Genthin l Fehlanzeige: Wer in der Genthiner Innenstadt kleine, kreativ geschmückte Weihnachtsbäumchen vor den Geschäften, wie mittlerweile üblich, erwartet, wird enttäuscht sein. Nur ein kleines Exemplar hat sich vor dem Innenstadtgeschäft „Ideen von A bis Z“ verirrt. „Wir haben es aufgestellt, dass die Kundschaft weiß, welche Jahreszeit wir haben“, sagt Inhaber Bernhard Roßmann mit einer unüberhörbaren Bitterkeit in der Stimme. Dass es in diesem Jahr für die Kitas, Horte und Grundschulen keine Weihnachtsbaum-Schmückaktion gibt, ärgert ihn. „Nur an Corona kann es ja nicht gelegen haben“, schickt er nach und deutet dabei vielsagend mit einem seiner Arme in Richtung Rathaus.

Sie wisse nicht, warum die Aktion in diesem Jahr nicht zustande gekommen sei, auf jeden Fall sei dies aber schade, findet Annett Preuß, Inhaberin eines Geschenkartikel-Geschäfts an der Brandenburger Straße. „Ich bedaure das wirklich sehr, die Aktion war ein Highlight für die Kinder und hat die Stadt anziehender gemacht“, sagt sie. Mit dem Wegfall der Aktion sei bedauerlicherweise die weihnachtliche Vorfreunde gerade der Kinder geschmälert worden, die stets mit großem Eifer die Bäume geputzt hätten. Burg, die Heimatstadt Preuß’, habe da umsichtiger gehandelt. Zwar stünden da auch keine Weihnachtsbäumchen vor den Geschäften, doch die Kindereinrichtungen hätten dort die Möglichkeit erhalten, für den großen Baum auf dem Markt Schmuck zu basteln. Nachdenkliche Stimmen kommen allerdings aus den Kindereinrichtungen.

Corona verlangt Kindern und Erziehern viel ab

„Wir hätten uns wieder sehr gern an der Aktion beteiligt und haben auch auf ein Signal der Stadt gewartet“, räumt auch Gabi Jerkowski, Leiterin des DRK-Hortes der Uhland-Grundschule, ein. Ob sich der Hort allerdings daran beteiligt hätte, lässt die Erzieherin dennoch offen. Denn Corona, erklärt sie, verlange den Kindern sehr viel ab auch fordere damit auch die Erzieher in ihrer Arbeit. Wenn der Kopf der Kinder im nächsten Jahr wieder frei von Corona sei, werde sich der DRK-Hort der Uhland-Grundschule selbstverständlich wieder an der Baumschmück-Aktion beteiligen, ist sich dessen Leiterin sicher.

Die Stadt Genthin hat sich in diesem Jahr allein darauf beschränkt, öffentliche Bereiche wie den Marktplatz, die Brandenburger Straße und die Fassade des Rathauses mit Lichterketten auszustatten. Auf Anfrage der Volksstimme hieß es aus dem Rathaus, dass die Aktion wegen der Haushaltssperre nicht angekurbelt werden konnte. Die Stadt hätte in Vorkasse für die anfallenden Kosten gehen müssen. Sie agierte in der Vergangenheit bei dieser Aktion jedoch nicht so glück- und leidenschaftslos, obwohl ihre Kasse immer knapp bemessen war. Nachdem die Kreissparkasse Jerichower Land das Sponsoring für die Weihnachtsbaum-Schmückaktion eingestellt hatte, nahm sich das Rathaus vor zwei Jahren der Sache an. Es schrieb Unternehmen an, die sowohl den Baum als auch den Schmuck, den die Kinder bastelten, finanzierten.

Immer weniger Bäumchen pro Jahr

Im vergangenen Jahr wurde die Aktion wiederum regieführend von der Stadt, diesmal mit Unterstützung der QSG, der STAG GmbH und dem Fachgeschäft „Ideen von A bis Z“, durchgeführt. Immerhin 25 Bäumchen wurden noch im vergangenen Jahr geschmückt. Vor drei Jahren waren es allerdings noch 50 Bäumchen, die in der Genthiner Innenstadt für weihnachtlich festliche Stimmung sorgten.