Halberstadt l Ein Lächeln, ein Danke – oft bringt das mehr als schnöde Schilder. Auf diesen Effekt setzt die Harzer Blitzergruppe. Sie hat eine Spendensammlung ins Leben gerufen, um zwei LED-Tempo-Tafeln zu kaufen. Gesammelt werden die dafür notwendigen 4260 Euro via Internet – wie es sich für eine Facebook-Gemeinschaft mit fast 17.800 Mitgliedern gehört.

Blitzerverpetzer, die zum Langsamfahren animieren wollen – widerspricht sich das nicht? Nein, sagt Denny Behrendt, der die Gruppe 2011 ins Leben gerufen hat. Sein Ziel sei es, für mehr Sicherheit auf Harzer Straßen zu sorgen – für alle Verkehrsteilnehmer. Die Gruppe diskutiere deshalb auch über Unfallschwerpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten. Manchmal reichen auch Kleinigkeiten – das Anbringen eines Verkehrsspiegels oder eine bessere Beleuchtung für Fußgänger zum Beispiel.

Oder eben freundliche Hinweise. Für solche sollen die zwei mobilen Tafeln sorgen, die je nach Programmierung Text und Gesichter anzeigen. „Die sind nachweislich effizient“, so Behrend. „Der Hersteller spricht von 15 bis 20 Prozent Verkehrsberuhigung.“ Allein dank psychologischer Wirkung. Denn wer zu schnell an ihr vorbei rauscht, muss nicht mit einem Knöllchen rechnen, sondern mit einem traurigen Gesicht. So sollen Autofahrer dazu gebracht werden, über ihre Fahrweise nachzudenken. Dass das klappt, kann der 33-jährige Berufspendler aus Erfahrung bestätigen.

Tafeln sollen monatlich versetzt werden

Allerdings: „Steht die Tafel monatelang an der gleichen Stelle, gewöhnt man sich daran und lässt die Wirkung nach.“ Deshalb plant Behrendt, dass die Tafeln jeden Monat an einem anderen Standort stehen. Welche das sind, können die Nutzer der Blitzergruppe vorschlagen. Die prüfe dann, ob die Stelle sinnvoll ist, und stimme sich mit zuständigen Behörden ab. Um eine Stromversorgung muss sich niemand kümmern – die Tafeln werden mit Solar-, also Sonnenergie, betrieben.

Unter diesen Voraussetzungen sei es möglich, die Tafeln kurzfristig dort anzubringen, wo sie gebraucht werden. „Bewohner einiger Siedlungen wünschen sich das schon lange, scheitern aber an der Bürokratie, wenn sie bei Städten anfragen.“ Oder an den Wartezeiten. Denn oft mangele es Kommunen am Geld, selbst LED-Tafeln zu kaufen.

Das bestätigt Ralf Fleischhauer, Leiter Ordnungsabteilung der Stadt Halberstadt. Die Stadt verfüge bereits über eine Warntafel und habe überlegt, in eine weitere zu investieren. „Was aber aus Kostengründen mit Blick auf die Haushaltssituation nicht erfolgt ist.“ Entsprechend begrüße die Verwaltung das Engagement der Blitzergruppe. Die Hinweiser könnten laut Fleischhauer an Brennpunkten wie Schulen sinnvoll sein, „aber auch bei aktuellen Situationen wie Umleitungen“.

Tafeln zeichnen Geschwindgkeit anonym auf

Andere Kommunen hätten ebenfalls Interesse bekundet, so Denny Behrendt. Immerhin profitieren sie davon. Die Tafeln zeichnen – anonym – Daten wie Geschwindigkeit und Verkehrsaufkommen auf, was der Verkehrsplanung dienen kann.

Doch zunächst einmal muss das Spendenziel, 4260 Euro, erreicht werden. Gesammelt wird auf der Plattform gofundme.com. „Das bietet Transparenz. Die Leute sehen, wie viel eingeht “, sagt Behrendt. Weiterer Vorteil: Kommen weniger als 50 Prozent der benötigten Summe zusammen, erhalten die Spender ihr Geld zurück. Wird mehr als die Hälfte eingezahlt, wird eine Tafel gekauft, der Rest des Geldes fließt in die Schulbanner-Aktion der Harzer Blitzergruppe.