Neue Vorstellungen

Vereinsvertreter legen bei Gespräch mit Bürgermeister neue Idee für Stadtkulturhaus vor: Förderverein als Betreiber?

Um den Beschluss zur Finanzierung einer Mehrzweckhalle auf den Prüfstand stellen zu können, sammeln Genthiner Unterschriften. Wie es mit dem Stadtkulturhaus in Zukunft weitergehen könnte, dazu äußern Vertreter bei einem Termin mit Bürgermeister und Stadträten konkrete Vorstellungen.

Von Susanne Christmann
Joachim Schaffhöner (rechts) unterschreibt auf der Liste der Unterschriftenaktion der Vereinsinitiative.
Joachim Schaffhöner (rechts) unterschreibt auf der Liste der Unterschriftenaktion der Vereinsinitiative. Foto: Susanne Christmann

Genthin - „Weil es ein Unding ist!“ antwortet Joachim Schaffhöner gestern Vormittag knapp auf dem Marktplatz auf die Frage, warum er unterschreibt bei der Aktion der Genthiner Vereine. Mit „Unding“ meint er den jüngst gefassten Stadtratsbeschluss, den Umbau der Sporthalle an der Berliner Chaussee zu einer Kultur- und Sportarena zu finanzieren. Und damit das Stadtkulturhaus aufzugeben.

Seit 9 Uhr stehen die Vereinsvertreter mit ihren Unterschriftenlisten auf dem Genthiner Marktplatz und vor Einkaufsmärkten - kurz nach 11 Uhr haben sie 150 Unterschriften zusammen. 360 sind nötig, damit sie mit einem Einwohnerantrag veranlassen können, dass der Mehrzweckhallen-Beschluss noch einmal auf die Tagesordnung, also auf den Prüfstand, gestellt werden kann. Schwierigkeiten, auf die benötigte Anzahl zu kommen, sehen die Vereinsvertreter nicht. „Es werden am Ende wohl weit mehr als 360 sein“ , ist Jürgen Wagner vom Genthiner Amateurtheater (gat) überzeugt.

Dass die Vereine aber weit mehr vorhaben, als „nur“ mit Unterschriften, Protestkarten, Bannern und Plakaten gegen den Beschluss anzukämpfen, ist bei einem Gespräch der Vereinsvertreter mit Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), Gerd Mangelsdorf (CDU) als Stadtratsvorsitzendem und Gordon Heringshausen (CDU) als Vorsitzendem des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses am Donnerstagabend deutlich geworden.

Ideen und Ansätze diskutiert

Die Volksstimme war von Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) eingeladen, am Versammlungsort zu warten, um nach dem nichtöffentlichen Treffen mit den Teilnehmern zu sprechen. Allerdings wurde unerwartet dann doch Stillschweigen vereinbart. Auf  entsprechende Fragen reagierten die Teilnehmer daher zurückhaltend: „Wir haben konstruktiv zusammengesessen und besprochen, wie man mit dem Beschluss umgehen kann, ob man Abstriche davon machen kann oder nicht “, sagte Matthias Günther unmittelbar im Anschluss dieses Termins der Volksstimme. „Wir haben Ideen und Ansätze diskutiert, wie wir das Stadtkulturhaus für die Stadt in weiterer Nutzung behalten könnten.“ Welche das genau sind, darüber mochte er noch keine Auskunft geben.

Wenn so viele in dem Sporthallenbeschluss keinen Sinn, sondern nur Probleme sähen, deutet Gordon Heringshausen an, könne er sich vorstellen, dass diese Idee aktiv nicht mehr weiter vorangetrieben werde. CDU-Fraktionschef Klaus Voth sagte der Volksstimme dazu: „Wenn es so ist, dass jetzt tatsächlich neue Ideen auf dem Tisch liegen, die wir noch nicht kennen, dann müssen wir in der Fraktion erstmal darüber sprechen.“ Und danach entscheiden, wie man als Fraktion damit umgehen wolle.

Nach Volksstimme-Informationen ist bei diesem Gesprächstermin konkret darüber gesprochen worden, wie sich die Vereine stärker beteiligen könnten, wenn das Stadtkulturhaus doch weiter als Veranstaltungsstätte für die Genthiner erhalten werden sollte. Sie wollen sich ein Beispiel an einem vergleichbaren Prozess aus Quedlinburg nehmen. Dort hatten 2009 engagierte Einwohner den Verein zum Erhalt des Kaiserhofs gegründet. Für das Gebäude hatte die Stadt keine entsprechende Nutzung vorgesehen, heißt es auf der Hompage des Vereines dazu. Also erarbeitete der Verein zunächst ein Nutzungskonzept für das Hinterhaus, um die Bausubstanz mit Einnahmen durch die Vermietung der dort vorhandenen Räume zu erhalten und zu verbessern. Heute ist man soweit, dass das Haus neben den Vermietungen als „Vereinshaus“ firmiert, Vereinen also dort auch eine Heimstatt haben und kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Beispiel nehmen am Kaiserhof in Quedlinburg?

So oder ähnlich wollen es die Genthiner Vereine auch für das Stadtkulturhaus versuchen. Von einem zu gründenden Förderverein sei die Rede gewesen und auch von einem möglichen Betreiberverein. Auf diesem Wege sind, dessen scheinen sich die Vereine bewusst zu sein, einige Hürden zu überspringen. Das Stadtkulturhaus müsste dazu der Stadt - endlich einmal - selbst gehören. Und die Stadt müsste ihre bisherige finanzielle Unterstützung für den Betreiber - aktuell 50 000 Euro im Jahr - beibehalten. Diesem Ansinnen haben Bürgermeister und die beiden Stadträte nicht ablehnend gegenübergestanden. Sie haben aber darauf hingewiesen, dass diese Fördersumme nur einen kleinen Teil der Kosten abdecke. Mindestens 221 000 Euro pro Jahr müsste ein Betreiber einkalkulieren. Das ginge aus Berechnungen von 2019 hervor, als die Stadt selbst noch damit plante, das Haus ab dem 1. 1. 2022 wieder in die eigenen Hände zu nehmen. In dieser Summe seien aber noch nicht die nötigen Investitionen eingepreist.

Aus Stadtratskreisen verlautet: Wenn die Stadt tatsächlich etwas für die Vereine und zum Erhalt des Stadtkulturhauses tun wolle, dann müsse sie sich mit dem Eigentümer, der Firma Inprotec, ins Benehmen setzen. Das will nach Volksstimme-Informationen der Bürgermeister auch tun. Von Inprotec war gestern für eine Auskunft niemand mehr zu erreichen. Eine schriftliche Anfrage ist gestellt.