Papageien bringen in Pabstorf gute Laune

Michael Bussenius ist wieder mit der Tiershow im Harz unterwegs

Eigentlich hatten die Bussenius-Brüder ihre Papageien an einen Nachfolger abgegeben. Doch diese Abstinenz hat nicht lange angehalten.

Von Ramona Adelsberger
Michael Bussenius in seinem Element - er präsentiert Aras und Kakadus und zeigt nicht nur Kunststücke, sondern informiert über Artenschutz und sensibilisiert. Im Vordergrund zeigt sich Gelbbrust-Ara Amadeus in seiner ganzen Pracht.
Michael Bussenius in seinem Element - er präsentiert Aras und Kakadus und zeigt nicht nur Kunststücke, sondern informiert über Artenschutz und sensibilisiert. Im Vordergrund zeigt sich Gelbbrust-Ara Amadeus in seiner ganzen Pracht. Foto: Ramona Adelsberger

Pabstorf - Es gibt wohl kaum einen Einwohner des Altkreises Halberstadt, der nicht irgendwann mal in mindestens einer „Bussenius-Tiershow“ zu Gast war und über die farbenprächtigen Aras oder die gewitzten Gelbhaubenkakadus gestaunt hat.

40 Jahre lang war Michael Bussenius mit seinen gefiederten Freunden zu Besuch in Schulen und Kindergärten, in Heimen und Senioreneinrichtungen, bei privaten Feiern oder oder bei Volksfesten. Und immer hat er mit seinen Papageien für gute Laune gesorgt und ganz nebenbei noch Werbung für den Tiergarten in Halberstadt gemacht.

2019 hatte Michael Bussenius, dessen Name untrennbar mit dem Tiergarten verbunden ist, in dem er lange als Zooinspektor gewirkt hat, allerdings beschlossen, kürzer zu treten und sich von seinen Aras Laura, Amadeus und Phönix sowie den Gelbhaubenkakadus Rudi, Apollo und Lilli getrennt (die Volksstimme berichtete).

Doch so ganz hat das mit dem Loslassen offensichtlich nicht geklappt, denn Michael Bussenius ist zurück auf der Papageienbühne. „Es hat mir schon etwas gefehlt“, gibt der 63-Jährige lachend zu. Und wenn man ihn beobachtet, wie vertraut er mit den Tieren umgeht, dann ist das gut zu verstehen. Doch auch, wenn es scheint, dass alles wie gewohnt verläuft, so haben sich die Rahmenbedingungen für Bussenius und die Tiere doch sehr verändert.

Denn die Papageien und Kakadus leben mittlerweile nicht mehr in Halberstadt, sondern haben im Tierpark Westerhausen ihr neues Zuhause gefunden. Und die Tiere haben eine neue (oder neben Bussenius weitere) Bezugsperson, den 19-jährigen Richard Bleyer. „Ich habe Richard kennengelernt und schnell gewusst, dass meine Tiere bei ihm in guten Händen sind“, erklärt Michael Bussenius. Der junge Mann hatte in Westerhausen sein Praktikum absolviert und sich schnell als „Papageienmensch“ entpuppt. Inzwischen macht er im Tierpark Hexentanzplatz Thale eine Ausbildung zum Zootierpfleger.

Papageienshow für Senioren

Richard Bleyer war natürlich auch dabei als Michael Bussenius vor wenigen Tagen mit seiner Papageienshow die Bewohner des Seniorenheimes in Pabstorf erfreut hat. Der junge Mann assistierte und kümmerte sich um die Tiere, wenn diese nicht gerade im Einsatz waren. Außerdem half er bei den Requisiten, denn davon, dass sich Ara Laura gern mal schlafen legt, erzählen alle Besucher gern. Daher hatte Bleyer, klar, auch das Bettchen mit im Gepäck.

Der Aufenthaltsraum des Heimes war voll besetzt, das wollte sich keiner entgehen lassen. Und Michael Bussenius versteht es geschickt, die Zuschauer zu fesseln. Er präsentiert nicht nur die kleinen Kunststückchen der Papageien und Kakadus, bei denen man sofort sieht, dass die Tiere dabei Spaß haben und weder gequält noch zu etwas gezwungen werden. Zudem erzählte Michael Bussenius viel Wissenswertes über diese prächtigen Vögel, und beantwortete Fragen. So wurde auch in Pabstorf gefragt, wie alt die Papageien werden können und bei der Antwort: 80 bis 90 Jahre machte ein ungläubiges Staunen die Runde unter dem meist betagten Publikum.

Laura wurde in einer Hülse geschmuggelt

Bussenius sprach über Artenschutz und Wilderei und darüber, dass diese Tiere in der freien Wildbahn immer seltener werden, weil sie von Mittel- und Südamerika oft illegal und unter schlimmsten Bedingungen nach Übersee geschmuggelt werden. Vor allem das Schicksal der inzwischen 38-jährigen Laura, deren rotes Gefieder alle Blicke auf sich zieht, macht betroffen.

Denn Laura, die sich seit 20 Jahren in der Obhut von Michael Bussenius befindet, musste viel durchmachen. Sie wurde mit 18 Jahren eingefangen und war gemeinsam mit einer großen Zahl weiterer Artgenossen in einer engen Granathülse auf dem Seeweg bis nach Rotterdam gelangt. Dort wurden die Tiere vom Zoll entdeckt und konfisziert. „So gelangte Laura nach Halberstadt“, sagte Bussenius und jedem wird klar, dass er zur roten Ara-Dame ein besonders inniges Verhältnis hat.

Zum Abschluss seines Besuches in Pabstorf genossen die gefiederten Gäste noch das Bad in der Menge, nahmen auf Köpfen und Händen Platz, richteten Frisuren und nahmen auch mal die Mütze vom Kopf. Und natürlich wurden noch viele Fotos gemacht, auch für das Pflegepersonal war diese „Papageienstunde“ein toller Ausgleich zu ihrem verantwortungsvollen Job. Und ihre Schützlinge, die Bewohner des Pflegeheimes, waren begeistert und werden bestimmt noch lange über diesen bunten und lustigen Besuch erzählen.

„Ich freue mich über Anfragen von Kindergärten und Heimen und bringe gern mit den Tieren etwas Freude und Abwechslung in den Alltag,“ erklärte Michael Bussenius zum Schluss.

Denn wenn etwas so viel Freude macht, wäre es sehr unklug, es aufzugeben.