Zukunftstag

Girls‘day

* Aktionsstart 2001

* 2016 erkundeten rund 100 000 Mädchen Angebote in Technik und Naturwissenschaften

* für Schülerinnen ab Klasse 5

* größtes Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen weltweit

* Grund:Mädchen in Deutschland verfügen über gute Schulbildung, trotzdem wählt mehr als die Hälfte aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System, sie sollen dank der Aktion mehr auf typische „Männerberufe“ aufmerksam werden, außerdem werden Öffentlichkeit und Wirtschaft auf Stärken der Mädchen hingewiesen

Boys‘day

* Gegenstück zum Girls´day

* Grund: Jungen entscheiden sich noch immer häufig für klassische Berufsfelder, mit der Aktion soll ihr Interesse für Ausbildungen im sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich geweckt werden

* seit 2011 haben fast 194 000 Jungen an mehr als 31 000 Angeboten teilgenommen

Quellen: www.boys-day.de, www.girls-day.de

Halberstadt l Krankenschwestern werden nicht mehr angelernt. Zumindest hat sich die Berufsbezeichnung geändert: Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege. Denn so ein Job ist längst nicht nur etwas für Mädchen.

Das betont Meike Thiemann. „Wir brauchen hier mehr Männer wie dich“, sagt sie augenzwinkernd zu Linus. Der 15-Jährige und 15 weitere Jugendliche sind im Rahmen des Zukunftstages – auch Girls‘day und Boys‘day genannt – im Ameos-Klinikum in Halberstadt zu Gast, um die unterschiedlichen Berufsfelder dort kennenzulernen. Zu den Abteilungen, die sie besichtigen, gehört die Funktionsdiagnostik – der Arbeitsplatz von Meike Thiemann.

Spaß und Abwechslung

„Der Job macht sehr viel Spaß und bietet Abwechslung. Man muss nicht nur über medizinisches Wissen verfügen, sondern sich auch mit Technik auskennen“, berichtet sie. Stress gehöre dazu – bei Verdacht auf Herzinfarkt muss schnell gehandelt werden. „Aber mit unser Arbeit können wir Leben retten, und das ist ein tolles Gefühl“, schwärmt die erfahrene Mitarbeiterin.

Bilder

Jennifer Ebeling und Cindy Künnemann stehen dagegen noch ganz am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn. Sie sind im ersten Lehrjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Dennoch haben sie schon einen guten Einblick in den Beruf und möchten ihre Erfahrungen gern mit den Siebt- bis Neuntklässlern teilen. „Man muss belastbar sein. Das Schichtsystem schlaucht schon manchmal“, sagt Cindy Künnemann. „Aber das Lächeln und die Dankbarkeit der Patienten gleichen das aus“, ergänzt Jennifer Ebeling.

Absoluter Traumberuf

Für die 28-Jährige ist es der absolute Traumberuf. Nach der Schule bekam sie jedoch keinen Ausbildungsplatz in dem Bereich und lernte zunächst Einzelhandelskauffrau. Als ihre Mutter vor zwei Jahren schwer erkrankte, gab das für sie den Ausschlag, sich erneut im Krankenhaus zu bewerben. „Ich dachte jetzt oder nie – und es hat geklappt.“

Auch Cindy Künnemann hat bereits einen Abschluss. „Zur Vorbereitung habe ich Hauswirtschafts- und Familienpflegerin gelernt“, berichtet die 20-Jährige. Sie empfiehlt Schülern, so viele Praktika wie möglich abzuschließen, um sich ein gutes Bild über den Berufsalltag machen zu können. „Viele haben sicherlich falsche Vorstellungen von dem Job.“

Arbeit ist vielfältig

Das bestätigt auch Krankenhaussprecher Sebastian Hübner. „Viele denken, die Arbeit hier sei spröde.“ Darum sei der Zukunftstag eine gute Gelegenheit, mit diesem Vorurteil aufzuräumen und zu zeigen, wie vielfältig die Arbeit in einer Klinik ist. Immerhin werden jährlich etwa 36 Ausbildungsstellen am Standort Halberstadt ausgeschrieben. Erstmals sind darunter Lehren in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie zum operationstechnischen und zum anästhesietechnischen Assistenten. „Diese Ausbildungen sind spezifischer“, informiert Hübner.

Das große Interesse der Schüler an den Berufszweigen freue ihn. „Viele von ihnen wissen zwar noch nicht, in welchen Bereichen sie nach der Schule arbeiten wollen, aber sie sind ehrlich interessiert an unserem Angebot und stellen gute Fragen“, sagt er. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass viele der Eltern in einem Krankenhaus angestellt sind. „Die Schüler wollen mal hinter die Kulissen schauen und sehen, wie der Arbeitsplatz ihrer Mütter und Väter ist.“

Blick ins Polizeirevier

Der Zukunftstag bot gestern auch Gelegenheit, hinter die Mauern des Polizeireviers Harz in Halberstadt zu schauen. 18 Jugendliche ließen sich über die Struktur der Landespolizei informieren und erfuhren, welche Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten es bei der Polizei gibt. Beeindruckt verfolgten die Schüler, wie die Kriminaltechnik arbeitet und was Diensthundeführer zu tun haben. Diese demonstrierten ihre Arbeit mit den Tieren. Auch ein Blick in die Schießanlage der Reviers gehörte zum Programm des Zukunftstages bei der Polizei, zu dem neben Schülern aus Halberstadt und dem Harzkreis auch drei Wolfenbüttteler angereist waren, wie Polizeihauptkommissar Uwe Becker mitteilte.

Etwa 20 Jugendliche begrüßte Anke Dietrich, Ausbildungsbeauftragte der Stadtverwaltung Halberstadt, in der Stadtbibliothek „Heinrich Heine“. Die Mädchen und Jungen kommen aus Sekundarschulen und Gymnasien in Halberstadt, Dardesheim, Oschersleben, Schwanebeck oder Gröningen. Auch eine Schülerin vom Landesbildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (LBZ Magdeburg) war unter den Interessierten.

Tablet-Führung getestet

Die Jugendlichen testeten die neu erarbeitete Tablet-Führung durch die Bibliothek, eine moderne Schnitzeljagd. Es müssen bestimmte Medien gesucht und fotografiert werden. Wer die meisten Punkte in einer bestimmten Zeit zusammenbekommt, hat gewonnen. Anschließend stellten die Azubis der Bibliothek über eine selbst erstellte Powerpoint-Präsentation die Bereiche und die Arbeitsaufgaben der Bibliothek vor und beantworteten Fragen.

Auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Heike Brehmer verbrachten fünf Jugendliche aus dem Harz- und Salzlandkreis den Tag im Deutschen Bundestag in Berlin. Nach einem Gespräch über den Arbeitsalltag verfolgten sie die Plenarsitzung, bevor es in die Glaskuppel auf dem Dach des Gebäudes ging.