1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Halberstadt
  6. >
  7. Nach Brandkatastrophe: Osterwieck plant weitere Eindämmung der Feuerwerke

Nach Brandkatastrophe Osterwieck plant weitere Eindämmung der Feuerwerke

Wie die Stadt ihre Gefahrenabwehrverordnung gegenüber Silvesterböllerei sowie auch Tierhaltern verschärfen will.

Von Mario Heinicke 05.03.2026, 10:00
Schön anzusehen, aber auch brandgefährlich. Silvesterfeuerwerke könnten  in Osterwiecker  Ortsteilen bald reguliert werden.
Schön anzusehen, aber auch brandgefährlich. Silvesterfeuerwerke könnten in Osterwiecker Ortsteilen bald reguliert werden. Foto: Jürgen Lukaschek

Stadt Osterwieck. - Auf der Februar-Sitzung des Osterwiecker Stadtrates war nach einem Antrag der AfD-Fraktion zum Aufstellen von Hundekotbeutelspendern recht ausführlich über die Hinterlassenschaften der bellenden Vierbeiner auf Straßen und Wegen gesprochen worden. Dieses Thema wurde diese Woche vom Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Umwelt nochmals aufgegriffen. Ordnungsamtsleiterin Franziska Wambsganß stellte einen praktikablen Vorschlag zur Änderung der Gefahrenabwehrverordnung vor, mit dem man Hundehalter stärker unter Druck setzen und, so die Hoffnung, zumindest für ein etwas hundekotfreieres Straßenbild sorgen könnte. Denn, so merkte der Hundehalter und Linke-Abgeordnete Michael Körtge an: „Der Hund ist nur so doof wie sein Herrchen.“

Im Raum also steht, Personen, die einen Vierbeiner ausführen, zur Mitnahme eines Hundekotbeutels zu verpflichten. Und freilich auch zu benutzen, wenn der Hund eine Hinterlassenschaft getätigt hat. In der Praxis droht ansonsten: Sollte des Außendienst der Stadtverwaltung bei einer Kontrolle einen Hundehalter ohne entsprechenden Beutel antreffen, wären laut Franziska Wambsganß Strafen von 20 bis 40 Euro denkbar. Bleibt der Kot (oder auch der volle Beutel) liegen, seien 100 Euro möglich.

„Das wäre eine Präventionsmaßnahme“, fasste die Amtsleiterin zusammen.

Die Pflicht zur Kastration frei laufender Katzen steht schon in der Gefahrenabwehrverordnung, gilt bisher aber nur in acht der 14 Orte: Berßel, Bühne, Lüttgenrode, Osterwieck, Rohrsheim, Schauen, Veltheim und Zilly. Mit Wülperode hat nun ein neunter Ortschaftsrat beschlossen, diese Pflicht für Katzenhalter, die ihren Stubentigern Zugang ins Freie gewähren, einzuführen.

Noch ein dritter Punkt steht zur Diskussion, in der Gefahrenabwehrverordnung verschärft zu werden. Das sind die Silvesterfeuerwerke. Nach der Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Hessen hatte sich schon in der Einwohnerfragestunde auf der letzten Stadtratssitzung eine Hessenerin dafür stark gemacht, die Böllerei zu verbieten. In der Stadtverwaltung sind vier derartige Anträge eingegangen, berichtete Franziska Wambsganß; zwei aus Veltheim sowie je einer aus Hessen und Zilly.

Während das Hunde- und Katzenthema vorangeschritten erscheint zur Aufnahme in die Gefahrenabwehrverordnung, ist für die Silvesterfeuerwerke noch etwas Arbeit notwendig.

Bereits aus der Zeit vor Gründung Osterwiecker Einheitsgemeinde stammt ein Feuerwerksverbot für die Osterwiecker Altstadt, begründet mit den vielen Fachwerkhäusern. Das Bundessprengstoffgesetz verbietet ohnehin Böllerei in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Häusern. Für ganze Orte ein Verbot auszusprechen, sei nicht möglich, sagte Franziska Wambsganß, man könne aber zusammenhängende Verbotszonen einrichten.

Wo das sein soll und ob es dann möglicherweise zentrale Böllerplätze geben könnte, ist noch ungeklärt – und wurde im Ausschuss teils kontrovers diskutiert.

„Wer will das kontrollieren?“, fragte nicht nur Zillys Ortsbürgermeister Fred Bomeier (Bürgerinitiative Zilly) in den Raum. Denn „wenn es nicht kontrolliert wird, ist es ein Tiger ohne Zähne“, so Michael Körtge. Auch die Frage, ob die Feuerwehren an einem Silvesterabend, wo jeder feiern möchte, einen zentralen Böllerplatz absichern würde, spaltete. Stadtwehrleiter Olaf Chrost hält das grundsätzlich für möglich, Tobias Kruse (WG Veltheim und bald Ortswehrleiter im Fallsteindorf) lehnt das ab, weil den Ehrenamtlichen damit zu viel aufgebürdet würde. Dann, so seine Lösung, müsse der Bauhof mit seinen Hauptamtlichen ran. Hier besteht also noch einiger Gesprächsbedarf.