werden kann, mangelt es dem Ehepaar, das aus Bad Schmiedeberg nach Parchen gezogen ist, nicht.

So hätten Gottfried und Johannes Usbeck, Söhne des letzten Parchener Pfarrers Ernst Usbeck (1892- 1976), davon berichtet, dass es im Pfarrgarten einst 30 verschiedene Apfelsorten angebaut wurden. Diese 30 Apfelsorten seien namentlich bekannt. „Vielleicht könnte im Pfarrgarten eine Tages über ein Projekt eine Streuobstwiese entstehen. Die Usbeck-Brüder haben jedenfalls ihre Unterstützung zugesagt“, zeigt sich die neue Hausherrin optimistisch.

Das Ehepaar Vajna, Michael Vajna arbeitet als Musiker und Komponist, hatte bereits interessierten Besuchern zum Tag der Regionen Einblicke in das alte Pfarrhaus gewährt.