Genthin l Eine frustrierte und zugleich kämpferisch aufgelegte Jugendweihe-Koordinatorin, ein quer durch die Bank irritierter Bildungsausschuss und ein offensichtlich ratloser Bürgermeister haben ein Problem. Sie stehen vor der Frage, ob die Jugendweihe im kommenden Jahr zu den bisher üblichen finanziellen Miet-Konditionen im Stadtkulturhaus ausgerichtet werden kann.

Katrin Flecken, Verantwortliche der Jugendweihe im Jerichower Land, läuft die Zeit davon. Bisher hat sie sich mit der QSG noch auf keinen verbindlichen Vertrag einigen können, um Veranstaltungsort festzurren zu können. Flecken verweigert bisher ihre Unterschrift unter einen Vertragsentwurf, der eine Vervielfachung des bisher üblichen Mietpreises festschreibt.

Deutlich erhöhte Kosten

Zahlte der Verein bisher eine Miete in Höhe von 476 Euro, würde für das kommenden Jahr eine Forderung mit dem neuen Vertrag über 1399,25 Euro fällig werden. Das sei nicht hinnehmbar, zeigte Flecken klare Kante. „Bitte überdenken Sie diese Entscheidung“, appellierte sie an den Ausschuss, indem sie auch verdeutlichte, welchen Stellenwert die Jugendweihe und die Jugendarbeit des Vereins in der Region Genthin einnimmt.

Der Ausschuss zeigte sich zwar aufgeschlossen und einsichtig. Doch das half nichts: Er musste letztlich handwerkliche Fehler bei der Ausarbeitung des Vertrages zwischen QSG und der Stadt einräumen, die für die Misere verantwortlich sind. Der rechtskräftige Vertrag, abgeschlossen nach langem Prozedere im November vergangenen Jahres, räumt ausdrücklich nur jenen Vereinen günstigere Konditionen ein, die in Genthin ortsansässig sind. Lars Bonitz, QSG-Geschäftsführer, sagte gegenüber der Volksstimme, dass sich die Rechnungslegung an die Rahmenbedingungen, an klare Regelungen des Vertrages, halte.

Klare Regelungen

Unglücklich für den Jugendweihe-Verein Sachsen-Anhalt, der seinen Sitz zwar in Magdeburg hat, aber seit mehr als 25 Jahren mit einer Kontaktstelle in Genthin fest verankert ist. In diese „Vertragsfalle“ sitzt nun der Jugendweihe-Verein fest. „Warum fallen wir aus dem Raster raus? Warum werden wir als Verein nicht anerkannt?, bohrte Flecken beharrlich nach.

Sie machte gegenüber den Ausschussmitgliedern ihr Unverständnis über die Mietpreiserhöhung sehr deutlich. Im Stadtkulturhaus sei von einem Jahr auf das andere nichts investiert worden, der Raum weise nach wie vor die gleichen Mängel auf. Ihr sei deshalb nicht klar, warum der Mietpreis für das kommende Jahr angehoben wurde.

Raum weist Mängel auf

Flecken fordert einen Befreiungsschlag, der vom Bildungsausschuss beziehungsweise vom Stadtrat ausgehen soll. Ausschussvorsitzender Gordon Heringshausen (CDU) verweigerte sich dem nicht. Im Gegenteil. Er räumte ein, dass die Stadt bei der Erarbeitung offensichtlich eine Nachlässigkeit begangen habe, die ausgebügelt werden müsse. Heringshausen sprach sich ausdrücklich dagegen aus, die entstehenden Mehrkosten über eine Mehrbelastung der Eltern auszugleichen. Gefragt sei eine grundsätzliche Entscheidung, um den Jugendlichen eine gewisse Wertschätzung auf ihrem Lebensweg entgegenzubringen.

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) griff nicht in die Debatte ein. Jährlich nehmen an den Jugendweihen in der Region Genthin zwischen 150 bis 170 Jugendliche teil. Flecken sprach von einer unvermindert „großen Nachfrage“. Etwa 1.500 Gäste verfolgen die Feierlichkeiten im Stadtkulturhaus.