Genthin l Trubel sondergleichen im Genthiner Stadtkulturhaus. Generalprobe des CCW. In einer Ecke des Saales gehen die Funkenmariechen ihre Schritte durch, Sprecher der Sketche schauen, ob die Pointen passen. Abläufe werden gesetzt und verworfen. Mittendrin feilt ganz unberührt vom Trubel Rita Wagner an ihren Texten. Zuviel möchte sie noch nicht sagen, aber: „Es gibt wieder eine bekannte Schlagermelodie, zu der ich das 55-jährige Bestehen unseres Karnevalsvereins besingen werde.“

Jahrzehntelang dabei

Mehr als 40 Jahre der Geschichte des Karnevalsvereins CCW hat Rita Wagner selbst miterlebt. „1976 haben mein Mann Jürgen und ich im Waschmittelwerk angefangen, zwei Jahre später waren wir beide beim Karneval dabei.“ Sie habe zuvor im Schulchor gesungen, war im Singeclub. Wer im Waschmittelwerk arbeitete und auf die Bühne wollte, für den war der CCW die erste Adresse.

So kam es, dass Rita Wagner mit Anfang 20 ein neues Forum für ihre Musikalität und ihren Spaß am Gesang bekam. Sogenannte Küchenlieder waren zunächst ihr Steckenpferd. Titel, die textlich und musikalisch zwischen Volkslied, Bänkelgesang und Moritat angesiedelt waren und Ende des 19. Jahrhunderts aufkamen. Weil sie von Dienstmädchen, Mamsellen und Köchinnen bei der Arbeit gesungen wurden, nannte man sie Küchenlieder. Noch lebhaft erinnert sich Wagner an ihren ersten Auftritt. „Ein Mädchen voller Güte“, sang sie. Ein Lied über eine junge Frau, dass einen Gardeleutnant kennenlernt und dessen Bekanntschaft nicht ohne Folgen bleibt...

Lieder nachgestellt

Während Rita Wagner vorn sang, stellten ihr Mann Jürgen und Karnevalskollege Manfred Göbel das Lied nach, inklusive „Geburt“ einer Babypuppe. Seinerzeit habe man immer darauf achten müssen, wie weit man ging. „Wir nahmen das lokale Geschehen durchaus aufs Korn, es gab kleine Anspielungen, auch verfremdet, und die Leute verstanden doch, wer oder was gemeint war.“ Als Sängerin etablierte sich Rita Wagner in den folgenden Jahren fest im Ensemble, sang allein oder mit Kolleginnen wie Lisa Wolf. Auch durften es jetzt frivole Lieder sein, wie die einer Helen Vita.

Äußerst erfolgreich präsentierte sich der Karneval zu DDR-Zeiten in Genthin, war er doch eine Möglichkeit, ein wenig frecher und aufmüpfiger zu sein als im Alltag.

Ruhe nach der Wende

Nach der Wende ruhte der Karneval beim CCW. Ganze sieben Jahre währte die Pause. Erst zum 35. Geburtstag des Vereins ging es wieder los. Der Verein erfand sich neu, auch Rita Wagner. Beruflich war sie in der Genthiner Stadtverwaltung tätig, war Ensemblemitglied im Amateurtheater und kehrte als Sängerin auf die Karnevalsbühne zurück. Zunächst wieder mit etwas frivolen Texten. Dabei sollten die Lieder nie ein bestimmtes Maß verlassen, sondern im liedhaften Couplet verhaftet bleiben.

Im CCW fand Rita Wagner als Sängerin auch ihre dritte Bestimmung - neuer Text auf bekannten Melodien. „Mir ist irgendwann aufgefallen, dass so etwas gut funktioniert.“ Im vergangenen Jahr besang sie etwa die bevorstehende Bürgermeisterwahl: „Wir brauchen einen Guten, die Partei ist Banane“, zum Text von „Aber bitte mit Sahne“ und bilanzierte gemeinsam mit den Kollegen Frank Zelmanski und Mario Engel die Genthiner Krankenhausschließung: „Das Krankenhaus ist leer gefegt, die Ritter heben uns aufs Kreuz gelegt.“

Neues Terrain vorstellbar

Mit solchen Auftritten möchte Rita Wagner dem Publikum und dem Verein noch ein wenig erhalten bleiben. Auch neues Terrain könnte sie sich vorstellen: „Vielleicht schreibe ich auch Texte für Kollegen oder Büttenreden.“ Es bleibt also spannend. „Ich werde bestimmt noch ein paar Jahre dabei sein“, sagt Rita Wagner, während sie den Text für den kommenden Auftritt lernt.

Am Sonnabend 2. Februar, steigt ab 19.11 Uhr im Genthiner Stadtkulturhaus die 48. Festsitzung des CCW. Karten gibt es leider keine mehr.