Zabakuck l Trüber Nebel liegt über den Zabakucker Kiessee, als Bärbel Höschel, Chefin des Touristenzentrums, am Freitag das Tor des eingezäunten Geländes nach einer kurzen weihnachtlichen Pause aufschließt, um dann in ihr Büro in der Rezeption zu gelangen. Bärbel Höschel ist in Plauderlaune. Über die Weihnachtsfeiertage herrschte tiefe Ruhe auf dem Campingplatz, jetzt ist Bärbel Höschel damit beschäftigt, den Postkasten zu leeren und Briefe zu ordnen, während sie den Rechner hochfährt. Die übliche Geschäftigkeit macht sich in dem kleinen Büro breit.

Alles wie immer – so eine erste, nur flüchtige Wahrnehmung. Doch die täuscht. Denn eigentlich könnte die Chefin ihre Urlaubstage noch daheim am Weihnachtsbaum verbringen, bevor sie mit dem neuen Jahr in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Offen für Neues

Noch lässt sie den Tag des Abschieds nicht so richtig an sich herankommen. Denn sie steckt voll im Arbeitsmodus. „Erstmals wird das Touristenzentrum über den Jahreswechsel offiziell öffnen. Etliche Anmeldungen von Campern liegen uns vor“, erzählt Höschel, als der Rechner endlich startklar ist. Man müsse eben immer etwas Neues ausprobieren, zeigt sich Höschel mit ihrer rauchig markanten Stimme aufgeschlossen.

19 Jahre und zehn Monate hat die Genthinerin die Geschicke des Touristenzentrums geleitet, keiner ihrer Vorgänger kommt an diese Zeit ran.

Dennoch: Eine große Verabschiedung wird es nicht geben. Diesen Rummel, sagt Höschel bestimmend, lehne sie ab. Beim Neujahrsempfang der Einheitsgemeinde Jerichow sei wohl etwas geplant, mehr aber nicht. „Ich möchte still und heimlich gehen.“

Nachfolgerin ist bereits vor Ort

Es sei einfach ein komisches Gefühl, nach solch langer Zeit die Tür hinter sich zuzumachen, gesteht die sonst so taffe und impulsive Geschäftsführerin, deren offene und direkte Art den Takt auf dem Campingplatz vorgegeben hat.

Mit Kornelia Borna aus Altenklitsche gibt es bereits eine designierte Nachfolgerin, die die Amtsgeschäfte von der „gestandenen Platzfrau“ übernehmen wird. Auch sie ist dieser Tage bereits vor Ort. Die Fußstapfen, in die sie treten wird, sind groß.

Denn Bärbel Höschel darf bei ihrem Abschied aus dem Berufsleben von sich zurecht sagen, etwas im Touristenzentrum bewegt zu haben. Mehr als sie vor reichlich 20 Jahre erwartet hat. „Für mich war es eine richtige Entscheidung, mich um diese Stelle zu bewerben“. An irgend einem Aushang war sie darauf aufmerksam geworden und erhielt den Zuschlag.

Davor hing Bärbel Höschel gut elf Jahre beruflich in der Luft, hangelte sich mit Arbeitslosigkeit, Umschulung und etlichen Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen durch den Alltag. Da sei die Einstellung natürlich ein Glückstreffer gewesen. Eine große Einarbeitungszeit habe es für sie damals allerdings nicht gegeben.

In jedem Jahr konnte das Touristenzentrum weiter ein Stückchen nach vorn gebracht werden, freut sich die scheidende Geschäftsführerin heute.

Ein neuer Spielplatz, ein neu hergerichteter Strand, die Anschaffung von Übernachtungsfässern, ein Grillplatz, stetige Sanierungs- und Renovierungsarbeiten ... „Ich muss überlegen, um auch nichts auszulassen“, scherzt Höschel bei ihrer Aufzählung.

Über Jahre hinweg sei in die Anlage in Größenordnungen investiert worden. Viel Geld, darunter ein großer Anteil an Fördermitteln, sei hier geflossen. Dafür habe sich der Aufsichtsrat stark gemacht. „Das war einfach wichtig, um auf Wünsche der Gäste reagieren zu können“, sagt Höschel.

Dass in ihrer Amtszeit die Zahl der Badegäste gestiegen ist, viele Kurzcamper zu Dauercampern geworden sind und vor allem die Zahl der Stammgäste beständig gewachsen ist, kann Bärbel Höschel auch für sich als einen ganz persönlichen Erfolg verbuchen. Allein für sich will sie ihn allerdings nicht in Anspruch nehmen und verweist auf die Mitarbeiter, die sie über viele Jahre zuverlässig begleitet hätten. „Ohne sie wäre nichts gelaufen.“

Kein Dienst nach Vorschrift

Die Tiefenbräunung, mit der Bärbel Höschel jedes Jahr die sommerliche Saison beendete, täuschte schon darüber hinweg, dass der Job der Geschäftsführerin im Touristenzentrum durchaus stressig ist. An- und Abreisen, Buchungen, Wünsche der Gäste - in der Hochsaison gab es stets jede Menge Stress. Den größten Stress, gesteht die langjährige Geschäftsführerin, hätten ihr auch manch unzufriedene Gäste bereitet. Auch daraus habe sie gelernt.

„In den letzten Jahren habe ich mir schon einen freien Tag im Sommer gewünscht, aber das war bei diesem Job einfach nicht möglich. Dienst nach Vorschrift war hier nicht drin.“ Dennoch, wenn die Genthinerin hinter sich die Tür ihres Büros schließen wird, bleiben für sie die vielen über Jahre gewachsenen Bekanntschaften und Freundschaften mit Gästen, die sie über viele Jahre im Touristenzentrum knüpfen konnte. Diese Kontakte werde sie auch im Ruhestand pflegen, manche Einladungen zu einem Gegenbesuch werde sie wohl auch annehmen.