Genthin l Herrenlose Katzen – was bei Tierfreunden für Mitleid sorgt, bereitet Kommunen häufig großes Kopfzerbrechen. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert, Tierheime kommen mit der Zahl der abgegebenen Katzen nicht zurecht. In Burg gab es im vergangenen Sommer eine besonders prekäre Situation. Zwischenzeitlich wurden 50 junge Tiere vermittelt, während genauso viele wieder abgegeben wurden. Eine Situation, die Andrè Knopek vom Genthiner Tierschutzverein auch aus seiner Heimatstadt kennt. Hier liegt diese Situation aber bereits einige Zeit zurück. „Über Jahre hinweg ist die Unfruchtbarmachung von herrenlosen Katzen eine der Hauptaufgaben unseres Vereins“, sagt er. Entstanden ist dieses Engagement vor etwa zehn Jahren, als auch in Genthin unzählige Katzen in der Stadt umher streunten. Der Tierschutzverein baute ein Netzwerk von Unterstützern auf und kann sich nun auf ein gut funktionierendes System bei der Kastration von Katzen stützen.

Das zahlt sich aus. „Trotz Einschränkungen durch das Coronavirus konnte sogar ein neuer Höchstwert bei den Kastrationen erzielt werden. 132 Katzen aus dem Einzugsgebiet sorgen nun nicht mehr für unerwünschten Nachwuchs.“ Im Jahr 2018 waren es etwas über 100 Tiere. Der Grund für den Erfolg: Gute Vorbereitung und Organisation, ausreichend Lebendfallen und Transportkäfige. Außerdem unterstützen drei Tierärzte mit ihren Teams die Aktion. Privatleute fangen herrenlose Katzen ein und übernehmen quasi ehrenamtlich den Transport der Tiere in die Arztpraxen.

Belastung für Vereinskasse

„Ohne all jene wäre diese Aktion nicht oder nur sehr beschränkt durchführbar gewesen“, betont Knopek. Allerdings gibt es all diese Dinge letztlich nicht zum Nulltarif. Die Vereinskasse sei nicht unerheblich belastet worden. Allerdings wird die Arbeit der Tierschutzvereine im Hinblick auf die Reduzierung der Katzenpopulation auch in der Politik wahrgenommen und für wichtig befunden: „Kastration ist aktiver Tierschutz“, sagte Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) in der vergangenen Woche. Ihr Ministerium hat den Tierschutzvereinen Zuschüsse für die Kastration von herrenlosen Katzen bereitgestellt.

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Je Verein war eine Zuzahlung bis zu 4000 Euro möglich. „Auch der Genthiner Tierschutzverein hat die Ärmel hochgekrempelt, seine Voraussetzungen für die Zuschüsse erfüllt und konnte so manche seiner Kastrationen teil erstattet bekommen“, berichtet Andrè Knopek. Allerdings sei der Geldbedarf weitaus höher gewesen und so habe der Verein beim Deutschen Tierschutzbund weitere Zuschüsse beantragt und konnte mit 2000 Euro zusätzlich planen. „All das Geld wird wohlgemerkt zweckgebunden nur für die Kastrationen herrenloser Katzen eingesetzt.“ Welch Kosten dieser Teil der Arbeit verursacht, zeigt sich, wenn man die weitere Rechnung betrachtet. Denn selbst diese Zuschüsse in vierstelliger Höhe decken die Unkosten der angefallenen Tierarztkosten des Vereins zu gerade mal einem Drittel. Doch die Tierschützer sind in Genthin eine feste Größe. Zahlreiche Spender sorgten dafür, dass die Kosten beglichen werden konnten. Für die Vereinsmitglieder sei diese Unterstützung auch Rückenwind für das neue Jahr. „Denn 2021 wird sicher nicht leichter.“

Knopek hofft, dass das es einen Fortgang bei der Umsetzung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen geben wird. „Verschiedene Städte in Sachsen-Anhalt setzen diese als Pflicht bereits um und haben auch schon erste positive Erfahrungen damit gesammelt.“ So sind etwa die Katzenhalter in Osterwieck (Harz) zum Kastrieren und Chippen ihrer Tiere verpflichtet und auch in Bad Dürrenberg (Saalekreis) gibt es diese Regel. In Zerbst gilt seit dem vergangenen Jahr eine Kastrationspflicht für Katzen. Bei allen Kommunen ist das Ziel gleich: runter mit der Katzenpopulation.

Keine Kastrationspflicht in Genthin

Eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht für alle Katzen in der gesamten Stadt, die Freigänger sind, gibt es in Genthin nicht. Eine solche wurde von der Verwaltung und dem Stadtrat nach längerem Hin und Her abgelehnt. Allerdings ist auch Ministerin Dalbert für die Kennzeichnung und appelliert, dass Katzen mit Freigang mit einem Mikrochip gekennzeichnet werden sollten. Eine Plakataktion soll Halter künftig auf das Thema aufmerksam machen.

Der Genthiner Tierschutzverein hat sich aber auch an anderer Stelle um das Tierwohl gekümmert. Bekanntestes Beispiel ist wohl Katze Kati. „Trotz eines komplizierten Beinbruchs konnte ihr Bein in zwei Operationen in einer Spezialklinik in Berlin gerettet werden – ermöglicht dank vieler Spenden“, berichtet Andrè Knopek. Allerdings suche Kati immer noch nach einem Zuhause. Das sollte eine ruhige Wohnung sein. Kleine Kinder und andere Katzen möge sie nicht so, mit ruhigen älteren Hunden komme sie klar. „Sie ist sehr pflegeleicht, möchte aber Aufmerksamkeit.“