Halberstadt l „Manchmal sind wir blind“, sagt Martin Schäfer. Deshalb freut sich der Unternehmer über die kleinen Baugruben, die er aktuell im Gewerbegebiet In den langen Stücken beobachtet. „Es sieht so aus, als werde das Versprechen tatsächlich eingelöst, dass wir bis Ende des Jahres ans schnelle Internet angeschlossen sind“, sagt der Halberstädter.

Ein Fakt, auf den Martin Schäfer wie viele andere Firmenchefs seit Jahren wartet. „Wir haben unsere Fahrzeuge mit Telemetrie ausgestattet, können also deren Weg aktuell verfolgen, vor Staus warnen oder kurzfristig umdisponieren, um Leerfahrten zu vermeiden.“ Schäfer ist längst nicht mehr nur als Anbieter von Autokranen im Geschäft, sondern seit einigen Jahren auch als Logistiker bundesweit unterwegs. Leerfahrten vermeiden zu können, ist ein großer Vorteil in diesem harten Markt und spart Geld. Ebenfalls sparen kann Martin Schäfer mit der Kabelanbindung an die Datenautobahn, denn die ist günstiger als die Nutzung der Richtfunkstrecke, die die Stadt vor einigen Jahren eingerichtet hat, um das Manko der fehlenden guten Internet­anbindung auszugleichen. „Wir haben die Antenne an der Martinikirche genutzt, das war eine große Hilfe. Aber Funk ist störanfälliger als eine Kabellösung.“

Freude über den Anschluss an die Breitband-Internetmöglichkeiten herrscht nicht nur im Gewerbegebiet In den langen Stücken, das Anfang der 1990er Jahre als erstes erschlossen und ansiedlungsinteressierten Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde, wie Thomas Rimpler sagt. Der Fachbereichsleiter Wirtschaft, Stadtplanung, Kultur der Stadt hat sich als Wirtschaftsförderer vor Jahren für die Notlösung Richtfunk stark gemacht, weil er die Nöte der Unternehmern sah. Denn dass Büros ungenutzt bleiben müssen, weil man keine stabile und schnelle Interneverbindung hat, sei ein unhaltbarer Zustand. Bei der enwi sei dies aber seit zwei Jahren der Fall. Firmen und Stadt sei seitens der Telekom einst beschieden worden, dass sich der Ausbau der Gewerbegebiete nicht lohne.

Abhilfe schafft da die Entscheidung der Bundesregierung, den Breitbandausbau finanziell zu fördern. Mit der Aktion „Mehr Breitband für Deutschland“ sollen Standortnachteile durch lahme Interneverbindungen abgeschafft werden, Sachsen-Anhalt profitiert davon.

5000 Euro im Monat

Die Gewerbegebiete mit schnellem Internet auszurüsten, ist ein Anliegen, das sich auch CDU-Stadtrat Michael Herrmann schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben hatte, als er für den Stadtrat kandidierte. „Dass es so lange dauert, habe ich damals nicht geahnt“, sagt Michael Herrmann. Der Halberstädter ist auch vom langsamen Internet betroffen. Der Sitz seines Malerbetriebes befindet sich im Gewerbegebiet „Am Sülzegraben“. Herrmann berichtet, dass ihm vor Jahren von der Stadt empfohlen wurde, eine Standleitung der Telekom zu mieten. „Das ist ein Witz. Die kostet bis zu 5000 Euro pro Monat und ist für einen kleinen mittelständischen Betrieb unerschwinglich.“

Für ein Unternehmen sei jedoch ein leistungsfähiger Internet-Anschluss unverzichtbar. „Wenn wir per E-Mail Farbkonzepte oder Zeichnungen mit meist sehr hohem Datenvolumen verschicken oder empfangen und nur eine 1500er Leitung besitzen, ist das wie arbeiten in der Steinzeit.“ Alle Ausschreibungen, an denen sich das Unternehmen beteiligt, laufen heutzutage über Internetplattformen. „Daher wird es höchste Eisenbahn, dass die Gewerbegebiete ein schnelles Netz erhalten“, betont Herrmann. Für einen modernen und leistungsfähigen Wirtschaftsstandort sei das sehr wichtig. Unternehmen, die sich neu ansiedeln, schauen auf diesen wichtigen Standortfaktor.

Abschluss bis zum Frühjahr

Und weil „der Ausbau der Gewerbegebiete mit breitbandigem kabelgebundenem Internet ein zwingendes Erfordernis für die Zukunftsfähigkeit der angesiedelten Unternehmen ist“, so Thomas Rimpler, hatte die Stadt Halberstadt bereits 2016 mit dem Landkreis Harz eine Vereinbarung geschlossen. In Abstimmung mit der Staatskanzlei des Landes wurde vereinbart, dass der Landkreis alle erforderlichen Schritte einleitet, um den Ausbau zu organisieren. „Bislang hat der Landkreis Harz das Verfahren sehr professionell durchgeführt und begleitet. Die Zusammenarbeit ist sehr gut,“ schätzt Thomas Rimpler ein.

Nun ist der Ausbau der Gewerbegebiete gestartet. „Wenn der Winter uns keinen Strich durch die Rechnung macht, sollen die Arbeiten im ersten Quartal 2019 abgeschlossen sein“, sagt Joachim Fricke, Projektleiter bei der Deutschen Telekom Technik GmbH.