Parchen l Staunendes Publikum säumt den Ackerrand am Ortseingang in Parchen, als Walter Heuer zwei Haflinger vor den Pflug spannt und geduldig eine Reihe nach der anderen pflügt. Scholle für Scholle, exakt 180 Grad gewendet.

Von Kindheit an gelernt

Ein Hauch von Nostalgie zieht die Besucher des Tages der Regionen in seinen Bann. „Das wäre doch was für den Garten“, ruft Holger Sabert dem Mann hinter dem Pflug zu, der auch bei dieser Schauvorführung akribisch darauf achtet, ordentliche Arbeit abzuliefern.

Heuer ist ein Mann vom Fach, der das Pflügen als Hobby von Kindesbeinen an stetig perfektioniert hat. Leistungspflügen, Meisterschaften - der Altmärker, im Berufsleben Monteur und Gabelstapel-Fahrer, mischt in der großen Liga mit und ist organisiert in der Interessengemeinschaft Zugpferde, Landesverband Sachsen-Anhalt.

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Meisterschaften im Pflügen

Das Schaupflügen in Parchen sei eine willkommene Gelegenheit, am Pflug zu schrauben und zu üben, gibt sich der Altmärker kurz und knapp. Die Deutschen Meisterschaften im Pflügen, die im Oktober in Hessen ausgetragen werden, stehen bevor. Da passte der Termin in Parchen gut.

Hier gibt es keine Zeit- und Streckenvorgaben. Hier kann Heuer vielleicht auch an dem ein oder anderen Detail noch feilen, bevor es bei den Deutschen Meisterschaften ernst wird.

Eine Wissenschaft für sich

Schnell und versiert hat er nach einer Tour den Schraubschlüssel bei der Hand, macht sich am Vorschäler und an den Messersech zu schaffen. Heuer probiert deren richtige Einstellung aus. Der Laie staunt: Pflügen mit Pferden ist eine Wissenschaft für sich, auch wenn sie längst Traktoren mit modernen Pflügen, die hydraulisch gesteuert werden, gewichen sind.

Auf dem Parchener Acker pflügt Heuer mit einem 60 Jahre alten Einschar-Pflug und seinem Haflinger-Gespann. Er legt eine, wie es Landwirte sagen, „Saatfurche“ in einer Bodentiefe von 16 Zentimetern.

Unbedingt gerade müssen die gepflügten Reihen sein, das Ein- und Aussetzen des Pfluges muss passen. Eine saubere abgeschlossene Acker-Kante gehört wie eine „ausgeräumte Furche“, in der kein Grün mehr zu finden sein darf, zur Visitenkarte eines Könners wie Walter Heuer.

Geschicklichkeit und Erfahrung gefragt

Körperlich sei Pflügen nicht unbedingt eine schwere Arbeit, meint Sandra Heuer, die ihren Vater beim „Üben“ genau im Auge hat und dabei die Fragen der Parchener beantwortet. Geschicklichkeit und Erfahrung seien dafür gefragt. „Viel Kraft braucht man eigentlich nicht“, meint Sandra Heuer.

Die 15 und 19 Jahre alten Haflinger steuert der Mann hinter dem Pflug mit einer Leine, die ihn über den Oberkörper mit den Pferden verbindet. Das harmonische Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier ist dabei Ergebnis eines langjährigen Trainings. Im Alter von drei Jahren beginne man gewöhnlich, die Tiere für das Pflügen langsam vorzubereiten, plaudert Sandra Heuer für interessierte Zuschauer. Das erfordere viel Zeit und Geduld. An den Pflug geht es erst später.

Die beiden Wallache ziehen derweil unaufgeregt und gleichen Schrittes den Pflug hinter sich her. Mit einem beruhigendem „Langsam“ redet „Steuermann“ Walter Heuer auf sie ein. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier klappt. Dem tadellos gepflügten Acker kann man es ansehen.