l 5550 Halberstädter haben am Sonntag, 5. Juli, Daniel Szarata ihre Stimme gegeben. Der Christdemokrat hat damit laut vorläufigem Endergebnis 39,92 Prozent aller abgegebenen und gültigen Stimmen auf sich vereint. Damit liegt der 37-jährige Christdemokrat vor Amtsinhaber Andreas Henke von der Partei Die Linke, der 4179 Stimmen verbuchte. Bei der Wahl 2013, als Szarata das erste Mal gegen Henke antrat, war das Verhältnis andersherum. Damals konnte sich Henke 53,7 Prozent der Wählerstimmen sichern, für Szarata votierten damals 34 Prozent der Wähler.

Traten vor sieben Jahren mit Henke, Szarata, Peter Köpke (SPD) und Volker Hofmann (Einzelkandidat) vier Halberstädter gegeneinander an, waren es am Sonntag sechs Kandidaten. Neben Henke und Szarata waren das Denis Schmid (Buko), Christian Hecht (AfD) sowie die beiden Einzelkandidaten Jan-Peer Hartig und Andreas Gottschalt.

Kernstadt stimmt mehrheitlich für Szarata

l 246 Wähler im Wahlbezirk 1, das ist quasi die Sarg­stedter Siedlung, verschafften Oberbürgermeister Andreas Henke den einzigen Wahlbezirk, den er gewinnen konnte. Sonst hat Daniel Szarata, Vorsitzender der Stadtratsfraktion CDU/EWG, bei dieser Wahl in fast allen Wahlbezirken die Nase vorn. In der Siedlung kam er zwar „nur“ auf 153 Stimmen, in den Wahlbezirken der Kernstadt ist das Votum meist sehr eindeutig für Szarata ausgefallen. So in Wehrstedt. Hier lag das Verhältnis bei 116 zu 22 Stimmen.

Auch in einigen Ortsteilen liegt Henke vor Szarata, manchmal sehr knapp. In Langensteins Ortsteil Mahndorf ist es nur eine Stimme Unterschied, 11 für Henke, 10 für Szarata. Schmid liegt mit sieben Ja-Stimmen dicht auf. Mahndorf ist der einzige Wahlbezirk, in dem Einzelkandidat Andreas Gottschalt gar keine Stimme gewinnen konnte. In der Gesamtschau sicherte sich Gottschalt 2,06 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung im mit 87 Wahlberechtigten kleinsten Wahlbezirk der Stadt lag bei 36,8 Prozent, dazu kommen sieben Briefwähler.

l 3 Stimmen Unterschied sind es in Sarg­stedt (Wahlbeteiligung 42,6 Prozent) für die beiden Hauptkonkurrenten. 85 Wähler votierten für Henke, 82 für Szarata. 43 Sargstedter entschieden sich für Denis Schmid.

Henke in Langenstein und Athenstedt vorn

In Langenstein (mit Böhnshausen), gingen im Vergleich zu den anderen Ortsteilen die wenigsten Bürger an die Wahlurnen. Die Wahlbeteiligung lag bei 25,9 Prozent. Henke sicherte sich mit 132 Stimmen einen klaren Vorsprung vor Szarata. Dieser kam auf 124 Stimmen.

Auch in Athenstedt hat der 57-jährige Amtsinhaber mehr Anhänger für sich mobilisieren können als sein Herausforderer. So stimmten 49 Athenstedter für den Linkspolitiker Andreas Henke, 32 für den Christdemokraten Daniel Szarata.

Gewonnen hat diesen Wahlbezirk, der zugleich der mit der besten Wahlbeteiligung (51,9 Prozent) war, aber keiner von beiden. Athenstedt ist der einzige Ort, in dem sich der insgesamt Drittplatzierte Denis Schmid (2061 Stimmen) von der Wählervereinigung Buko (Bürger unseres Kreises ohne Parteibuch) die Mehrheit der Wählerstimmen sichern konnte. 51 Athenstedter hatten hinter seinem Namen ihr Kreuz gesetzt. Ob es daran liegt, dass Athenstedts Ortsbürgermeister Ralf Barthel ebenfalls aktives Buko-Mitglied ist? Die Vermutung liegt nahe.

Emersleben geht klar an Szarata, der 115 Stimmen gewinnt, Henke erhält hier 68 Stimmen. Die Wahlbeteiligung in Emersleben lag bei 44,2 Prozent. In Klein Quenstedt ein ähnliches Bild: 105 Stimmen für Szarata, 41 für Henke, Wahlbeteiligung 46,3 Prozent. Auch 41 Aspenstedter wählten Henke, 106 dessen Herausforderer. In diesem Ortsteil lag die Wahlbeteiligung bei 47,4 Prozent. In Ströbeck gingen nur 35,3 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, 129 wollen Daniel Szarata als Oberbürgermeister, 75 Andreas Henke.

