Deersheim l Nachwuchs gesucht und gefunden. Geschäftsführerin Dr. Ute Knust freute sich, dass der Deersheimer Betrieb zum 1. August drei neue Auszubildende zum Tierwirt mit der Fachrichtung Geflügelhaltung einstellen konnte. Berufsnachwuchs wird im etwa 35-köpfigen Geflügelhof benötigt. „Wir haben eine Reihe Mitarbeiter um die 60, die bald in den ­Ruhestand gehen werden. Sie sollen ihr langjähriges Geflügel-Wissen noch an die Jugend weitergeben“, sagte Knust. „Wir suchen deshalb junge Leute, die auch wirklich hier bleiben wollen.“ Die meisten Lehrlinge kommen tatsächlich aus der näheren Umgebung.

Der Betrieb hat in den vergangenen Jahren immer größere Anstrengungen unternommen, Nachwuchs zu finden und entsprechend auszubilden. Was auch von höherer Stelle honoriert wurde. Viermal bereits war der Bio-Geflügelhof Deersheim bester Ausbildungsbetrieb im Bauernverband Nordharz, einmal sogar auf Landesebene. Aus Deersheim kam auch schon der beste Lehrling im Landesmaßstab.

Manchmal braucht man einfach mal Glück. Diesen Sommer hatte ein talentiertes Mädchen einen Ferienjob im Geflügelhof aufgenommen – und konnte daraufhin für eine Berufsausbildung geworben werden. Mit dem Angebot, Schülern Ferienarbeit anzubieten, sieht sich Ute Knust damit auf dem richtigen Weg.

Außerdem hob sie die Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung hervor. „Wir wollen uns einem Berufsfindungsprojekt der Arbeitsagentur anschließen“, berichtete sie.

Darüber hinaus gebe der Geflügelhof Quereinsteigern eine Chance. Sie könnten sich über den Betrieb qualifizieren – bis zum Facharbeiterbrief.

Zwei Praktikantinnen aus Nigeria arbeiten derzeit im Geflügelhof. Sie sind hier, um von den Erfahrungen der Deersheimer zu lernen. Es handelt sich um ein Regierungsprojekt, das nigerianischen Fachkräften aus der Landwirtschaft Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Insgesamt 17 Afrikaner sind dazu im Juli und August in Landwirtschaftsbetrieben Sachsen-Anhalts zu Gast, zwei davon in Deersheim. Sie durchlaufen alle Bereiche des Geflügelhofes, von der Junghennenaufzucht, den Legehennenfarmen, der Packstelle bis zum Büro.

Auch menschlich sei der Besuch eine Bereicherung, stellte Knust fest. Die Afrikanerinnen haben bei Margitta Wesemann, einer Farmleiterin, Quartier bezogen. Man habe Fahrten zu anderen Geflügelbetrieben unternommen, nach Feierabend private Touren ins Umland. Die Afrikanerinnen würden von den Mitarbeiterinnen große Hilfsbereitschaft erfahren. Auch durch Kleiderspenden.

Und es gab manches Gespräch über das Leben in Nigeria. „Da werden wir in Deutschland mit unserem hohen Lebensniveau auf den Boden zurückgeholt“, sagte Ute Knust.

Der Bio-Geflügelhof Deersheim ist Bioeier-Erzeuger an einem Standort, der über eine außerordentlich lange Geflügel-Tradition verfügt. Diese begann bereits 1927, nächstes Jahr steht also wieder ein kleines Jubiläum an. Zu DDR-Zeiten sind im Deersheimer Geflügelzuchtbetrieb sämtliche Küken für die industrielle Eierproduktion geschlüpft.