Genthin l Der Vorhang ging auf und beim Weihnachtsmärchen des Genthiner Amateurtheater (gat) war alles wie immer. In dieser Spielzeit wird „König Drosselbart“ auf die Bühnen des Landkreises gebracht. Start war natürlich im heimatlichen Stadtkulturhaus.

Organisatorische und finanzielle Probleme

Fast sah es so aus, als spielten sich die Darsteller frei von allem Frust und den Verwerfungen der vergangenen Monate. Denn aufgrund des fehlenden Haushaltes, blieb ein Zuschuss für den Kulturhausbetreiber QSG aus, was die Kündigung de Mietverträge aller im Stadtkulturhaus tätigen Vereine zur Folge hatte.

„Für uns hat das einige Probleme nach sich gezogen, organisatorischer und finanzieller Art“, sagt Gat-Chef und Regisseur Jürgen Wagner. Das Kreishaus war für das Ensemble Ersatzprobenort, wenngleich ein nicht ganz einfacher: „Wir haben uns die größeren Bühnenabmessungen aufgezeichnet, denn mit 32 Darstellern haben wir in diesem Jahr ein so großes Ensemble wie noch nie.“ Und letztlich wurde erneut ein ansprechendes Märchen frei nach den Brüdern Grimm und nach einer Bearbeitung von Gernot Bischoff auf die Bühne gebracht.

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Aufführungen in Genthin sind Herzenssache

Wird mit dem wahrscheinlich genehmigungsfähigen Haushalt 2020 und dem Vertrag zwischen Stadt und QSG alles gut? „Das wird sich zeigen“, sagt Jürgen Wagner. Die Rückkehr an den alten Proben- und Aufführungsort, an dem sich auch der Fundus befindet, sei zwar in Aussicht gestellt, aber: „Im Moment haben wir vor allem finanziell noch unter der Situation zu leiden und müssen mit Mehrkosten kalkulieren.“

Die Alternative wäre gewesen, gar nicht in Genthin zu spielen und nur auf Tournee zu gehen. Undenkbar für das gesamte Ensemble. Denn im Genthiner Stadtkulturhaus finden drei von sieben Vorstellungen bis zum 6. Januar statt. Auf die dürfen sich die Zuschauer freuen. Ins Auge fällt, eine sehr gut gemischte Altersstruktur der Darstellerriege. Insbesondere die junge Generation ist in diesem Jahr an vorderster Front. Sophie Ziegler und Jonas Hahm geben ein hübsches Prinzenpaar ab.

Prinzessin treibt Schabernack

Als bewährte Nachwuchskraft darf Emma Heinrich wandlungsfähig zwischen Hofnärrin und Mütterchen wechseln und hat manch pfiffigen Einsatz: „Überall das Geknutsche nur ich armer Narr muss warten.“ Außerdem tritt sie als Erste mit dem Publikum in Kontakt. Das gab es so noch nie, immer wieder werden die Zuschauer und die Kinder angesprochen und um Mithilfe beim Fortgang der Handlung gebeten. Die Unterstützung aus dem Saal ist auch nötig, damit die Schabernack treibende Prinzessin Übermut (in sicheren Händen bei Alicia Haack) ihren König Drosselbart bekommt. Dessen Darsteller Tobias Albrecht muss sich einem wahren Bekleidungsumzugsmarathon unterziehen.

„Das macht aber nichts, die Stücke werden mir alle zurechtgelegt“, meinte er schmunzelnd am Rande der Generalprobe. Die charmante Darstellung der jungen Riege wird garniert durch einige choreografische Einlagen und den Auftritt der Urgesteine Lisa Wolf und Eckhard Neumann. „Wir sind die beiden letzten verbliebenen Gründungsmitglieder“, verrät Neumann. „Aber wir machen immer noch gern mit“, fügt Lisa Wolf hinzu. Natürlich wartet auch das Publikum in jedem Jahr aufs Neue, wie die beiden Gat-Aushängeschilder besetzt werden und dürfen sich auch diesmal auf die Auftritte freuen.

Einige Darsteller dürfen böse sein

Etwas entgegen seiner sonstigen Rollen wurde diesmal Frank Zelmanski als fieser Hofmarschall besetzt. „Das macht mir richtig Spaß, mal was ganz Anderes zu spielen“, verriet er und legte sich mächtig ins Zeug - unterhaltsam. Böser als sonst gibt sich auch Jan Jeschinski als gemeiner Amtsdiener. Bewährt ist auch die Darstellung des Königs durch Jürgen Wapniatz, der zum Schluss zwei Länder zum Wohle des Volkes einigen möchte (Hoppla, rutscht da Zeitgeist ins Stück?).

Eine humoristische Note setzt die verschrobene Prinzenriege um Jan-Niklas Bäsler, Jens Krüger und Leonie Hoffmann. Letztere meistert ihre „Hosenrolle“ bestens und wird in der nächsten Aufführung in Burg 7. Dezember um 11 Uhr) aber durch einen Überraschungsgast ersetzt. Danach geht es weiter in Kirchmöser, Möckern und Tucheim. Am 24. Dezember und am 6. Janur wird wieder in Genthin gespielt.