Halberstadt l Ein Blick durchs Fenster ins Foyer des Seniorenzentrums in Halberstadt: Pflegepersonal und die Mitglieder eines mobilen Impfteams des Kreises in Schutzkleidung. Ein Tisch, auf dem Impfampullen, Spritzen, Desinfektionstücher und ähnliches steht. Daneben ein Tisch, an dem ein Mitarbeiter des mobilen Impfteams am Laptop sitzt. Ein Kameramann, ein Tontechniker, ein Fotograf und ein Redakteur sind im Gespräch mit Heimleiter Tobias Krüger. Dann wird ein Rollstuhl hereingeschoben. Burga Ruprecht schiebt ihre Mutter zum Impftisch. Sofort richtet sich der Fokus der Anwesenden auf Edith Kwoizalla.

Die 101-Jährige bekommt ihre zweite Covid-19-Impfung, 21 Tage nach der ersten Spritze. Die Seniorin ist etwas wortkarg, hat mit dem ganzen Prozedere aber keine Probleme. „Es geht ihr gut, so wie schon in den vergangenen Tagen“, sagt Tobias Krüger, als er zehn Minuten später zu den Medienleuten tritt, die vor dem Eingang des Seniorenzentrums warten.

Krüger ist froh, dass der Landkreis Harz, wie schon beim ersten Impfen, wieder gut organisiert vorgeht. „Der Landkreis Harz macht das gut. Hier ist man fix, arbeitet lösungsorientiert, hier wird angepackt“, sagt der in Dedeleben beheimatete Unternehmer. Er kann das beurteilen, denn er betreibt nicht nur im Harzkreis Seniorenheime und betreutes Wohnen.

Sorgen wegen Corona-Ausbrüchen in Heimen

Aktuell sorgt ihn ein Corona-Ausbruch in einer Einrichtung in einem anderen Landkreis. "Ich habe den Eindruck, dass wir es schon mit der mutierten Virusvariante zu tun haben, Es ist anders als bei dem allerersten Ausbruch, den wir im November hier in Halberstadt erleben mussten“, sagt der Betreiber, der selbst gelernte Pflegefachkraft ist. Er kann nicht nachvollziehen, warum in Deutschland nicht mehr sequenziert wird, heißt, nicht genauer untersucht wird, um welche Form des Sars-COV2-Virus es sich jeweils handelt. „Meine Leute in dem betroffenen Heim arbeiten inzwischen unter Vollschutz. Mit Maske, Visier oder Schutzbrille, weil wir festgestellt hatten, dass eine kurze Zeit die Nicht-Brillenträger das Virus weitergetragen hatten, über die Augenschleimhäute verbreitet es sich ja eben auch. Jetzt sind alle geschützt und trotzdem kommt es immer noch zu Neuinfektionen.“

Von daher ist Krüger froh über jeden, der sich impfen lässt, von den Bewohnern, aber vor allem auch von seinen Mitarbeitern. Etwa rund ein Drittel seiner Belegschaft sei inzwischen geimpft, schätzt Tobias Krüger. Wobei er einen Impfzwang ablehnt. Zur aktuellen Debatte, die der bayerische Ministerpräsident angestoßen hatte, sagt er nur: „Es ist wie immer in Deutschland: Man redet über die Pflege, aber nicht mit der Pflege.“ Zwang bringe gar nichts, wohl aber der Fakt, dass die meisten die Impfung sehr gut vertragen.

Bislang keine allergischen Reaktionen

Das kann Immo Kramer, Leiter des Impfzentrums Harz, bestätigen. „Von den rund 3700 Geimpften gab es bislang keinen, der eine allergische Reaktion aufgewiesen hat. Das ist sicher auch der Umsicht der Ärzte zu verdanken, die auch mal jemanden ausschließen, weil derjenige nicht impftauglich ist.“

Seit Freitag, 15, Januar, geht es nun in die zweite Impfrunde. Dafür sind wieder jene mobilen Impfteams unterwegs, die schon das erste Mal in den entsprechenden Heimen waren. Das hat unter anderem einen technischen Grund, wie Immo Kramer berichtet. Der Beamte der Kreisverwaltung Harz äußert sich etwas irritiert darüber, dass die Technik so schwerfällig ist.

Das Land habe Laptops zur Verfügung gestellt, mit einer Software, die nicht so benutzerfreundlich ist, wie man es im 21. Jahrhundert erwarten könnte, sagt Kramer. „Jeder Rechner hat ein Programm, das mit einer Lizenz versehen ist, wir können also nicht einfach das Programm auf andere Rechner kopieren, um mehr Teams loszuschicken. Das ist das eine. Das andere ist, das sich die Rechner untereinander nicht synchronisieren lassen. Wir müssen also zwingend mit dem Laptop wieder in die Einrichtung fahren, den das Team beim ersten Impftermin dabei hatte.“ Dass es abends zudem viel Arbeit macht, von allen Daten eine Sicherungskopie auf eine externe Festplatte zu ziehen, erwähnt Immo Kramer eher am Rande.

Zu wenig Impfstoff

Auch wenn das Land für die bereitgestellte Technik offenbar keine webbasierte Anwendung nutzt, ist der Leiter des Impfzentrums froh, dass es inzwischen einen sechsten Laptop gibt. „Das heißt, in der kommenden Woche können sechs mobile Impfteams zum Einsatz kommen. Wenn denn genug Impfstoff da ist.“ Noch seien die gelieferten Dosen überschaubar, auf maximal 1200 Impfungen komme man pro Woche.

Demnächst werde auch der Landkreis Harz mit Impfstoff des Herstellers Moderna beliefert. „Wir haben die Mitarbeiter bereits entsprechend eingewiesen“; berichtet Kramer. Zum Einsatz kommen wird dieser Impfstoff zunächst nur im Impfzentrum. „Die bereits impffertig dosierten Ampullen kommen in einem Kühllaster bei minus 20 Grad Celsius an. Diese Temperatur können wir auch im Impfzentrum gewährleisten, aber nicht in den Fahrzeugen, mit denen die mobilen Impfteams unterwegs sind.“

Spritzen für Harzklinikum und Ameos

Auf Tour gehe deshalb nur das Vakzin von Biontech/Pfizer. Am Freitag übrigens nicht nur in das Heim von Edith Kwoizalla. Auch 360 Mitarbeiter im Harzklinikum und im Ameos-Klinikum bekamen am Freitag ihre zweite Impfung.