Osterwieck l Die Sanierung des städtischen Fachwerkbaus „Bunter Hof“ soll im Laufe des Oktobers abgeschlossen werden, informierte Claudia Hennrich kürzlich im Bauausschuss des Stadtrates. Nicht dort, aber anderswo hörte die Chefin des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg darauf auch schon die spitzfindige Frage: „2016 oder 2017?“

Es war immerhin schon 2012, als die Modernisierung begann. Und davor gab es dort auch Bewegung, als zunächst ab 2008 der einstige Adelshof der Familie von Rössing baulich gesichert und ab 2010 ein Nutzungskonzept erstellt wurde. Das sieht vier Wohnungen für behinderte Schüler des benachbarten Fallstein-Gymnasiums, die Stadt- und Schulbibliothek sowie einen Veranstaltungssaal vor.

Arbeiten dauern bis Oktober an

Der Fachwerkbau soll also im Oktober 2016 fertig werden. Die Bauhülle war, wie oft bei solchen Sanierungen, zuerst angefasst worden. Einschließlich Anstrich. Von außen war daher vom Baufortschritt danach kaum noch etwas zu sehen, das separat errichtete Treppengebäude mit Fahrstuhl einmal ausgenommen.

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Innen aber ist das Vorhaben weit vorangeschritten, wie Claudia Hennrich und Architektin Grit Janek bei einem Rundgang deutlich machten. In den beiden Wohnungen im Erdgeschoss sind die Fußbodendielen verlegt. Die Wände sind fast fertig gestrichen, übrigens von jungen Gesellen des Teutloff-Bildungswerkes aus Wernigerode. Sie werden sich auch beteiligen an einem weiteren Bildungsseminar, in dem 17 Türen sowie Türzargen mit Bierlasur gestrichen werden. Eine traditionelle Handwerkstechnik, für deren Vermittlung an Lehrlinge, Gesellen und Studenten die Murmann-Stiftung eine Förderung bereitstellte. Über drei Monate soll sich das erstrecken.

Seminar mit Flüchtlingen geplant

Auch den Flüchtlingen, die in Osterwieck wohnen, sollen praktische Seminare angeboten. Arbeiten am Putz, beim Anstrich und am Natursteinsockel könnten dabei vermittelt werden. Voraussichtlich im Mai wird es losgehen. Für die Arbeit mit Flüchtlingen hat das Fachwerkzentrum Mittel von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Commerzbankstiftung erhalten.

Der Fußboden im Erdgeschoss wird natürlich jetzt während der Bauphase noch geschützt. Das betrifft auch die Sandsteinplatten, die in der Diele, also dem Eingangsbereich verlegt wurden. Sie stammen aus einem rückwärtigen Anbau und wurden nun wiederverwendet. So wie es auch grundsätzlich dass Ziel dieses Modellvorhabens „Bunten Hof“ ist, so viel wie möglich von der alten Bausubstanz zu erhalten und altes Material wiederzuverwenden.

Die alte Hauseingangstür aus dem 18. Jahrhundert ist inzwischen auch wieder eingesetzt. Künftig befindet sich aber der Haupteingang auf der anderen Seite des Gebäudes im neuen Treppenturm. Der als Wendelstein errichtete historische Treppenturm kann künftig nicht mehr zum Aufstieg genutzt werden. Er wird jetzt mit restauriert, bleibt aber künftig verschlossen und wird höchstens für Besichtigungen geöffnet. Vor allem aus Brandschutzgründen.

Auch in den oberen Wohnungen ist die Fußbodendielung eingebaut. Die Arbeiten konzentrieren sich jetzt eher auf restauratorische Details an Wänden und Decken. In den Wohnungen werden jahrhundertealte Putze, Wandbilder und Inschriften sowie Tapeten gesichert. Jede Wohnung hat ihre ganz speziellen „Schmankerl“.

Altes Holz kommt wieder zum Einsatz

Die Fußböden in den Wohnungen haben neue Dielen erhalten. Für den Fußboden in der Bibliothek konnte aber zum großen Teil altes Holz wiederverwendet werden. Ganz hat es nicht gereicht, berichtete Claudia Hennrich. Gelöst wurde das mit einem umlaufenden Eichenfries in den Räumen. Feinheiten sind in der Bibliothek eine sichtbare alte Knagge als Stütze von Wand und Decke oder ein Türbogen, der wie ein Vorhang aussieht. Dieser wurde erst vor einem halben Jahr unterm Putz entdeckt.

Ende Mai, so schätzt Grit Janek, könne in Bädern und Küchen begonnen werden, die Fliesen zu verlegen.

„Großbaustellen“ gibt es jetzt noch zwei. Zum einen den alten Rittersaal. Dort fehlt noch der Fußboden. Der Auftrag dafür soll nächste Woche im Stadtrat vergeben werden. Ebenso der Auftrag für die Außenanlagen. Der Saalfußboden wird übrigens in acht Felder aufgeteilt gestaltet. Aufgestellt ist unterdessen bereits der Metallrahmen für die spätere Glaswand zwischen Saal und Flur.

Im Oktober also soll der sanierte Fachwerkbau von 1578/79 der Stadt zur Nutzung übergeben werden. Claudia Hennrich und Grit Janek unterstrichen, dass das Finanzbudget nicht überschritten werden soll.