Badersleben l Schon seit 57 Jahren feiern Josef und Heidemarie Wolfram aus Badersleben nicht nur gemeinsam Weihnachten, sondern am Heiligabend immer auch ihrer beider Geburtstag. Gestört habe sie das nie, betont Heidi Wolfram, die aus Badersleben stammt. Im Gegenteil, sie habe an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit nur schöne Erinnerungen. „Morgens gab es die Geburtstagsgeschenke und am Nachmittag einen herrlichen Kindergeburtstag. Am Abend ist meine Mutter dann mit den kleinen Geburtstagsgästen in die Kirche gegangen, in dieser Zeit haben Vater und die Großeltern das Weihnachtszimmer hergerichtet.“

Ganz so unbeschwert sind die Erinnerungen von Josef Wolfram nicht. „Ich stamme aus dem Sudetenland, wir sind 1946 nach der Vertreibung in den Harz gekommen.“ Gestrandet sei die Familie (Großeltern, Eltern und ein Bruder) zunächst in den Sandsteinhöhlen bei Blankenburg, wo sie wochenlang hausen mussten. Später ging es dann über Nienhagen nach Badersleben. Viele detaillierte Erinnerungen habe er nicht mehr an die Weihnachtsfeste in seiner Kindheit. Außer: „Wir hatten immer einen Baum.“ Und ein Geschenk ist dann doch im Gedächtnis hängengeblieben – Pferd und Wagen.

Kennengelernt haben sich Heidi und Josef auf dem Fußballplatz. „Ich war mit Leib und Seele Torwart und Heidi war damals oft auf dem Sportplatz anzutreffen.“ Und offensichtlich war sie ihm aufgefallen, denn irgendwann hatte er sich ein Herz gefasst, die 19-jährige Heidi auf dem Nachhauseweg einfach angesprochen und zum Volksfest nach Huy-Neinstedt eingeladen. Dass die Angebetete am gleichen Tag wie er ihren Geburtstag feiert, habe er da bereits gewusst. „Er hatte sich über mich erkundigt“, berichtet Heidi Wolfram lachend. Und bereits auf diesem Volksfest habe es schon heftig gefunkt. 1962 wurde geheiratet, und 1963 kam Tochter Silke zur Welt.

Glück gefunden in Athenstedt

Zu dieser Zeit war Josef Wolfram gerade bei der NVA. Noch heute ist sein damaliger persönlicher Coup, mit dem er während der Dienstzeit in die Nähe seiner Familie gekommen ist, eine besondere Erwähnung wert: „Nach der Grundausbildung in Rechlin an der Müritz wurde ich Funker und sollte den Rest des Wehrdienstes nach Altenburg.“ Da aber sei ihm die Funkstation in Athenstedt eingefallen. „Ich stellte den Antrag auf eine Versetzung nach Athenstedt und diese wurde auch prompt genehmigt.“ Denn, „wer will schon nach Athenstedt“. Heidi Wolfram berichtet: „Mein Mann hat uns fast täglich mit dem Fahrrad besucht.“ Zwar habe er um Mitternacht wieder im Objekt in Athenstedt sein müssen, aber er hat seine Tochter regelmäßig gesehen.

Die Biografien von Heidemarie und Josef Wolfram weisen, anders als die vieler ehemaliger DDR-Bürger, keinerlei Brüche auf. Josef hat 1955 nach der achten Klasse eine Lehre als Elektroinstallateur begonnen und ab 1959 im RAW Halberstadt gearbeitet, zunächst in der Reisezugwagenfertigung, später bis zur Rente als Betriebselektriker, immer im gleichen Betrieb. Heidi Wolfram war Kindergärtnerin, hat in Magdeburg gelernt, in Gröningen begonnen und nach der Geburt der Tochter dann in Badersleben im Kindergarten gearbeitet – auch bis zur Rente. Nun genießen beide ihren Ruhestand und hoffen, dass sie noch lange gemeinsam gesund bleiben. Denn immerhin brennen in diesem Jahr 80 Kerzen auf der Geburtstagstorte von Josef Wolfram.

Coronabedingt muss die große Feier zum runden Geburtstag aber noch etwas warten. „Wir hatten vor, in Wernigerode zu feiern, haben aber alles abgesagt“, verrät Heidi Wolfram. Nun kommt an Heiligabend nur der engste Familienkreis zusammen. Für beide sei es am wichtigsten, dass Urenkeltochter Margarete mit dabei sein kann. „Unser Gretchen setzt die Tradition der besonderen Geburtstage fort und wird am letzen Tag dieses Jahres fünf Jahre alt.“ Die Kleine wird schon mal liebevoll als „Silvesterknaller“ bezeichnet.