Die Einrichtung

Gegründet wurde die Einrichtung 1996 von Pater Oswald Heiming, einem Mitglied des in Halberstadt ansässigen Franziskanerordens. Das Kloster stellte auch das Grundstück zur Verfügung, auf dem die ersten Container aufgestellt wurden, um Obdachlosen und bedürftigen Menschen eine warme Mahlzeit, Gelegenheit zum Duschen, Aufwärmen, Kleiderwechsel zu geben.

Schwester Marieta Stohldreier, die von Anfang an mitwirkte, übernahm gemeinsam mit Pater Ubald die Leitung der Einrichtung, die 2007 von der Trägerschaft der Franziskanerprovinz „Vom heiligen Kreuz“ in die der Caritas wechselte.

Bis heute betreut die ausschließlich über Spenden finanzierte Wärmestube Menschen in sozialer Notlage und seelischen Krisen.

In der Einrichtung wird auch die „Kalte Tasche” mit Lebensmitteln an Menschen in finanziellen Notlagen ausgegeben.

Die tägliche Arbeit koordinieren Büroleiterin Maria Oppermann und Köchin Antje Schmidt. Die beiden sind die einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter, 30 Wochenstunden schlagen für sie zu Buche. Alles andere erledigen Ehrenamtliche, Freiwilligendienstleistende und Ein-Euro-Jobber.

Halberstadt l Es ist kalt. Doch die ersten Gäste stehen schon kurz nach sieben auf dem Hof des alten Franziskanerklosters. Wenig später treffen Antje Schmid, Corona Arnold, Katja Kasch und Kerstin Matzke ein. „Wir geben erst ab 10 Uhr aus, aber dennoch stehen viele schon so lange an“, sagt Antje Schmidt.

Deshalb wird als erstes morgens Tee und Kaffee gekocht, ein Tisch in den Wartebereich gestellt, auf dem die Teekannen Platz finden. Die Wartenden nehmen es dankbar an. Den Kaffee müssen sie vorn holen, der wird gegen einen kleinen Obolus abgegeben.

Lebensmittelspenden

„Ich kann jetzt keine Suppen mehr kochen, dafür habe ich mich zur Meisterin im Teekochen entwickelt“, scherzt Antje Schmidt. Die Köchin hat zurzeit den Hut auf in der Wärmestube Halberstadt, Büroleiterin Maria Oppermann genießt ihren Urlaub. Die beiden Frauen sind hauptamtlich bei der Caritas angestellt, dem Träger der Einrichtung an der Andreaskirche. Beide halten die Organisationsfäden in der Hand. Unterstützt werden sie in der täglichen Arbeit von vier Ein-Euro-Jobbern und einem Bufdi.

Das siebenköpfige Team sorgt dafür, dass Lebensmittelspenden aus den Supermärkten in den Lagerräumen der Wärmestube landen. Auch wenn es wegen der Enge zurzeit keine Essensausgabe im Speisesaal gibt, ganz kalt bleibt die Küche der Wärmestube nicht, wie Antje Schmidt berichtet.

Corona-Regeln

„Unser Hygienekonzept ist zwar durch die aktuelle Verordnung über den Haufen geworfen worden, aber unsere Gäste brauchen uns ja trotzdem.“ Also gibt es mal eine Bratwurst, mal einen Klops, mal eine Bockwurst als Imbiss für die Wartenden. Gegessen wird die unterwegs oder im Wartebereich, der die vorgeschriebenen 50 Meter von der Ausgabestelle entfernt ist. Zum Glück ist der Klosterhof groß genug. Er ermöglicht auch das Einbahnstraßensystem. Der Eingang erfolgt von der Franziskanerstraße, der Ausgang über die kleine Pforte in der Mauer neben der Andreaskirche.

Das System hat sich schon im ersten Lockdown bewährt, berichtet Antje Schmidt, ebenso wie die Ausgabe der „Kalten Taschen“ vor den Containern. „Drinnen ist alles viel zu eng, da wären die Abstände nie einzuhalten. Ohnehin müssen wir oft viel Überzeugungsarbeit leisten, damit sich alle immer vorher die Hände desinfizieren und die Masken aufsetzen, bevor sie an den Tisch kommen.“ Schließlich, so die zugewandte, dennoch resolute Frau, haben auch die Mitarbeiter Familien, versorgen selbst Kinder zuhause. „Wir haben Verantwortung für unser Team“, sagt Schmidt.

Versorgung

Das ist inzwischen eingespielt in die Abläufe. Auf dem großen Tisch vor dem Lager stehen Kisten. Aus allen packen die Frauen das in eine Extra-Kiste, was sich die Gäste als „Kalte Tasche“ mitnehmen dürfen. Anhand der ausgegebenen Marken wissen die Frauen, wie viele Erwachsene und viele Kinder jeweils zu versorgen sind.

Die Marken bekommen die Gäste bei Maria Oppermann, die die Listen führt. Hier sind die Bedarfsgemeinschaften eingetragen, die sich in der Wärmestube melden. Einmal in der Woche kann sich jeder betroffene Haushalt eine Tasche mit Lebensmitteln abholen. Auch das gegen einen kleinen Obolus, der bei der Markenausgabe gezahlt wird.

Keine Selbstbedienung

Das komplette Selbstwählen aus den Lebensmittelregalen, wie es vor gut anderthalb Jahren eingeführt worden war, geht aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht, erklärt Antje Schmidt das veränderte Procedere. Aber auch diese Ausgabe funktioniert schon seit dem Frühjahr gut, berichtet die Köchin.

Die bringt an diesem Mittwochmorgen eine abgedeckte Schüssel mit in den Ausgabebereich, der überdacht, aber an einer Seite offen ist. „Heute ist der 11.11.“ sagt Schmidt. „Als Katholikin feiere ich heute nicht Karneval, sondern den Martinstag. Deshalb habe ich Martinshörnchen gebacken.“ Wer von den Gästen mag, darf sich eines nehmen und teilen. „Schließlich geht es am Martinstag ums Teilen“, sagt Schmidt, „mal sehen, ob unsere Gäste das annehmen.“

Keine Lagermöglichkeit

Derweil hat Kerstin Matzke einen Blick auf die Jacken der Gäste. Manch dünne Hülle hat sie bereits gegen wärmere Winterkleidung ausgetauscht. „Die Kleiderkammer haben wir offen, es darf aber immer nur eine Person ‘reingehen. Es ist einfach zu eng.“ Aus diesem Grund werden zurzeit auch keine Kleiderspenden angenommen. „Wir können im Moment einfach nichts lagern“, sagt Antje Schmidt.