Löscheinsatz

Halberstadt: Feuerwehrmann mit Stein beworfen

Eine böse Überraschung beschäftigt die Kameraden der Halberstädter Feuerwehr. Bei einem Löscheinsatz am einstigen Jugendklub „Salut“ gab es einen tätlichen Angriff auf einen Kameraden.

Von Sabine Scholz
Kurze Besprechungen zwischen Gruppenführer und Kameraden, die am Donnerstagabend in Halberstadt das Feuer am ehemaligen Jugendklub Salut löschten. Ein böser Vorfall überschattet den Einsatz.
Kurze Besprechungen zwischen Gruppenführer und Kameraden, die am Donnerstagabend in Halberstadt das Feuer am ehemaligen Jugendklub Salut löschten. Ein böser Vorfall überschattet den Einsatz. Foto: Chris Buchold/Feuerwehr Halberstadt

Halberstadt - Er war völlig überrascht, sagt der 33-Jährige. Er gehörte zu den 26 Feuerwehrleuten, die am Donnerstag um 17.47 zu einem Löscheinsatz in die Maxim-Gorki-Straße Halberstadts gerufen worden waren. In dem ehemaligen Jugendklub „Salut“ brannte es.

Mit fünf Feuerwehrfahrzeugen rückten Kameraden der Hauptberuflichen Wachbereitschaft, der Freiwilligen Feuerwehr Halberstadt samt Einsatzleitung und das Team der Atemschutzüberwachung aus Langenstein zu dem seit Jahrzehnten leerstehenden Objekt an.

„Laut Leitstelle war eine Rauchentwicklung aus einem leerstehenden Gebäude, dem ehemaligen Salut, gemeldet worden“, sagt Feuerwehrsprecher Chris Buchold. Die ersten Kräfte mussten sich zunächst einen Zugang zum Gelände und in das Objekt verschaffen, dann begaben sich mehrere Trupps unter Atemschutz in das Gebäude. Zum einen, um die Flammen zu löschen, zum anderen, um die Räume abzusuchen, um sicherzustellen, dass sich keine Menschen dort aufhielten.

Brenzlige Situation

Dabei kam, so berichtet Chris Buchold weiter, ein Trupp der freiwilligen Feuerwehr plötzlich in eine Gefahrensituation. „Die zwei Kameraden hörten das Abzischen von Gas“, so Buchold. Sie fanden eine mit Propan/Butan beschriftete Gasflasche, bei der das Ventil aufgedreht war. Der Trupp drehte das Ventil zu, kühlte die Flasche und brachte sie aus dem Gebäude. Eine mit Kohlensäure gefüllte Flasche wurde ebenfalls aus dem Gebäude gebracht. Wie immer waren die Kameraden konzentriert, sodass auch diese gefährlichen Momente gut gemeistert wurden.

Hinterhältiger Angriff

Rund eine Stunde dauerte es, bis der Brand vollständig gelöscht war. Den Einsatz verfolgten – wie so oft – zahlreiche Schaulustige. Einige ignorierten mehrfach die erforderlichen Absperrungen. So auch eine Gruppe von etwa zehn Personen, die mehrfach von der Polizei und den Feuerwehrleuten hinter die Absperrung geschickt werden musste.

An dieser Gruppe vorbei musste ein Kamerad, um an eine der Wasserentnahmestellen zu kommen. „Er sollte das dortige Standrohr bedienen, damit die Löschfahrzeuge mit neuem Wasser befüllt werden können. Während er dort auf das Kommando des Maschinisten wartete, wurde er aus einer Personengruppe heraus mit einem Stein beworfen“, berichtet Chris Buchold.

„Ich habe erst gar nicht realisiert, dass mich ein Stein getroffen hat. Ich habe gleich zu den Personen geguckt und dann sind sie weggerannt“, erzählt der Feuerwehrmann, der anonym bleiben will. „Der Stein war zum Glück nicht allzu groß, sodass ich nicht verletzt wurde.“

Aber er habe sich schon sehr erschrocken, und sei kurz laut aufgeschreckt, was auch in der Nähe befindliche Polizeibeamte auf die Situation aufmerksam machte.

Die betreffende Gruppe habe sich daraufhin schnell vom Ort des Geschehens entfernt. „Unabhängig davon, ob man verletzt wurde oder nicht - es geht um die Tat und so etwas geht gar nicht“, resümiert der getroffene Kamerad. Vermutlich hat die dicke Einsatzkleidung, die bei Löscheinsätzen getragen wird, ihn vor einer Verletzung bewahrt. Trotz der Schrecksekunde machte der Halberstädter weiter, berichtete erst später von den Ereignissen – und hat bislang auch keine Anzeige erstattet.

Polizei sucht Brandursache

Wie von Reviersprecher Uwe Becker zu erfahren war, nimmt die Polizei bei Körperverletzungen erst dann die Ermittlungen auf, wenn eine Anzeige erstattet wird. Allerdings gibt es auch Tatumstände, die solch einen Angriff zu einer gefährlichen Körperverletzung werden lassen – dann wird von Amts wegen ermittelt. Zum konkreten Fall lagen gestern keine polizeilichen Erkenntnisse vor.

Zum Feuer selbst haben die Beamten die Ermittlungen aufgenommen, der Brandort wurde beschlagnahmt und die Untersuchungen zur Brandursache aufgenommen. „Ersten Erkenntnissen zufolge kann Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden“, so Uwe Becker.

Erbärmliches Verhalten

Angriffe auf Einsatzkräfte sind leider keine Einzelfälle mehr, Rettungssanitäter, Notärzte, Polizisten und Feuerwehrleute erleben oft an den Einsatzorten verbale Attacken, werden beschimpft und beleidigt. Polizisten sind dabei oft auch körperlichen Angriffen ausgesetzt. So wurden im Jahr 2020 im Polizeirevier Harz 68 Fälle gemeldet, bei denen 124 Beamte „Opfer von Widerstandshandlungen wurden, zehn von ihnen wurden dabei verletzt“, ist von Uwe Becker zu erfahren.

„Dass einer von uns körperlich angegriffen wurde, ist neu“, sagt Chris Buchold. Angriffe auf Feuerwehrangehörige „sind ziemlich erbärmlich und nicht akzeptabel. Sie zeugen von keinerlei Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit“, so der junge Feuerwehrmann. „Wir sind diejenigen, die unsere Gesundheit und unser Leben zum Wohl der Allgemeinheit aufs Spiel setzen – egal ob haupt- oder ehrenamtlich. Wir möchten alle am Ende des Einsatzes gesund und unversehrt zu unseren Familien zurückkehren!“

Gute Gründe für Absperrung

Auch aus diesem Grund sind die Absperrungen vor Ort wichtig. Am Donnerstag seien Bürger mit ihren Fahrrädern und Kindern durch die Einsatzstelle gefahren und gelaufen, berichtet Chris Buchold. Was, wenn die Gasflasche just in diesem Moment explodiert wäre?

„Nicht nur durch Gefahren der Einsatzstelle selbst kommt es zu einem Risiko für Einsatzkräfte und Bürger, sondern auch durch Schläuche, Gerätschaften und Aggregate“, so der Sprecher. Feuerwehreinsätze brauchen Platz, auch wenn dafür Wege und Straßen blockiert werden – die Absperrungen erfolgten nicht ohne Grund.