Genthin/Burg l Wenn in diesen Tagen Berichte über gigantische Waldbrände im fernen Australien über die Medienkanäle laufen, empfindet ein gestandener Feuerwehrmann wie Genthins Stadtwehrleiter eine gewisse Empathie für jene Feuerwehrleute, die auf dem fernen Kontinent scheinbar einen Kampf gegen Windmühlen vollziehen müssen. „Ich ziehe den Hut vor ihrer Leistung“, sagt Achim Schmechtig nicht zuletzt auch deshalb, weil er als Einsatzleiter weiß, wie herausfordernd Waldbrand-Einsätze auch in unseren Breiten verlaufen, um diese Feuer möglichst schnell unter Kontrolle zu bekommen.

Bei einer Waldbrandalarmierung liefe bei ihm sofort ein innerer Film ab, bei dem er sich vor seinem geistigen Auge die Zufahrtswege, die Waldstruktur und die Löschwasserentnahmestellen abrufe. Sich allein auf Erfahrungen zu verlassen, werde künftig nicht mehr reichen: Denn das Waldbrandrisiko, davon gehen sowohl Feuerwehrleute als auch Forstwissenschaftler aus, werde deutschlandweit aufgrund erhöhter Temperaturen und der rückläufigen Niederschlagsmengen in den Frühjahr-, Sommer- und Herbstmonaten steigen.

Große Mengen Totholz

Stürme, Käferbefall und anhaltende Dürre haben Mengen an Totholz produziert, das einem Feuer viel Nahrung bietet. Selbst im sonst so feuchten Naturschutzgebiet im Burger Stadtwald ist der normale Grundwasserpegel längst noch nicht wieder erreicht, sagt der zuständige Stadt-Mitarbeiter Wieland Günther.

Feuerwehrleute des Jerichower Landes, darunter auch Achim Schmechtig, wurden deshalb im November bei einer Waldbrandkonferenz in Heyrothsberge für Ernstfälle sensibilisiert. Dass künftig Löschwasserbrunnen unmittelbar an neuralgischen Punkten eingerichtet werden sollen, war dabei nicht nur für Schmechtig eine der Neuigkeiten, die er mit nach Hause nehmen konnte.

Mehrere Forstämter dabei

Vor diesem Hintergrund wird gegenwärtig eine groß angelegten Waldbrandübung im Jerichower Land vorbereitet, deren Szenario Mitarbeiter des Landeszentrums Wald, der Bundesforst und des Landkreises bereits entwickelt haben. Diese Übung trägt den Charakter einer Stabsübung.

„Wir werden die gewachsenen Anforderungen, vor die ein großer Waldbrand die Feuerwehrleute stellt, in Auswertung der Stabsübung genau bewerten und gegebenenfalls aktualisieren“, sagte Thomas Barz, der in seiner Eigenschaft als Beigeordneter des Landrates für den Brand- und Katastrophenschutz verantwortlich ist.

Er hält eine Reihe weiterer Argumente parat, die für eine solche Übung im großen Stil sprechen. Sie werde beispielsweise auch aufzeigen, ob die Alarm- und Ausrückeordnungen der Ortsfeuerwehren noch ausreichend seien.

Wissenschaftliche Auswertung

Darüber hinaus erwartet er, dass die Übung Aufschlüsse darüber geben kann, wo der Landkreis ein Tanklöschfahrzeug, das speziell für Vegetationsbrände ausgerichtet ist, am effektivsten einsetzten kann. Die Übung werde „zum Baustein dieser Entscheidung“, sagte Barz. Das Land hat bereits den Antrag des Landkreises auf Beschaffung eines solchen Fahrzeuges bewilligt. Dieses Tanklöschfahrzeug verfüge über mehr Wasserkapazität und sei so ausgestattet, dass auch während der Fahrt Feuer gelöscht werden kann. Zusätzlich besitze es so genannte Flächensprühbalken und einen Eigenschutz gegen Wärmestrahlung. Barz plädierte im Vorfeld der Waldbrandübung dafür, dass die Waldbrandgefährdung im Hinblick auf die katastrophalen Waldbrände im Nachbarland Brandenburg im vergangenen Jahr verstärkt in den Risikoanalysen beachtet werde.

Nach der Übung wird sich zudem entscheiden, ob der Landkreis in ein über vier Jahre angelegtes wissenschaftliches Projekt der Technischen Universität (TU) Dresden einsteigen wird, in dessen Ergebnis ein neues Lehrbuch zur Waldbrandvorbeugung vorgelegt werden soll. Neben den Landes-Forstverwaltungen Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts könnte das Jerichower Land mit den Kreisen Bautzen, Teltow-Fläming und Ludwigslust-Parchim als einer der Kooperationspartner agieren.