Hecht mit Ergebnis zufrieden

l 85 Stimmen sind für Christian Hecht (AfD) das beste Ergebnis in einem einzelnen Wahlbezirk. So viele Stimmen gewann er im Wahlbezirk 6, das Wahllokal ist traditionell in der Kreismusikschule zu finden. Auch im Wahlbezirk 2 (Goethe-Schule, 82 Stimmen), der Sargstedter Siedlung (71), im Bereich des ehemaligen Pieck-Rings (insgesamt 103 Stimmen in den beiden Wahlbezirken dort) schnitt die AfD gut ab. In den Ortsteilen ist das Bild unterschiedlicher. In Langenstein (46), Klein Quenstedt (45, hier liegt Hecht noch vor Henke) und Ströbeck (32) ist die Unterstützung vergleichsweise groß, in Athenstedt gab es nur 9 Stimmen für Christian Hecht.

Die AfD ist als parlamentarischer Neuling 2019 mit vielen Stimmen in Kreistag und Stadtrat gewählt worden. Nun hatte der AfD-Fraktionschef Ambitionen auf das Oberbürgermeisteramt angemeldet. Insgesamt kam Hecht auf 1308 Stimmen, das sind 9,41 Prozent aller gültigen Stimmen und Platz 4 auf der Rangliste aller sechs Kandidaten.

Dennoch sei es „ein hervorragendes Wahlergebnis“, sagte er am Montag, nachdem er am Sonntagabend nicht erreichbar gewesen war. „Das Handynetz war überlastet“, so Hecht. Er sehe in dem Ergebnis ein Zeichen, dass seine Partei auf dem richtigen Weg sei. Angesichts des kurzen Wahlkampfes, den er als sehr fair einschätzte, könne man mit dem Ausgang sehr zufrieden sein. In der Stichwahl wolle er Szarata unterstützen.

l 33.512 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Halberstadt und den sieben Ortsteilen waren insgesamt am 5. Juli aufgerufen, einen neuen Oberbürgermeister zu wählen. Ab dem 16. Lebensjahr konnten die Wahlberechtigten ihre Stimme in 24 Wahllokalen oder per Briefwahl abgeben.

Briefwahl bei Halberstädtern beliebt

In diesem Jahr waren die Wähler aufgrund der Corona-Pandemie gebeten worden, verstärkt die Möglichkeit der Briefwahl zu nutzen. Die Stadtverwaltung hatte für die Beantragung der Briefwahlunterlagen in diesem Jahr erstmals ein Online-Formular auf ihrer Internetseite hinterlegt. Man konnte aber auch auf postalischem Weg per Wahlbenachrichtigungskarte oder mit einem formlosen Schreiben per E-Mail die Unterlagen anfordern. Das taten vergleichsweise viele Einwohner der Stadt. „Wir hatten auch eine sehr gute Rücklaufquote“, sagte Stadtwahlleiter Timo Günther.

l 4980 Halberstädter hatten beantragt, dass ihnen Wahlschein und Stimmzettel zugesandt werden soll, 4709 Briefe mit den ausgefüllten Stimmzetteln kamen zurück. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2013 hatten sich 2685 Wähler dafür entschieden, per Briefwahl ihr Votum zu treffen.

Auch in den Briefwahlergebnissen zeigt sich Wechselstimmung bei den Wählern, 1859 Stimmen fielen auf Szarata, auf Henke 1404, auf Schmid 817 und auf Hecht 268. Für Jan-Peer Hartig, der auf insgesamt 520 Stimmen und damit 3,74 Prozent kam, hatten sich 182 Briefwähler ausgesprochen. Für Andreas Gottschalt schlugen 77 Briefwahlstimmen zu Buche.

Höhrere Wahlbeteiligung als 2013

l 13.974 Wählerinnen und Wähler haben von ihrem Wahlrecht an der Urne oder per Brief Gebrauch gemacht. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 41,70 Prozent. Bei der Wahl 2013 lag sie bei 39,8 Prozent.

Nun also muss Andreas Henke nach seinen zweiten sieben Amtsjahren in die Stichwahl. Der Wahlausschuss wird am Mittwoch, 8. Juli, um 9 Uhr entscheiden, ob das bislang vorläufige Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl dann auch das amtliche ist. Zudem muss die Zulassung zur Stichwahl für die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen formal erfolgen.