Genthin l Offensichtlich gibt es Pläne, das runtergekommene Bahnhofsgebäude nicht ausschließlich als Servicepunkt der Deutschen Bahn und als Wohnung, wie derzeit der Fall, zu bewirtschaften. Vorerst bleibt es aber bei Absichtserklärungen. Der Genthiner Roger Neumann sorgte für eine kleine Überraschung, als er im nichtöffentlichen Teil einer Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses seine Vorstellungen zur zukünftigen Nutzung des Bahnhofsgebäudes vorstellte. Gründe, warum diese Vorstellung unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgte, wurden nicht bekannt.

Auch Roger Neumann selbst schien von einer nichtöffentlichen Beratung überrascht, nachdem er sich für die Vorstellung seiner Pläne mit der Anwesenheit etlicher Jugendlicher offensichtlich Rückenwind verschaffen wollte. Die mussten unverrichteter Dinge von dannen ziehen, als sich Ausschussvorsitzender Mark Eickhoff (Fraktion Grüne/Ländliche Wählergemeinschaft Fiener) nicht darauf einließ, an der vorgeschriebenen Tagesordnung zu rütteln. Was genau im nichtöffentlichen Teil der Beratung lief, drang nicht in die Öffentlichkeit. Neumann soll lediglich eine Power-Point-Präsentation vorgetragen haben.

Konzept zielt auf Jugendliche ab

Das Nutzungskonzept Neumanns, das machte er in einem Gespräch mit der Volksstimme klar, zielt vor allem auf Jugendliche ab. Seine Vorstellungen gehen dahin, in einem leerstehenden Bereich ein Bistro, ausgestattet mit Kicker und Billard, zu etablieren. In einem zweiten Bereich beabsichtigt er, Spielautomaten aufzustellen.

Neumann sieht sich nach Gesprächen mit Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) bestärkt darin, mit diesem Vorhaben etwas für die Jugend in Genthin zu tun. „Es müsse einen Ort geben, wo sich junge Leute treffen können“, sagt er.

Umstrittene Idee?

Wenn er von seinen Plänen für den Genthiner Bahnhof spricht, vermeidet er, das Wort „Spielothek“ zu verwenden. Neumann weiß, dass er sich mit dem Aufstellen von Spielautomaten auf ganz dünnem Eis bewegt. Denn ein ähnlicher Antrag eines anderen Investors auf Einrichtung einer Spielothek, der verbunden ist mit der Erteilung einer Baugenehmigung, wurde bereits vom Landkreis abgelehnt.

Neumann zögert noch, eine zwingend vorgeschriebene Bauanfrage zur Nutzungsänderung beim Landkreis zu stellen. Fachbereichsleiterin Dagmar Turian gab auf Volksstimme-Anfrage zu Auskunft, dass der Bau- und Vergabeausschuss keinen Beschluss gefasst habe. Rein rechtlich sei nach Dagmar Turian noch nichts gelaufen.

Genauere Pläne noch offen

Ob und wann Roger Neumann daran geht, sein angekündigtes Vorhaben anzuschieben, ist derzeit offen. Er werde noch einmal das Gespräch mit dem Eigentümer der Immobilie, der Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH, suchen, sagte er im Volksstimme-Gespräch. Vertreten wird die Eigentümerin durch Hilmar Ganzert. Auch er war bei der Präsentation im Bau- und Vergabeausschuss anwesend. Für ein Statement war er am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen.