Genthin/Berlin l „Ja, ich habe tatsächlich auf meine Familie gehört und etwas ‘Richtiges‘ gelernt und studiert: BWL (Betriebswirtschaftslehre)“, sagt der gebürtige Genthiner Torsten Rohde der Volksstimme am Telefon. Auch gearbeitet hat der heute 46-Jährige danach in einem „richtigen“ Job als Controller (Verwalter des Budgets, der darauf achtet, dass das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist).

Dass Torsten Rohde 2013 anfing zu twittern, liegt dann aber auch wieder an seiner Verwandtschaft. Wenn die bei Familienfesten zusammensitzt, dann haut nicht nur Rohdes Oma - die aber ganz besonders - immer Sprüche heraus und erzählt Geschichten über Geschichten. Die sind, erinnert sich Rohde, viel zu schade dafür, nur im Familienkreis erzählt und gehört zu werden. Ob andere auch solche Familienstorys erzählen könnten?

Immer mehr Follower auf Twitter

Rohde bastelt also einen Twitter-Account und gibt seiner Kunstfigur den Namen Renate Bergmann. Im Nu versammelt sich eine immer größer werdende, amüsierte Follower-Gemeinde um die ewig 82 Jahre alte Twitter-Oma, der schon mal der Pflegedienst geschickt werden soll, wenn sie sich nicht morgens wie gewöhnlich mit einem schrägen Tweet meldet.

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Wer es noch nicht wusste: Renate kann auch häkeln. Also schuf sie jetzt - passend zur Vorweihnachtszeit - fix mal einen kompletten Adventskranz (siehe nebenstehenden Screenshot). Ob der Bergmann-Erfinder den selbst gefertigt hat? Schließlich gibt’s Renate Bergmann nicht wirklich, auch wenn nicht wenige sie für authentisch halten. Nein, hat Rohde nicht. Eine der häkelafinen Anverwandten auch nicht. Sondern eine seiner treuesten Followerinnen auf Twitter, die nicht genannt werden möchte. Für die ist es die größte Ehre, ihr weihnachtliches Häkelwerk durch Renate Bergmann der breiten Twitter-Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Bisher 14 Bände über Twitter-Oma

Kein Jahr später, nachdem Rhode auf Twitter Renate Bergmann, geborene Strelemann mit Ostvergangenheit und vier Mal verheiratet, zum Online-Leben erweckt hatte, meldete sich ein Literaturagent bei ihm. Er solle doch mal drei Renate-Bergmann-Geschichten probehalber an den Verlag schicken. Man habe ein Buch im Auge. Ein komplettes Buch? Bis dato völlig utopisch und unvorstellbar für Rohde. Aber er wagt die Umstellung von kurzen 160-Zeichen-Sätzen zu kompletten, aber genauso urkomischen Erzählungen. Zwölf Monate später ist es da, das erste Buch. „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“, lautet der Titel. 13 weitere Bergmann-Bände folgen. Und, wir ahnen es, Rohde, der zwischenzeitlich nach Berlin gezogen ist, schreibt gerade am 15. Band. Mehr als das Stichwort „Laubenpieper“ ist ihm dazu aber nicht zu entlocken.

Was nach Band 15 folgt? „Einige Ideen habe ich noch im Kopf“, verrät Rohde. Er hofft, dass er im April 2021 die wegen Corona verschobene ComedyLesung (mit Schauspielerin Anke Siefken, die auf der Bühne die Twitter-Omi darstellt) in Genthin nachholen kann. Privat ist der Bestseller-Autor Rohde einmal im Monat daheim in Genthin bei seinen Freunden. Mehr Privates gibt Rohde wohlweislich nicht preis.