Genthin l Nachdem im Sommer 2018 die Stadt angekündigt hatte, den Bunker unter dem Marktplatz wieder für Führungen zugänglich zu machen, sieht sie sich nun einem zunehmenden Erwartungsdruck der Genthiner ausgesetzt. So musste sich der Genthiner Bürgermeister gleich mehrfach Anfragen zur Zukunft der Anlage stellen.

Kein Zugang

Die Aussichten, dass der Bunker in absehbarer Zeit wieder zugänglich sein wird, scheinen allerdings getrübt zu sein. Denn Stadtchef Matthias Günther (parteilos) konnte unter anderem auch bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Stadtgeschichte nur auf den Ist-Zustand der Anlage verweisen. Der Stadtchef habe vorgebracht, dass Sicherheitsbedenken auch weiterhin öffentliche Führungen nicht zuließen, sagte Sebastian Kroll vom Förderverein. Der Verein können deshalb nur abwarten.

In der vergangenen Woche legte sich auch Lutz Nitz (Grüne) bei der Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses für erneute Führungen durch den Bunker ins Zeug.

Er richtete an den anwesenden Bürgermeister und den Sachgebietsleiter Immobilienwirtschaft einen Appell, Handlungsspielräume auszuloten, um den Bunker wieder für die Öffentlichkeit begehbar zu machen.

Belehrungen als Alternative

„Ich könnte auf Anhieb fünf Objekte in Genthin benennen, die nach den gleichen Kriterien, wie sie die Verwaltung für den Bunker benannt hat, geschlossen werden müssten“, sagte Nitz. „Alles sei zu klären“, meinte der Grüne bezüglich der derzeit misslichen Bunker-Situation. Er verwies als mögliche Alternative auf Belehrungen vor Ort, die von Besuchern vor einem „Abstieg“ unterschrieben werden müssten.

Nitz sagte an die Adresse von Bürgermeister und Sachgebietsleiters gerichtet: „Versucht doch, etwas in Sachen Bunker möglich zu machen. Das wäre wirklich im Interesse der Bürger.“

Bürgermeister Matthias Günther ging auf diese Hinweise jedoch nicht näher ein. Er räumte ein, dass der Tourismus von einer Öffnung des Bunkers profitieren würde. Für ihn sei vorstellbar, überraschte er den Ausschuss mit neuen Vorstellungen, den Haupteingang des Bunkers baulich neu zu gestalten und damit einige der bestehenden Mängel abzustellen. „Sicherheit geht dabei vor, wir werden keinerlei Gefahr eingehen“, unterstrich er.

Fragen unbeantwortet

Ob derzeit daran gearbeitet wird, die Mängel des Bunkers zu beseitigen, die zu seiner Schließung geführt haben, ließ der Bürgermeister allerdings weiter offen.

Eine Volksstimme-Anfrage bereits vom 10. Januar, welche Arbeiten bisher veranlasst wurden, um den Bunker wieder zugänglich zu machen, blieb bis zum Wochenende unbeantwortet. Auch eine zweite Anfrage nach der Sitzung des Ausschusses, die die Redaktion am Donnerstag vergangener Woche stellte, blieb ebenfalls ohne Reaktion.

Kein Schutz für die Bevölkerung

Bereits im Mai 2017 legte die Verwaltung dem Tourismusverein und der Touristinformation nahe, den Bunker vorläufig dicht zu machen. Dazu kam es allerdings erst ein Jahr später. In der Begründung wurden unter anderem das Nichtvorhandensein eines zweiten Fluchtweges und die fehlende Kennzeichnung der Fluchtwege angeführt. Dazu kommen eine fehlende Belüftung und das Fehlen persönlicher Schutzmaßnahmen für Besucher. Bemängelt wurde außerdem, dass es vor Beginn einer Führung keine Sicherheitseinweisung gebe.

Zur Bunkeranlage gehören neun Räume in einer Größe zwischen 3,4 bis 10,6 Quadratmetern, die eine Höhe von 1,90 und 2,10 Metern aufweisen. Decken und Fußböden entstanden aus 50 Zentimeter starkem so genannten Ortbeton.

Im Dezember 1943 beschloss die Stadtverordnetenversammlung Genthins angesichts des Luftkrieges den Bau dieser Bunkeranlage als eine „Luftschutz-Befehlsstelle“. Gebaut wurde die Anlage im Frühjahr 1944 durch den Reichsarbeitsdienst unter der Führung der Organisation Todt, eine paramilitärische Bautruppe. Erst im Februar 1945 war die Anlage fertiggestellt. Von diesem Bunker aus sollte lediglich der Luftschutz organisiert werden, er sollte der Bevölkerung nicht zum Schutz dienen. Ihre einzige Nutzung erlebte die Anlage 1981 bei einer Übung der Zivilverteidigung im damaligen Bezirk Magdeburg.