Blütenkönigin Josephine übernahm vor der Jungfernfahrt die Taufe an Land

Boot "Rogätz" soll künftig der Feuerwehr bei Einsätzen auf der Elbe eine Hilfe sein

Von Constanze Arendt-Nowak

"Rogätz" heißt das neue Rettungsboot, mit dem die Rogätzer Feuerwehr künftig vor allem bei Hochwasser auf der Elbe und in den Randbereichen unterwegs sein wird. Blütenkönigin Josephine hat gestern die Taufe des Bootes übernommen.

Rogätz l Eine Schiffstaufe hat man in Rogätz bisher selten erlebt, auch wenn viele Einwohner der Schifffahrt oder dem Motorbootsport verbunden sind. Das ging auch dem Bürgermeister Wolfgang Großmann so - er sollte am gestrigen Sonntag aber derjenige sein, der das neue Rettungsboot der Rogätzer Feuerwehr tauft. Ein Anlass, der eine gewisse Vorbereitung bedarf, fand der oberste Mann des Dorfes und machte sich erstmal im Internet schlau. Von dem Pool von 180000 Einträgen zum Stichwort "Schiffstaufe" gehörte nur ein kleiner Prozentsatz zur Kategorie hilfreicher Informationen.

Eines aber war dem Bürgermeister nach der Recherche klar: Er wird das Boot nicht taufen, denn - so hatte er gelesen - es würde Unglück bringen, wenn das Prozedere von einem Mann durchgeführt wird. Die Rogätzer Blütenkönigin Josephine war aber zur Stelle und übernahm den feierlichen Akt.

Nur wie? Eine Sektflasche am (Gummi-)Rumpf zerschellen zu lassen, hätte wahrscheinlich wenig Erfolg und somit wiederum Unglück gebracht. Mit anderen Utensilien und Getränken, die andere Nationen zur Schiffstaufe verwenden, wie beispielsweise Kokosnüsse oder Whisky, wäre die Bootstaufe wohl ähnlich erfolglos verlaufen. Als Alternative blieb nur, das Deck des Schiffes - oder im Rogätzer Fall des Rettungsbootes - mit dem Inhalt einer Flasche Sekt zu übergießen, ohne auch nur einen Tropfen für die Patin und den Kapitän übrigzulassen. Während der Sekt über die Gummihaut des Bootes floss, taufte Josephine es auf den Namen "Rogätz" und wünschte der Besatzung jederzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Der Kapitän wird ab sofort Karl-Heinz Bergwein, der Rogätzer Wehrleiter, sein. Das Boot ist für den Ernstfall gedacht, wenn das Hochwasser auf der Elbe die Rogätzer wieder einmal zu sehr bedroht, so wie es das beispielsweise im August 2002 getan hat. "Die Gemeinde Rogätz lebt von und mit der Elbe, wir erfreuen uns an den Sonnenuntergängen, am Geruch des Wasser, fürchten das Wasser aber auch. 2002 hat uns gezeigt, dass der Fluss unberechenbar ist", blickte Wolfgang Großmann in seiner Ansprache zurück.

Diese Ereignisse niemals vergessend, hat der Gemeinderat erkannt, dass die Feuerwehr wieder ein zweites Rettungsboot braucht, nachdem das Ölwehr-Boot des Landkreises abgezogen worden war. 30000 Euro wurden investiert und "es ist das Boot, was wir haben wollten", wie der Bürgermeister anmerkte. Es sei ein Unikat. Karl-Heinz Bergwein hatte im Vorfeld mehrere konstruktive Gespräche mit den Bootsbauern in Eschershausen geführt. Jetzt haben in dem 4,70 Meter langen Boot, das vorrangig aus Aluminium und Gummi besteht und durch einen 40 PS starken Motor angetrieben wird, acht Personen Platz. Es soll vor allem zur Bergung und zum Transport und zur Bewachung der Deichanlagen im Hochwasserfall eingesetzt werden.

Seine Jungfernfahrt erlebte das Boot allerdings nicht im Ernstfall. Nach der Taufe am Rande des siebenten Elbebadetages drehte Karl-Heinz Bergwein gemeinsam mit Bürgermeister Wolfgang Großmann und Blütenkönigin Josephine eine Ehrenrunde auf der Elbe. Im Anschluss bewies es seine Nützlichkeit bei der Absicherung der Elbeschwimmer.