Halberstadt/Quedlinburg l Es gab Zeiten, da sind Hex-Nutzer voll des Lobes gewesen. Schnell, bequem und stressfrei waren Attribute, mit denen sie die tägliche Tour von Quedlinburg nach Magdeburg umschrieben. Das freilich ist einige Jahre her. Nach 13 Jahren Nahverkehr mit Hex und wenige Tage vor der Staffelstab-Übergabe an Nachfolger Abellio formulieren Kunden vor allem Kritik. Ganze Strecken würden aktuell nur mit Schienenersatzverkehr bedient, das dauere länger und münde zuweilen in organisatorisches Chaos, heißt es. Christoph Daul, täglicher Hex-Nutzer zwischen Quedlinburg und Oschersleben, bringt seinen Eindruck so auf den Punkt: „Der Abschied wird einem leicht gemacht.“

Der Quedlinburger ist quasi täglicher Fahrgast zwischen der Welterbestadt (Abfahrt um 6.32 Uhr) und Oschersleben, wo der Zug 7.17 Uhr nach exakt 45 Minuten ankommt. Während das aktuell funktioniere, sei die Rückfahrt am Nachmittag ein einziges Drama. Immer wieder zwischen Halberstadt und Quedlinburg Zugausfälle, Schienenersatzverkehr – und damit verbunden Verzögerungen und Unklarheiten. „Ich habe mittlerweile eine App auf dem Handy und checke immer erstmal, was heute auf mich zukommt.“

Nicht nur für die Reisenden, wie Daul betont, sondern auch für die verbliebenen Hex-Mitarbeiter. Für die bricht der Quedlinburger eine Lanze – „die machen, was möglich ist und sind voll bemüht. Und die haben auch den Kanal voll.“

Deutsche Bahn baut an Gleisen

Dass der Übergang vom Hex – einer Marke der in Halberstadt ansässigen Transdev Sachsen-Anhalt GmbH – zu Abellio nicht ganz reibungslos über die Bühne geht, räumt Hex-Sprecher Thomas Kleinrensing ein. Allerdings kämen aktuell zu gewissen übergangsbedingten Problemen noch Behinderungen aufgrund von Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn hinzu.

Konkret: Seit Ende Oktober rollen auf den Strecken Halberstadt-Blankenburg und Könnern-Bernburg im Salzlandkreis gar keine Hex-Züge mehr, sondern ersatzweise Busse. Anlass ist ein letztlich positiver Aspekt. Abellio übernimmt zahlreiche Lokführer und Zugbegleiter vom Hex, muss sie aber qualifizieren, denn die Abellio-Triebwagen verkörpern eine neue Fahrzeuggeneration mit entsprechenden technischen Neuerungen. Insbesondere die Lokführer müssten geschult werden, damit sie ab 9. Dezember voll eingesetzt werden können, so Kleinrensing. Um die Kollegen für diese Schulungen aus dem normalen Betriebsdienst herauszulösen, sei der reguläre Bahnverkehr auf besagten beiden Strecken bis zum 9. Dezember komplett eingestellt.

Auch wenn Christoph Dauls aktuelle Verärgerung damit in letzter Konsequenz offenbar Resultat von Bauarbeiten der Deutschen Bahn zwischen Halberstadt und Quedlinburg ist, attestiert der Quedlinburger den Verantwortlichen beim Hex eine generell gesunkene Zuverlässigkeit. „Gefühlt ist es in den vergangenen sechs Monaten nur noch bergab gegangen“, berichtet er. Wobei die Zugbegleiter durchaus sehr engagiert seien, im Alltag aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten an Grenzen stießen. Im jetzigen Schienenersatzverkehr würden teilweise Busfahrer eingesetzt, die nicht einmal wüssten, wie sie unterwegs die Bahnhöfe erreichen.

Keine Infos über Fahrpreise

Kritik macht Daul aber nicht nur am Hex fest, sondern auch am Nachfolger Abellio. „Ich habe aktuell ein Jahresticket für die Distanz Quedlinburg-Oschersleben mit unbeschränkter Nutzbarkeit und der Möglichkeit des Übergangs in die Erste Klasse. Kostenpunkt: rund 1600 Euro im Jahr. Ärgerlich ist, dass ich Mitte November nicht mal ansatzweise weiß, wie es für mich ab Januar 2019 fahrpreismäßig weitergeht.“

Und auch das ist nur eine Lücke im Service. Abellio hat die nach dem 9. Dezember gültigen Verbindungen noch nicht vollständig ins Auskunftssystem eingespeist, sodass die Suche nach Verbindungen hier lücken- und fehlerhaft ist (die Volksstimme berichtete). Zwar sind die gesamten Fahrplantabellen der einzelnen Linien mittlerweile abrufbar – Hinweise auf die Lücken bei der automatischen Suche finden sich jedoch nicht.

Steuerliche Konsequenzen bleiben Geheimnis

Apropos Lücken: Wenn Hex am 9. Dezember den Staffelstab an Abellio übergibt, wird die Transdev Sachsen-Anhalt GmbH in absehbarer Zeit keine Umsätze und Gewinne mehr erwirtschaften. Welche Folgen das mit Blick auf die Lohn- und Gewerbesteuern für die Stadt Halberstadt haben wird, bleibt unklar.

Sie kenne die konkreten Zahlen von Transdev nicht und dürfte – wenn sie sie denn kennen würde – wegen des Steuergeheimnisses ohnehin keine Angaben machen, erinnert Kämmerin Marion Kagelmann. Nur soviel: Im Schnitt kassiere Halberstadt jährlich insgesamt rund 8,5 Millionen Euro Gewerbesteuern von ansässigen Unternehmen.