Polizei

Silvester-Schicht ruhig wie selten

Die Silvesternacht ist für die Polizei meist eine, in der sie besonders gefordert ist. Wie sah es im Jerichower Land aus?

Von Susanne Christmann

Burg/Genthin l Mit einem „Alles ruhig bisher im Jerichower Land“ begrüßt Pressesprecher Christian Sewina gegen 23 Uhr die Reporterin im Revier in der Burger Bahnhofstraße. Das sei, erklärt der Kriminalhauptkommissar, der in dieser Nacht auch als Einsatzleiter fungiert, im Vergleich zu den Silvesternächten zuvor die Ausnahme. Die aber auch zeige, dass die meisten Leute im Landkreis sich an die Corona-Lockdown-Regeln halten würden, also keine größeren Partys auf der Straße feiern und insgesamt offensichtlich auch sehr viel weniger Alkohol konsumieren würden.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Polizeibeamten, die für diese Silvester-Schicht vorsorglich in zahlenmäßig doppelter Stärke als sonst des Nächtens üblich im Dienst sind, nichts oder nur wenig zu tun hätten. Denn angerufen wird die Notrufnummer in dieser Nacht beileibe nicht weniger als sonst. „Vor meinem Haus wird geböllert. Dürfen die denn das?“ ist die immer wieder gestellte Frage. Geduldig wird den Anrufern erklärt, dass jeder Landkreis dies für sich geregelt hat. Während in den Nachbarkreisen innerhalb bestimmter abgegrenzter Bereiche das Zünden von Knallern und Raketen nicht zugelassen ist, darf im Jerichower Land ohne Gebietseinschränkungen geböllert werden. Mit „Altbeständen“, denn verkauft werden durften die Böllerutensilien dagegen vorher nicht. Jene, die am Neujahrsmorgen in Burg die Überreste der Böllerei zusammenkehren, sehen, dass so mancher doch noch eine ganze Menge „Altbestände“ hervorgekramt haben muss.

Nachdem die Beamten von einem Einsatz im Möckern – hier hatten sich drei Männer, die in einer Laube mit viel Alkohol feierten, in die Haare gekriegt – ins Revier zurückgekehrt waren, blieb Zeit, das neue Jahr um Mitternacht auf polizeiliche Art und Weise gebührend zu begrüßen. Auf dem Revierparkplatz wird ein kleines Blaulichtgewitter gezündet.

Nicht lange danach und die Beamten werden in den Burger Breiten Weg gerufen. Es hat jemand mit einer (Schreckschuss)Pistole herumgeballert. Weil auch das einen Straftatbestand darstellen kann beziehungsweise die Situation weiter eskalieren könnte, eilen die Beamten, wie sie das auch bei jedem anderen Einsatz tun, an den Tatort. Polizeioberkommissar Tino Behm, leitender Einsatzbeamte vom Dienst, koordiniert über Funk das Vorgehen. Auf der Suche nach Beweisen für die Ballerei werden die Beamten fündig: herumliegende Patronenhülsen werden sichergestellt.

Den Pistolenhelden treffen sie in seiner Wohnung nicht an. Was ihn aber trotzdem nicht vor einem Ermittlungsverfahren rettet. Jetzt ist vor allem Reden mit den Leuten vor Ort angesagt. Es gilt herauszufinden, was genau passiert und wer mit welchem Anteil daran beteiligt ist. Und immer, so Tino Behm, der in siebzehn Jahren Polizeidienst einen großen Erfahrungsschatz ansammeln konnte, auch mit dem Ziel, zu deeskalieren, also alles dafür zu tun, dass sich Konflikte nicht verschärfen oder Prozesse sich nicht aufschaukeln.

Auf dem Weg zum nächsten Geschehen lässt Tino Behm den jungen Nachwuchspolizisten am Steuer das Fenster herunterkurbeln und Vorübergehende, die recht ordentlich „getankt“ haben, freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen, dass der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit in dieser Nacht eben nicht gestattet sei. Die Flasche Bier sollten sie doch besser zu Hause leeren.

Vor Ort angekommen geht es um zwei Grüppchen, von denen eine Knaller auf die andere geworfen haben soll. Auch hier heißt es wieder: reden, reden, reden. Ermitteln, wer genau beteiligt ist, wer welchen Anteil am Geschehen hat, ob jemand Verletzungen davongetragen hat. Der DRK-Rettungsdienst ist ebenfalls schnell vor Ort, braucht aber niemanden notärtzlich versorgen.Über Funk hören wir noch von einem Einsatz in Genthin: die gemeldete brennende Pyrotechnik in einem der Aufzüge am Bahnhof veranlassen Feuerwehr und Polizei zu einem Einsatz.

Zu solcherlei unspektakulären Einsätzen wird Polizeikommissarin Antje Schreiber die Kolleginnen und Kollegen bis in den frühen Morgen schicken, blickt Tino Behm gegen zwei Uhr nachts voraus. Und bei allen wird es wieder vor allem auf eines ankommen: das Reden.