Halberstadt l Die Verantwortlichen in der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende (Zast) in Halberstadt sind fieberhaft dabei, die aktuell dort untergebrachten Migranten im festen Turnus auf eine mögliche Covid-19-Infektion zu untersuchen. Seit voriger Woche Donnerstag wird von allen Bewohnern – Stand 23. April 590 – im 48-Stunden-Turnus eine Abstrichprobe für die Laboruntersuchungen genommen. Dabei werde das Personal der Zast nicht nur von medizinischen Fachkräften der Uni Magdeburg unterstützt, sondern nun auch von Akteuren der Vereinigung Ärzte ohne Grenzen und der Bundeswehr, so Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, auf Anfrage.

Seit wenigen Tagen sind 20 Soldaten des Sanitätsregiments 1 aus Weißenfels und des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg zu besagter Unterstützung in der seit 27. März unter Quarantäne stehenden Zast im Einsatz. Sie helfen bei der Entnahme der Abstrichproben, deren Dokumentation und dem Transport der Proben in die Magdeburger Uniklinik. Dieser für zwei Wochen geplante Einsatz der Bundeswehr im Inland finde auf Wunsch des Innenministeriums statt, heißt es seitens der Bundeswehr. Die Soldatinnen und Soldaten gingen dabei mit entsprechendem Eigenschutzvorkehrungen in kleinen Teams in die Bereiche der Zast und testen die Bewohner auf eine potenzielle Infektion mit dem Coronavirus. Oberfeldarzt Ronald Etzold ist verantwortlich für die Weißenfelser Bundeswehrangehörigen: Letztlich werde mit dieser Hilfe der zivile Gesundheitsbereich entlastet, so Etzold.

Bei der aus Weißenfels entsandten Truppe handele es sich um eine bunte Mischung: vom Sanitätsfeldwebel mit einer medizinischen Pflegeausbildung bis hin zum Einsatzsanitäter. „Die medizinische Ausbildung ist nicht das wichtigste, vielmehr geht es darum, die Hygienevorgaben korrekt anwenden zu können. Von Vorteil ist zudem, interkulturell kompetent zu sein“, erklärt Etzold.

Im Vollschutzanzug hat sich jetzt Generalarzt Dr. Bruno Most, stellvertretender Kommandeur im Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung und Beauftragter für Zivil-Militärische Zusammenarbeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, vor Ort Eindrücke verschafft. „Deutschland ist ein weltoffenes Land, das Thema Asyl gehört für uns dazu. Diese Herausforderung ist ein besonderer Dienst an unser Land, den die Soldatinnen und Soldaten erfüllen.“

Die beteiligten Soldaten agieren vor Ort gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, den Maltesern, den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund. „Das ist eine große Familie nach DRK-Gesetz, die ein Netzwerk im Gesundheitswesen bildet. Gemeinsam Schulter an Schulter unserem Land zu dienen, hat einen symbolhaften Stellenwert für mich“, betont Most und lobt die gute Zusammenarbeit.

Zast-Leiter Dr. René Seidel ist verantwortlich für die Realisierung der festgelegten Testreihen. „Nur wenn wir Personen identifizieren, die mit Covid-19 infiziert sind und sie in spezielle Isolierungseinrichtung verlegen, gelingt es uns, die Quarantäne-Situation aufzuheben“, erklärt Seidel.

Aktuell werden fast täglich Neuinfektionen bekannt. Am Donnerstag wurden nach Angaben von Denise Vopel laborseitig fünf neue Fälle bestätigt. Damit steigt die Zahl der bislang infizierten Zast-Bewohner auf 117. (Stand: 23. April) Sie werden in speziell eingerichteten Zast-Quarantänebereichen in Quedlinburg und Magdeburg untergebracht. Die Zast selbst steht bis zum 30. April unter Quarantäne. Ob sie verlängert wird, werde kommende Woche entschieden, heißt es aus der Kreisverwaltung.