Halberstadt l Um 1800 galt Halberstadts „Breyhan“, dessen Ursprung im Jahre 1574 liegen soll, als „ein wohlschmeckendes Weißbier, eins der besten, lieblichsten, gesundesten und berühmtesten Getränke in ganz Deutschland“. Kleine Brauereien existierten zu der Zeit noch um die 20, nachdem im 16. Jahrhundert fast jede Straße über eine solche verfügt hatte. Doch nun verschwanden auch die verbliebenen restlos. Grund war die Einfuhr bayrischer Biere und die Entwicklung zum Großbetrieb im Brauereigewerbe. Nur die spätere Harzbrauerei konnte Schritt halten und überlebte sogar die DDR. Allerdings nur ein knappes Jahrzehnt.

Kupferkessel nicht nur Blickfang

Die lange Brautradition der Domstadt findet seitdem ihre Fortsetzung im Hotel Villa Heine. Die beiden Kupferkessel hinter dem Tresen im Restaurant „Das Heine“ sind Blickfang, aber keine Dekoration. Denn hier wird wirklich Bier gebraut, das „Heine-Bräu“. „Edel Pils“ und „Schwarzer Friedrich“ gibt es ständig, hinzu gesellen sich saisonale Sorten, wie aktuell der Maibock.

Mit dem Maischen des Maibocks hat Brauer und Mälzer Christian Königs vor sechs Wochen begonnen. Nach Abläutern folgten Würzekochen und Gärung. In dieser Woche konnte probiert werden. „Das untergärige Starkbier hat 16 Prozent Stammwürze und einen Alkoholgehalt von 6,5 Prozent“, erklärt der 39-Jährige im Braukeller, als er die Probe aus einem Zwickelhahn am Tank langsam ins Glas laufen lässt. Es folgt eine Geruchsprobe: „Der Duft über dem Schaum ist frisch und malzig.“ Bei der visuellen Begutachtung macht das Bier einen guten Eindruck: „Die Färbung des Gebräus ist rötlich-braun, auf ihm thront eine feste und cremige Schaumkrone.“ Und dann der erste Schluck: „Malzig, süßlich. Das Karamell kommt gut durch und sorgt für einen leckeren Geschmack. Gut geworden, ganz so wie gewollt.“

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Vier Grundzutaten und doch Vielfalt

„Am besten schmeckt der Maibock direkt aus dem Tank“, verrät der erfahrene Brauer und Mälzer, der seit Februar 2015 die Brauerei des Hotels Villa Heine betreut. „Viele warten auf den Maibock ähnlich wie auf den Spargel“, sind sich Restaurantleiterin Josephine Ehlert, Küchenchef Henry Tangermann und der „Heine-Braumeister“ einig.

Königs erlernte den klassischen Beruf des Brauers und Mälzers und war ab Mitte der 1990er Jahre angestellt. Seit mehr als einem Jahr betreibt er seine eigene „BrauSerei“ in Gommern, in der er kreative Brausen und Limonade selbst herstellt. Außerdem ist er als Mietbrauer unterwegs und hilft kleinen Brauereien, gutes Bier auf den Markt zu bringen.

Dem Hoteldirektor Hans Dieter Bergmann ist es wichtig, dass die Gäste ein ursprüngliches, unverfälschtes Bier genießen können und dies nicht nur im 500. Jahr des deutschen Reinheitsgebots für Bier. In enger Zusammenarbeit mit Josephine Ehlert und Christian Königs soll das hausgebraute Bier wieder zum Markenzeichen des Hotels und für seine Qualität als Naturbier über die regionalen Grenzen hinaus bekannt werden. Gästen wird deshalb unter anderem ein bieriger Abend mit Brauereiführung, Bierverkostung und Biermenü angeboten. Besonderer Tipp vom Küchenchef: Heine Schnitzel in Biertrebermantel.

Bis zu 2000 Aromen

Obwohl alle nach der ältesten, noch heute gültigen Lebensmittelgesetzgebung der Welt mit Wasser, Hopfen, Malz und Hefe brauen, gibt es doch geschmacklich viele unterschiedliche Biersorten. Denn die vier verwendeten Zutaten können so sehr variieren, dass man daraus eine Vielzahl verschiedener Biere brauen kann, die bis zu 2000 Aromen beinhalten können.

Das macht inzwischen eine wachsende Zahl kleiner Brauereien deutlich. Sie brauen Biere nach Handwerkstradition mit klassischer Gärung und kalter Lagerung, lassen dem Gebräu viel Zeit zum Reifen und verzichten auf Druck und Wärme als beschleunigende Faktoren. Der Bierliebhaber honoriert das und der Markt muss sich danach richten. Denn nach der Konzentrationswelle hin zu Konzernen gewann im letzten Jahrzehnt die Regionalität wieder stark an Bedeutung. Statt der Standardbiere aus den großen Brauereikonzernen finden zunehmend Craft-Beer, Spezial- und besondere Weizenbiere Gefallen.

Leidenschaft zum alten Brauhandwerk

Im Restaurant „Das Heine“ ist immer eigenes gutes Bier im Ausschank. Für den unmittelbaren Genuss im Lokal, aber auch Zuhause, sorgen die besten Zutaten ausgesuchter Qualität, die eigenständigen Rezepturen (unfiltriert naturbelassen mit allen Inhaltsstoffen) sowie das Direkte und Frische aus dem Lagerkeller. Zum Bierbrauen nach traditionellem Handwerk braucht es aber neben den richtigen Zutaten vor allem auch Liebe und Leidenschaft. Und Geduld. Sechs Wochen, um genau zu sein.

Bei Christian Königs spürt man all dies bei der Arbeit, im Gespräch und wenn man sein Bier probiert. Er wünscht sich „hier wieder mehr Bierstolz“. Bier müsse gesellschaftsfähiger werden, mehr den Alltag erobern, ganz so wie im Süden Deutschlands. Bier könne man zu vielen Gelegenheiten genießen.

Was den Genuss des Maibocks betrifft, so schmecke dieser am besten, wenn er mit der nötigen Sorgfalt und Ruhe frisch vom Fass gezapft wird, unterstreicht Hans Dieter Bergmann. Christian Königs ergänzt: „Bockbier gewinnt gegen jedes Pils.“ Wer es nicht glaubt, sollte es probieren – ab Sonntag im Restaurant „Das Heine“. Die Gäste bekommen das Bier dort frisch gezapft oder in Flaschen abgefüllt zum Mitnehmen.