Schlagenthin l Eine Plane verdeckt Altar und eine Hälfe des Chorraumes der Kirche Schlagenthin. Gerüste stehen an den Emporen, Flutlichter leuchten selbst dunkelste Ecken aus und zwei Frauen in Arbeitskleidung pinseln an den hölzernen Einfassungen. „Wir vermuten, dass sich unter der Farbe noch Wappen befinden, die lassen wir im Moment aus und werden sie später behutsam freilegen“, sagt Tom Zimmermann, Restaurator aus Potsdam zur Arbeitsweise seiner Kolleginnen.

Derzeit arbeiten Zimmermann und die Frau vom Fach, Anna-Christin Selle am zweiten Bauabschnitt im Innenraum der Patronatskirche, unterstützt werden sie dabei von Praktikantin Sofia Heller, die ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege absolviert. Knapp drei Monate setzen die Potsdamer Restauratoren an, um das Kircheninnere, einschließlich Wände und Fußboden, wieder herzustellen. „Die Holzbänke sollen durch die Tischlerei Staschull wieder aufgearbeitet und aufgestellt werden.“ Zimmermann und Selle sind keine Unbekannten in dem Schlagenthiner Gotteshaus, sanierten im letzten Jahr schon den Altar, Kanzel und Patronatsloge.

Material-Proben für den Befund

Die Vorgehensweise sei immer ähnlich erklärt Zimmermann: „Und doch ist jedes Objekt anders.“ Bevor der erste Pinselstrich gesetzt oder ein beschädigtes Stück Holz ausgewechselt wird, „werde erstmal untersucht.“ Dazu nimmt der Restaurator Befunde in Form von Material-Proben, erstellt Fotos und Vergleiche. Anhand von Werkstoffanalysen in Verbindung mit dem Studium historischer Ansichten, gelang es Zimmermann herauszufinden, wie die Kirche früher aussah und danach können die Fachleute Anstrich, Farben und Aufbau der Inneneinrichtung rekonstruieren. Doch die eigentliche Vorgehensweise stimmt Zimmermann mit dem Landesamt für Landesamt für Denkmalspflege und Archäologie ab, unter Beteiligung der leitenden Architektin. „Denn die Emporen stammen aus zwei unterschiedlichen Bauphasen – Renaissance und dem späteren Barock“, erklärt Zimmermann und sagt, „Da müssen wir einig sein, wonach wir uns richten.“ Das bedeute für die Restauratoren, Denkmalpfleger und Architekten, so Zimmermann, „dass wir uns regelrecht in das Objekt reinversetzen müssen“.

Bilder

Der Teufel liege hier sprichwörtlich im Detail und spricht die Farbgebung im Altarraum an: „Die Farben wirkten auf dem ersten Blick sehr kräftig und das gefiel nicht allen.“ Also hieß es zu warten bis die Pinselstriche an den Emporenwänden getrocknet waren „und dann waren alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Dabei geht der Restaurator auf die Herausforderung seines Berufes ein, denn dazu muss „man quasi ein Alleskönner sein“. Handwerkliches Geschick gehe einher mit dem Verständnis für historische und kulturelle Zusammenhänge. „Die Spezialisierung in unserem Beruf erfolgt aber immer über das Material“, legt Zimmermann dar.

Vierter Bauabschnitt notwendig

So habe er im Studium seine Expertise im Restaurieren von Wandmalereien und Naturstein erworben, mittlerweile tastet sich der Restaurator an den Werkstoff Holz heran. „Sind hier spezielle Kenntnisse gefragt, wie etwa in der Ornamentik“, weist Zimmermann hin, „führt ein Tischler die Arbeiten aus.“ Rüdiger Schnapp, Vorsitzender des Fördervereines „Kirche Schlagenthin“ e. V. erklärte vor kurzem, dass die Sanierung der Kirche in drei Bauabschnitten erfolgen sollte. Doch der Sanierungsumfang mache einen vierten Bauabschnitt notwendig, „der wird von uns jetzt der Einfachheit halber Abschnitt 3 B genannt.“ So werden derzeit in der historischen Ziegelei Hundisburg extra Ziegel gefertigt, um den Denkmalschutz-Rechtlichen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, so Schnapp.

Mit der Gründung des Fördervereins hatte sich dieser als oberstes Ziel die Sammlung von Spenden und Fördergeldern gesteckt, um die Sanierung und Erhaltung der Kirche schnellstmöglich durchführen zu können. Im Juli 2009 wurde als Grundlage für die Erstellung von Finanzierungskonzepten und die Beantragung von Fördermitteln ein Sanierungskonzept durch das Architekturbüro Fleege + Oeser erstellt. Es enthält Aussagen zum Bestand, zum Schadensbild und zu den erforderlichen Maßnahmen. Um die nötigen Eigenmittel einzusammeln, ohne die Fördermittelanträge keine Chance hätten, riefen die Mitglieder des Fördervereins um Schnapp unter anderem den Schlagenthiner Kulturwinter ins Leben.