Genthin l Für die Drittklässler der Genthiner Grundschule Stadtmitte heißt es einmal pro Woche: Ab ins kühle Nass! Das ist im Lehrplan für Grundschulen in Sachsen-Anhalt vorgeschrieben. Die Schüler müssen in der zweiten, dritten oder vierten Klasse Schwimmunterricht bekommen. Ziel ist es, den Freischwimmer zu erringen – also das Bronzeabzeichen.

Um das zu schaffen, müssen die Kinder innerhalb von 15 Minuten 200 Meter schwimmen. Außerdem muss ein Gegenstand aus 1,80 Meter tiefen Wasser geholt werden und ein Sprung vom Beckenrand steht auch auf dem Plan. Unterrichtet werden die Kinder von ihren Sportlehrern, die allerdings ein Rettungsschwimmerabzeichen in Bronze vorweisen müssen.

Die Umstände für Genthiner Schulen sind dabei recht günstig, steht doch direkt vor Ort eine Schwimmhalle zur Verfügung. Allerdings stellt sich die Frage, ob der vorgeschriebene Schwimmunterricht ausreichend ist.

Eltern in die Pflicht nehmen

Ingo Doßmann, Schulleiter der Grundschule Stadtmitte, dazu: „Ich finde, dass das genug Schwimmunterricht ist. Die Schule leistet ihren Beitrag und darüber hinaus sollte man die Eltern nicht gänzlich aus der Verantwortung ziehen.“

Antje-Katrin Wöhling, Schwimmmeisterin in der Schwimmhalle Genthin, sieht das anders: „Die Kinder machen in der Grundschule ihre Schwimmstufe und haben dann bis zur zehnten Klasse keinerlei schulischen Bezug mehr zum Schwimmen.“ Das sei nicht ausreichend, meint Wöhling. Zudem betont sie, wie wichtig Schwimmen für die körperliche Entwicklung sei, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Jörg Hierse ist Sportlehrer am Bismarck-Gymnasium in Genthin. Er teilt die Meinung der Schwimmmeisterin. „Schwimmen ist eine enorm wichtige Fähigkeit, die durchaus mehr in der Schulen gefördert werden sollte.“ Das Bismarck-Gymnasium versucht das derzeit. Hier wurden sogenannte Bewegungsfelder in den Sportunterricht integriert – eines davon ist Schwimmen. So steht nun auch für die Neunt- und Zehntklässler wieder Schwimmen auf dem Lehrplan. Dabei müssen die Schüler ihre bereits erworbenen Schwimmstufen bestätigen, indem sie die Anforderungen erneut erfüllen. Um sich die Note Eins zu verdienen, müssen sich die Schüler verbessern, also eine höhere Schwimmstufe erringen. „Ziel ist es, dass später auch die anderen Klassen wieder regelmäßig in die Schwimmhalle gehen“, erklärt Hierse.

Das Bismarck-Gymnasium gehe eine guten Weg, indem Schwimmen wieder in den Lehrplan aufgenommen wurde, da sind sich der Sportlehrer und die Schwimmmeisterin einig. Darüber hinaus appelliert Wöhling an die Eltern, frühzeitig mit dem Nachwuchs schwimmen zu gehen und die Kinder zu motivieren, ihre Schwimmstufe zu erwerben. „Je eher man mit dem Schwimmen beginnt, desto besser. Kinder können bereits mit drei Jahren zur Wassergewöhnung – allein das ist schon hilfreich“, sagt Wöhling.

Die Genthiner Schüler sind also durchaus in der Lage, im Wasser zurechtzukommen.

Schwimmkurse in Burg und Genthin

Ob Schwimmen künftig mehr Beachtung im Lehrplan der Schulen findet, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon können Kinder ihre Schwimmstufen auch ohne schulischen Bezug absolvieren.

Nicht nur in der Genthiner Schwimmhalle erfreuen sich die Schwimmkurse hoher Beliebtheit. In Burg werden sie von Mitgliedern des SC Hellas Burg organisiert, wo auch Kathrin Pretzlaff Mitglied ist. Sie ist Schwimmmeisterin in der Burger Schwimmhalle und bestätigt gegenüber der Volksstimme eine große Nachfrage an Schwimmkursen. „Die Wartezeit beträgt ein Vierteljahr.“

In Genthin können Kinder und Jugendliche sich ihr Seepferdchen oder andere Schwimmstufen verdienen. So bietet die Genthiner Schwimmhalle am Montag von 14.15 bis 15.45 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 7.45 bis 9.15 Uhr Schwimmkurse an.