Genthin l „Wir müssen darüber entscheiden, ob wir im kommenden Jahr die zehnprozentige Beteiligung der Vereine bei Projekten über 400 Euro entfallen lassen“, eröffnete Koordinatorin Elke Förste während der jüngsten Sitzung des Begleitausschusses die Diskussion. Dafür notwendig wäre eine Satzungsänderung.

Bislang zahlten Vereine

Konkret geht es darum, dass zu Beginn der Laufzeit des Bundesprogrammes festgelegt wurde, dass sich Vereine mit einem Eigenanteil an der Fördersumme für Demokratie-leben-Projekte beteiligen sollen. Gedacht war dies, um die Fördermittelmittel zu sparen und mehr Projektträgern die Möglichkeit für Anträge zu geben. Allerdings wurde in diesem Jahr sogar Geld an den Fördermittelgeber zurückgegeben.

„Wenn ein Verein etwa 500 Euro für ein Projekt beantragt, muss er 50 Euro aus eigenen Finanzmitteln dazu steuern“, gab Förste ein Beispiel. In dieser Größenordnung sei das noch nicht so ein großes Problem, aber wenn etwa Integrationsfeste oder längerfristige Geschichtsrecherchen finanziert werden sollen, kämen gut und gerne auch mal mehrere einhundert Euro Eigenanteil zusammen.

Verzicht auf Anträge

Geld, das viele Vereine nicht haben, weshalb sie keine Förderanträge stellen und Aktionen nicht durchführen. „Wir wollen aber, dass die Vereine mitmachen und sollten schauen, wie wir Anreize für Anträge schaffen“, sagte etwa die Tucherimer Jugendclubleiterin Marina Wöhling.

Dass mit dem Vereinsanteil die Kostenbeteiligung der am Programm beteiligten Kommunen Genthin, Jerichow und Elbe-Parey gesenkt würden, wies die Pareyer Bürgermeisterin Nicole Golz zurück: „Egal, wie Sie entscheiden, der Anteil der Kommunen bleibt gleich.“ Eine leidenschaftliche Verfechterin für den Wegfall des Vereinsanteils war die Jerichower Pfarrerin Friederike Bracht: „Ohne den Eigenanteil gäbe es eine Hürde weniger, wenn Vereine für eine Mitwirkung gewonnen werden sollen.“ Erste Signale aus Vereinen sind positiv, wie Volksstimme-Nachfragen beweisen.

„Das ist wünschenswert“, sagte Eva-Maria Rohmann, Vorsitzende des Genthiner Kunstvereins. „Das Geld kann für andere Projekte verwendet werden und es stellt eine Entlastung der Vereinskasse dar.“ Der Kunstverein hat in diesem Jahr interkulturelle Vorträge und unter anderem ein Konzert initiiert, bei dem christliche, arabische und jüdische Lieder gleichermaßen gespielt wurden. „Es wäre sehr positiv für die Vereine“, fand auch Cora Schröder vom Förderverein Elbe-Parey. Ihr Verein engagierte sich in einem Naturprojekt.

Mehr Informationen gewünscht

Schröder sagte: „Das Programm Demokratie leben ist gut, aber viele Vereine wissen gar nicht, was sich dahinter verbirgt.“ Man solle viel stärker für das Bundesprogramm und dessen Möglichkeiten werben, wünschte sich Schröder. Ein anderes Problem sieht Rüdiger Schnapp vom Schlagenthiner Kirchenförderverein: „Es gibt immer weniger Aktive in den Vereinen, daher ist es schon schwer, Projekte durchzuführen, dazu kommt die Antragsstellung und die Belegung der ordnungsgemäßen Verwendung der Fördermittel dazu, dafür fehlt oft die Zeit.“

Der bürokratische Aufwand als Hürde für Antragsstellungen wurde im Begleitausschuss ebenfalls thematisiert. Hier gibt es allerdings noch keine Lösung. „Auch wir sind verpflichtet nachzuweisen, dass die Gelder für das beantragte Projekt verwendet wurden, das geht leider nur mit entsprechenden Unterlagen“, sagte Elke Förste, die auch die Beratung der Antragssteller innehat.

In diesem Jahr wurden innerhalb des Bundesprogrammes 45.000 Euro für mehr als 20 Projekte ausgegeben. Auch im kommenden Jahr werden die Kommunen Genthin, Jerichow und Parey wieder über Mittel für Demokratieprojekte verfügen können, die zum großen Teil seitens des Begleitausschusses bewilligt werden. In seiner ersten Sitzung im neuen Jahr wird das Gremium über die Satzungsänderung befinden, die zum Wegfall der Vereinsbeteiligung führen soll.